Unseren neuen Kommentar für den 24.07.17 finden Sie hier.


Heizölpreise entfernen sich von ihrem Jahrestief

Internationaler Markt

Knappheit ist bei der Ölversorgung mittlerweile ein Fremdwort. Dabei ist ein Hauch von Knappheit das erklärte Ziel der Kürzungsallianz von OPEC und einigen Nichtmitgliedsländern. Oder sollte es besser heißen, war das erklärte Ziel? Die Quotentreue lässt diesen Gedanken zu. Sie liegt nur noch bei ungefähr 78 Prozent. Im April, als sie ein historisches Hoch erreichte, wurde noch vollmundig verkündet, dass man von der Allianz 100 Prozent Quotenerfüllung erwartet.

Das wird nichts und Knappheit wird es weder in diesem noch im nächsten Jahr geben. Das ist zumindest die aktuelle Konsensmeinung der Finanzszene. Ölproduzenten in den USA sehen die pralle Versorgung des Markts sogar noch länger voraus. Daher erwarten sie in zwei Jahren immer noch einen Ölpreis, der ihre Förderkosten kaum zu decken vermag. Erst in fünf Jahren, so orakeln sie, könnten für das Barrel wieder über 60 Dollar eingenommen werden.

Diese Aussicht hält sie im Markt. Mehr als ein Halten im für sie unbefriedigenden Umfeld gibt die Stimmung derzeit nicht her. Sie zeigt sich nicht zuletzt in den mittlerweile abgekühlten Bohraktivitäten. In der letzten Woche wurden nur noch zwei Anlagen in Betrieb genommen. Die zeitliche Verschiebung von Anbohren und Ölproduktion wird in den nächsten Monaten trotzdem zu einer Steigerung der US-Förderung führen.

Und was macht die OPEC nun? Heute treffen sich ihre Mitglieder gleichsam konspirativ. Dabei wird kaum etwas Marktbewegendes herauskommen. In der nächsten Woche wird die Runde um die produktionskürzenden Nichtmitglieder erweitert. Aber auch dieser Kreis wird den gegenwärtigen Marktzustand nicht zum eigenen Interesse ändern können. Brisant wird es indes, wenn die aktuelle Kürzung von 1,8 Mio. Barrel pro Tag, die nur zu 78 Prozent realisiert ist, im nächsten Jahr beendet wird. Dann droht der Markt erneut geflutet zu werden.

Die gute Ölversorgung macht sich hierzulande übrigens bei den Mitteldestillaten, das sind Heizöl und Diesel, stärker bemerkbar als bei Benzin. Daher sind die Dieselpreise in den letzten Wochen stärker gefallen als die Benzinpreise.

Vor dem Wochenende zogen die Ölpreise an. Neben einer rein spekulationstechnischen Komponente steckt darin möglicherweise eine Reaktion auf eine defekte Ölpipeline in Nigeria. Diese führte mal wieder zur Erklärung von Force Majeure, das heißt dem Nichterfüllen der vertraglichen Lieferungen. Heute Morgen werden Teile der Preissteigerung an den Ölbörsen wieder abgegeben.

Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 46,60 Dollar und das Barrel Brent zu 49,00 Dollar gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 449,50 Dollar . Der US-Dollar kostet 0,8730 Euro . Damit kostet der Euro 1,1451 Dollar . Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.

Nationaler Markt

Die Heizölpreise befinden sich mitten im abwärts gerichteten Trendkanal, wie der 12-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Das ist im Prinzip eine gesunde Lage, die sowohl kaufwilligen als auch spekulativ eingestellten Kunden entgegen zu kommen scheint. Letzte sollten sich die Charts, auch Rohöl und Gasöl, genau ansehen. Da wird eine Aufwärtstendenz der Preise sichtbar.

Der Binnenmarkt ist extrem ruhig. Er passt zur Jahreszeit. Weder finden die immer noch guten Preise derzeit viele Käufer, noch interessieren sich nennenswerte Beobachtermassen für die zu erwartende Entwicklung. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf niedrigem Niveau für die Kaufintensität, das andere immerhin auf einem soliden Mehrheitswert für die Erwartung an tiefere Heizölpreise.

Die Preistrends sind derzeit klar zu definieren. In den kurz- und mittelfristigen Zeitintervallen (3 und 12 Monate) geht es abwärts. Längerfristig (36 Monate) liegt noch ein Aufwärtstrend vor. Langfristig (60 und 120 Monate) weisen die Trends ebenfalls abwärts. Sie stützen somit Hoffnungen auf weiteren Preisabgang.

Unser Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank eine Füllung verlangt oder Sie zum Ärger über verpasste Chancen neigen, verschaffen Sie sich durch einen Kauf einfach Ruhe! Die Preise sind allemal gut. Aufgrund der uneinschätzbaren zukünftigen Preisentwicklung raten wir gleichwohl zur Eindeckung mit einer Teilmenge (1.000 bis 1.500 Liter). So bleibt die Chance erhalten, gegebenenfalls an einem weiteren Preisabgang teilzuhaben.

Um die Heizölpreisentwicklung optimal ausnutzen zu können, sollten Sie genau wissen, wie viel Platz in Ihrem Tank ist. Unser e-Peilstab hilft Ihnen dabei. Mit ihm können Sie Ihren nächsten Heizölkauf noch besser planen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.

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Heizölpreise-Chart vom

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