Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise durch Überversorgung günstiger

Er blitzt wieder auf, der reale Markteinfluss an den Ölbörsen. Gestern zog er die Kurse im gesamten Ölkomplex abwärts. Finanzjongleure fanden genug echte Geschichten im Nachrichtenstrom, die sie bereit waren zu handeln. Allesamt hatten bärische Qualitäten. Da waren gute Konjunkturzahlen, das nahe Ende des Raffineriearbeiterstreiks in den USA, die Wiedereröffnung des für die Ölversorgung wichtigen Houston Ship Channels, eine Schätzung über einen hohen Rohölzufluss in das US-Zentrallager in Cushing Oklahoma während des letzten Wochenendes und die Feststellung, dass die libysche Ölproduktion auch im Kriegschaos des Landes erstaunlich gut funktioniert. Es ist unschwer zu erkennen, dass die Impulse für den Ölhandel mehrheitlich in den USA gesammelt werden. Dieser Umstand ist nicht neu. Dort gibt es die größte Finanzszene und die größte Ölwirtschaft. An Selbstzentriertheit führt somit kaum ein Weg vorbei.

Die Öl- und Finanzszene ist sich einig, dass der Markt übersorgt ist. Uneins ist man sich nur über die Dauer dieser Marktlage. Natürlich wird auch das mit einem besondern Fokus auf die USA diskutiert. Derzeit kommen von dort Rekordmeldungen über die Rohölförderung im Wochentakt. Das soll bis ins zweite Quartal hinein so bleiben. Danach, und hier streiten sich die Geister, könnte die Förderung wieder sinken. Global wird sie nicht sinken. Im Gegenteil, sie wird weiter steigen, sogar stärker als die Nachfrage. Und dann ist da noch der Joker „Ende der Sanktionen gegen den Iran“. Wenn der mit der Beilegung des Atomsstreits gezogen werden sollte, flösse mit einem Schlag noch mehr Öl auf den Markt. An diesem Wochenende wird das Thema wieder verhandelt.

Die Lage ließe kaum etwas anderes zu als sinkende Ölpreise bis zur Beendigung der Überversorgung. Die Durchmischung mit der exzessiven Geldpolitik der Notenbanken verschiebt die Hoheit über die Preisbildung jedoch immer wieder in das Paralleluniversum der Finanzszene. Die handelt über weite Strecken relativ losgelöst von Realmarkteinflüssen. Gestern war in dieser Beziehung ein Ausnahmetag.

Heute Morgen scheinen sich die Akteure an den Ölbörsen von einem bewegten Handel erholen zu wollen. Die Notierungen zeigen wenig Leben. Am Devisenmarkt wird der Dollar nach etwas Abgang schon wieder aufwärts getrieben. Dadurch haben die Heizölpreise hierzulande kaum eine Chance auf eine ordentliche Abwärtsbewegung. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 538,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 47,17 Dollar und in London zu 57,10 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,9450 Euro . Damit kostet der Euro 1,0582 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise geben nach. Sie durchstoßen dabei die untere Begrenzung der Trenddarstellung in der 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz. Das ist erfreulich und beruhigend, da damit die Flagge, so heißt das Trenddreieck, mit ihrer mystischen Ausprägung erledigt ist. Die soll die Preise nämlich aufwärts treiben. Man kann daran glauben. Man muss daran aber nicht glauben. Wenn nichts Gravierendes geschieht, werden wir in Kürze einen Seitwärtstrend sehen.

Im Binnenmarkt geht es ruhig zu. Bestellungen kommen dürftig. Hoffnungen auf tiefere Preise sind nach wie vor beliebt. Das Markt- und Preisgeschehen zu verfolgen, ist kein Massenphänomen mehr unter Ölheizern. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf einem mittleren Wert für die Kaufbereitschaft, das andere auf einem klaren Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise. Neben ein paar Spontankäufern sind weiterhin Beobachter im Markt, die bei tieferen Preisen zu ordern gedenken.

Diese Beobachter werden sich eventuell vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt fühlen. Das zeigt derzeit keine Kaufsignale. Diese werden definitiv wieder kommen. Ob der Preis dann wirklich tiefer liegt als heute, ist leider nicht gewiss.

Die Preistrends weisen nur in den längerfristigen Bereichen abwärts. Die Konstellation legt eine Spekulation auf fallende Ölpreise nicht unbedingt nahe, die Überversorgung des realen Markts hingegen schon. Die Heizölpreis-Entwicklung steckt in einer 50/50 Situation fest.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, von dem immer noch ein ordentlicher Anteil verblieben ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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