Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: gut

Internationaler Markt

Der Datenfluss zum Ölmarktgeschehen kehrt nach der weihnachtlichen Unordnung in den Normaltakt zurück. Gestern war regulärer US-Bestandstag. Er hatte erwartete Abbauten in den Rohöllagern und überraschende Aufbauten in den Produktenlagern zu bieten. Die Abbauten werden als Ausläufer der steuermotivierten Bestandssenkungen zum Stichtag 31. Dezember interpretiert. Ab der kommenden Woche wird eine Zunahme der Rohölvorräte aufgrund des guten Angebots erwartet. Die Aufbauten bei den Produkten zeugen von einer schwachen Nachfrage. Alles in allem sind die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) präsentierten Daten bärisch. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: -2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -7,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +5,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: +6,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 9,3 (DOE) bzw. 3,5 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung liegt bei 92 Prozent.

Bärisch ist auch die Meldung zu verstehen, dass eine neue Pipeline aus dem irakischen Kurdistan zum türkischen Seehafen Ceyhan in Betrieb genommen wurde. Dadurch gelangen geringe, aber im Laufe der Zeit steigerungsfähige Mengen zusätzlichen Rohöls auf den europäischen Markt. Bärisch ist die Tatsache, dass die OPEC weniger Öl auf den Markt bringt als ihre Quoten erlauben und als sie könnte. Auch dies wird als Folge einer relativ geringen Nachfrage gesehen. Die Reservekapazitäten der Produktion sind in Konsequenz rech hoch. Bärisch ist schließlich das gute Planangebot an Nordseeöl über die kommenden Monate.

Neben den vielen bärischen Einflüssen aus dem physischen Markt wurden gestern auch bullische Faktoren geliefert. Ganz vorne ist mal wieder Libyen zu nennen. Von dort kann man Rohöl über einen von regionalen Autoritäten besetzten Hafen beziehen. Gemäß einer Ankündigung der Zentralregierung muss man allerdings damit rechnen, dass der Tanker, der das Öl außer Landes tragen soll, von der Marine zerstört und versenkt wird. Das Recht, Öl zu exportieren, habe nur die National Oil Company. Die verfügt aber über keinen funktionierenden, das heißt unblockierten Ölhafen. In anderen Worten, aus Libyen kommen weiterhin keine nennenswerten Ölmengen auf den Markt.

Als bullische Einflüsse außerhalb des physischen Markts sind schließlich ein paar gute Konjunkturzahlen für die USA, die protokollierte Einschätzung der Notenbank, dass es tatsächlich aufwärts gehe mit der US-Wirtschaft, ihre gleichwohl lockere Geldpolitik und die charttechnische Konstellation der Ölnotierungen zu nennen, die nach dem kräftigen Abgang der letzten Tage eine Gegenreaktion herbeischreien. Konsequenterweise hielt sich der Abgang der Ölnotierungen gestern trotz der bärische Impulse in Grenzen. Die europäischen Titel standen sogar still.

Heute Morgen tendieren die Ölbörsen aufwärts. Die charttechnische Dimension des Preisgeschehens muss erstmal abgewickelt werden, bevor der freundliche physische Markt wieder wirken kann. Das Ganze wird aber schmerzfrei über die Bühne gehen. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 913,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 92,76 Dollar und in London zu 107,59 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,56 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise legen ein klein wenig zu. Gestern war der Dollar Schuld am kaum spürbaren Geschehen. Der Binnenmarkt läuft rund. Es gibt keine Preisverwerfungen zu melden. Die Aussichten sind gedämpft freundlich. Die Dämpfung resultiert aus den üblichen Unwägbarkeiten des finanzmarktgeprägten Teils der Preisbildung. Der physische Markt im Sinn von Angebot und Nachfrage könnte kaum besser sein. Aber Vorsicht vor falschen Erwartungen, ein rasanter Preisrutsch ist in keiner Weise in der freundlichen Lagebeschreibung angelegt. Dazu sind die Aufwendungen für die Ölförderung zu teuer geworden. Wer auf tiefere Preise spekulieren möchte, findet eine erfolgversprechende Periode vor. Eine ausreichende Restmenge im Tank und die zeitnahe Verfolgung der Preisentwicklung sind dabei angeraten. Empfehlung: Benutzen Sie den e-Peilstab zur Mengenermittlung und die Heizölpreise-App zur Preisverfolgung. Wer Spekulieren ablehnt, kann beherzt kaufen. Heizöl ist billiger als während der gesamten letzten zwei Jahre. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Libyen liefert weiterhin kaum Öl
Diverse kleinere und mittlere Lieferstörungen
US-Notenbank pumpt weiterhin viel Geld in den Markt
Charttechnik

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: US-Bestandsdaten
Angekündigte Liefermengen aus der Nordsee
Saudi Arabien befürchtet erhebliches Überangebot
Weitere Steigerung der US-Exporte erwartet
Weitere Steigerung des globalen Rohölangebots erwartet

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