Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise auf Jahrestief

Sanft sinken die Rohölpreise. Der Satz beschreibt die Situation seit der letzten Woche. Im Rückblick auf zwei Monate trifft eher die Aussage zu, und sie bewegen sich doch. Dass sich die Preise überhaupt spürbar bewegen, ist fast erstaunlich. Denn den Marktteilnehmern fehlt die treibende Spekulationsphantasie. Ihnen bleibt kaum ein anderes Thema als das Wetter. Der Dollar gibt mehr her. Er hat einen durchschlagenden Preisrückgang von 5 Prozent im November hinter sich. Im Gegensatz zum Ölmarkt ist das eine beachtliche Größenordnung. Die treibende Phantasie leitet sich aus der abkühlenden US-Konjunktur ab. Zuletzt gab es eine deutliche Gegenbewegung. Nun könnte der Abgang weitergehen.

Im Oktober und beginnenden November verlief die Ölpreisbewegung seitwärts mit geringen Ausschlägen von der Mittellinie. Die lag für Rohöl der Sorten WTI (West Texas Intermediate) und Brent zwischen 61 und 62 Dollar. Es folgte ein Versuch, die 60-Dollar-Marke zu unterschreiten. Der Versuch scheiterte u.a. an einer lautstarken Reaktion der OPEC. Effektiv war die Reaktion nicht. Denn die Absicht, die Liefermengen zu kürzen, wurde bis heute kaum in die Tat umgesetzt. Die Lieferungen sollen momentan 0,5 bis 0,7 Mio. Barrel pro Tag über der Nachfrage liegen. Das veranlasst einige OPEC-Länder von weiteren Kürzungen zu sprechen. Andere pumpen mit Höchstleistung. Möglicherweise haben sie Sorge, morgen weniger Geld für ihr Öl zu erlösen. Diese Sorge und die dadurch hervorgebrachte kurzfristige Handlungsweise ist das ewige Problem der OPEC. Eine Einigung auf eine gemeinsame Ölpolitik ist kaum zu erzielen. So bleibt dem Kartell zur Preisbeeinflussung nur das medienwirksame Drohen. Sollten die Preise weiter sinken, was im Zuge der laufenden Bewegung wahrscheinlich ist, werden wir es wieder hören.

Immerhin, das aufgebrachte Getöse der OPEC hat nach dem gescheiterten Versuch, die 60-Dollar-Marke zu knacken, zu einer Preissteigerung von fast 10 Prozent geführt. Unterstützt wurde die Bewegung durch eine kurze Kaltwetterperiode in den USA. Bei 64 Dollar pro Barrel war dem Preisauftrieb die Luft ausgegangen. Seit Anfang Dezember geht es wieder abwärts. Das Spiel kann von vorne beginnen. Derzeit deutet wenig darauf hin, dass den Börsianern andere Themen als die OPEC-Reaktion auf Preisbewegungen und ihre Wetterfühligkeit einfallen. In den USA soll es übrigens wieder wärmer werden.

Warum fallen die Preise nicht unter 60 Dollar, wenn der Markt gut versorgt ist? Schließlich lagen sie vor wenigen Jahren bei weniger guter Versorgung noch bei 20 bis 30 Dollar pro Barrel. Ein Erklärungsversuch kann nur über die Endlichkeit unserer Ressourcen laufen. Spätestens seit 2003 wird an der Börsen nicht mehr ein tendenziell ausgeglichener Markt gehandelt sondern ein potenzieller Mangelmarkt. Diese Sicht der Dinge scheint zwar angesichts der realen Endlichkeit unserer Öl-, Gas-, Kohle- und Uranvorräte logisch und dauerhaft zu sein, muss sie aber nicht. Solange eine Steigerung der Ölgewinnung möglich ist, kann die Sicht kippen. Das geschah in der Geschichte mehr als einmal. Bekanntestes Beispiel ist die veränderte Wahrnehmung zwischen 1975 und 1985. Damals gab es mehrere politisch ausgelöste Ölpreisschocks. Und es gab bereits damals die Einsicht, dass die Vorräte endlich sind. Öl wurde schließlich teurer als heute, wenn man den Preis inflationsbereinigt abbildet. Am Umstand der Endlichkeit hat sich nie etwas geändert. Dem Markt stand in den Folgejahren dennoch immer mehr Öl zur Verfügung. Und so geriet die Endlichkeit temporär in Vergessenheit. Die Preise konnten purzeln. Eine Steigerung der Verfügbarkeit wird nach Schätzung von Total bis 2015 möglich sein. Die Förderung wird von heute rund 85 Mio. Barrel pro Tag auf knapp 120 Mio. Barrel steigen. Damit sei dann das Höchstmaß erreicht. Sollten sich die Zahlen durch noch unbekannte Marktentwicklungen verschieben, gäbe es eine Chance für sinkende Ölpreise. Sollten sich die Zahlen hingegen verfestigen, sind die Aussichten für niedrigere Preise äußerst gering.

Heute Morgen geht der Gasölpreis zurück, allerdings nur im Rahmen der engen Grenzen einer tendenziell seitwärts verlaufenden Bewegung. Die Tonne kostet. 534 $.

Unsere Heizölpreise sind sehr gut. Das gilt zumindest, wenn man das höhere Niveau akzeptiert, das durch die Wiederentdeckung der Endlichkeit unserer Ressourcen entstanden ist. Sie stehen auf Jahrestief. Die etwas bessere Lage als am Weltmarkt verdanken sie dem Dollarverfall. In den nächsten Tagen werden sie um drei Prozent teurer, weil die MwSt.-Erhöhung einfließt. Die könnte bei leicht sinkenden Weltmarktpreisen und bei anhaltendem Dollarverfall fast unbemerkt durchgehen.

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