Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Zuviel Nachfrage

Internationaler Markt

Epilog zur Krim-Krise: Die Halbinsel mit ihrer mehrheitlich russischen Bevölkerung wird Teil Russlands werden. Der Anschluss ist ein demokratisch legitimer und völkerrechtlich illegitimer Vorgang. Er dient den Menschen vor Ort, nicht zuletzt durch Wohlstandsgewinn, aber nicht dem internationalen Recht. Der Bruch des Völkerrechts im Namen der Humanität ist eine von allen politischen Großmächten ausgeübte Praxis. Insofern steht eine Anklage dagegen durch opponierende Großmächte grundsätzlich auf wackeligem Fundament.

Als Zeichen des Protests hat der Westen Wirtschaftssanktionen gegen Russland beschlossen. Die USA gehen dabei weiter als die EU. Die vermeintliche Entschlossenheit ist von wirtschaftlichem Pragmatismus geprägt. Die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Russland sind unbedeutend, die zwischen der EU und Russland sind vitale Grundlage des Wohlstands beider Parteien. So bestimmen beispielsweise 44 Prozent der Ölimporte und 57 Prozent der Ölexporte den Handel zwischen den reichen Ländern Europas und Russlands.

Die EU trägt bereits Nachteile aus den Sanktionen gegen den Iran und dem Zusammenbruch der Ordnung in Libyen. Es ist kaum vorstellbar und noch weniger verantwortbar, diesen Nachteilen, die wirtschaftlich vor allen Dingen gegenüber den USA zum Ausdruck kommen, weitere öl- und rohstoffrelevante Probleme hinzuzuaddieren, zumal kein vermittelbarer Zweck darin läge. Denn wirtschaftlich im Sinn von Wohlstand würden Sanktionen weder den Ukrainern, noch den Europäern, geschweige denn den Russen dienen. Allenfalls könnten sich alle Seiten am Willen des Durchsetzens von Völkerrecht oder Demokratie ergötzen, wobei nicht einmal das Resultat, nämlich die Wiederherstellung des Völkerrechts, in der Sache zu haben wäre. So ist es nur folgerichtig, dass die EU lediglich ein paar Larifari-Sanktionen gegen ausgewählte russische Personen zur Wahrung der eigenen politischen Reputation ausruft. Man behüte uns vor mehr unausgegorenem Populismus.

Die Ölbörsen haben diese Sichtweise auf das Thema bereits aufgenommen. Sie tendieren wieder streng abwärts. Dabei würdigen sie das gute globale Ölangebot und die nicht den Erwartungen folgende Konjunkturentwicklung.

Die Ukraine als politischer Brennpunkt ist selbstverständlich noch nicht vom Radarschirm verschwunden. Im Osten droht nun eine ähnliche Entwicklung wie auf der Krim. Allein um es hier besser zu machen, wäre es wünschenswert, wenn jetzt keine Sanktionsspirale, sondern eine Diplomatieoffensive gestartet werden würde. Mit der Anerkennung von Tatsachen und ihrem diplomatischen Umgang hat Deutschland vor gut 40 Jahren Bahnbrechendes für die Weltpolitik geleistet. Es ist höchste Zeit, sich daran zu erinnern und zu alter diplomatischer Stärke zurückzukehren. Das sollte in diesem Fall sogar leichter fallen als damals, da die ursächlichen Vorgänge in der Ukraine keine staatlich organisierten Menschenrechtsverletzungen darstellen.

Im weiteren Verlauf der Woche werden andere Themen zurück in die Preisbildung finden. Hierzu gehören die wieder aufgenommenen Verhandlungen mit dem Iran um ein Atomabkommen und die turnusgemäße Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FED). Von den Atomverhandlungen erwartet man nicht viel. Insofern könnte eine positive Überraschung herauskommen. Von der FED erwartet man den nächsten Schritt zur Reduzierung des munteren Geldschöpfens ohne realwirtschaftliches Äquivalent. Beide Resultate wären dem Abwärtstrend der Ölnotierungen dienlich.

Heute Morgen erheben sich die gestern gefallenen Öl- und Dollarnotierungen ein wenig. Einen Tagestrend sehen wir darin noch nicht. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 888,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 98,17 Dollar und in London zu 106,68 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 71,88 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise müssten deutlich sinken, wenn sie ausschließlich dem Weltmarkt folgen würden. Sie sinken aber nicht, weil sie nun eine starke Binnenmarktkomponente haben. Die stammt von der zurückhaltenden Heizölbevorratung in den Auslieferungslagern und von der gestiegenen Kaufbereitschaft der Kunden. In anderen Worten, schwaches Angebot trifft auf hohe Nachfrage. Für den Handel ist der Winter vorüber. Deshalb reduziert er die Lagerhaltung. Kunden sind durch die Krim-Krise verunsichert. Sie wollen sich mit einem vollen Öltank beruhigen. Das ist nachvollziehbar, aber nicht unbedingt klug. Die Aussichten für weiter nachgebende Heizölpreise sind nämlich immer noch gut. Anders als vor ein paar Jahren muss man Preisanstiege nicht mehr mit grundsätzlicher Sorge vor einer Richtungsumkehr betrachten. Mit Risikobewusstsein, Geduld, einer ausreichenden Restmenge Heizöl im Tank und unseren zeitnahen Informationen haben Sie realistische Chancen auf einen noch günstigeren Einkauf. Wir gehen davon aus, dass die Heizölpreise nicht nur einem Dreijahrestief nahe kommen, wie es jetzt bereits der Fall ist, sondern dieses unterschreiten werden. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

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