Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise etwas besser

Internationaler Markt

Wohin mit dem vielen Geld? Damit ist nicht Ihr Geld gemeint, sondern das der Finanzszene. Die ist im Ölmarkt extrem bullisch eingestellt. Ihre Wetten auf steigende Preise für Rohöl der Sorte WTI (West Texas Intermediate) erreichten bei der letzten Datenerhebung vor einer Woche ein historisches Hoch. Sie übertreffen die Long-Positionen während der heißen Phase der 2008er Preisexzesse um mehr als das Doppelte. Das ist bemerkenswert, da heute anders als damals genug Öl zur Befriedigung aller derzeit denkbaren Nachfrageszenarien zur Verfügung steht.

Die einfache Antwort, dass eben diese Ölversorgung durch zunehmende geopolitische Verwerfungen nicht mehr sicher ist, reicht nicht aus, das Phänomen zu erklären. Unsicher war die Versorgung im ersten Jahrzehnt dieses Jahrtausends allemal. Man denke nur an die Ausfälle durch die Sanktionen und die Zerstörung des Iraks. Sie übertrafen die aktuellen Effekte durch den Glaubenskrieg der ISIS-Krieger bei weitem. Die Gefahr, dass die mittlerweile wieder aufgebaute irakische Ölförderung nun erneut zusammenbricht, ist allerdings gegeben. Sie liefert eine Teilerklärung für das extrem bullische Treiben. Hinzu kommen andere Ausfallsituationen, von denen die meisten auf ungeschickte oder gar ignorante Politik der reichen Länder zurückzuführen sind.

Mindestens so stark wie die Summe aller geopolitischen Risiken, die derzeit im Ölmarkt stecken, wirkt die zügellose Geldschöpfung seit Ausbruch der Finanzkrise 2008. Sie führt sowohl dem physischen als auch dem finanztechnischen Markt Massen überschüssigen Geldes zu. Im physischen Markt bewirken diese immerhin den Aufbau neuer Förderinfrastrukturen. Im ölbezogenen Finanzmarkt bauen sie eine Blase auf. Das Wort Blase legt nahe, dass man bei Zeiten mit ihrem Platzen rechnen muss. Das einigermaßen treffsicher zu prophezeien trauen wir uns allerdings nicht zu. Wir können nur konstatieren, dass das aufgeblasene Geld- und Finanzsystem genauso weit von Stabilität entfernt ist wie die globale Politik.

Jede Aussicht auf einen kleinen Zugewinn an Stabilität führt in dieser Lage zu fallenden Preisen. Sie nähert das Preisgeschehen an das an, was den Markt derzeit im Kern ausmacht, eine gute Versorgung. So geschah es gestern. Die Preise sanken. Leider lässt sich daraus nicht ableiten, dass der Spuk steigender Ölnotierungen nun wieder vorbei ist. Dazu ist die Gesamtlage schlicht zu unsicher.

Heute Morgen erkennt man zwar noch keine Richtung im Tanz der Ölnotierungen. Da die Charttechnik weiterhin bärische Signale abgibt, wagen wir aber die Prognose, es geht noch etwas weiter abwärts. Die Tonne Gasöl kostet 929,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 105,80 Dollar und in London zu 113,88 Dollar gehandelt. Der Euro kostet 1,3609 US-Dollar.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben nach. Sie folgen damit den Vorgaben der internationalen Ölnotierungen. Es besteht Hoffnung, dass sie wieder unter 80 Cent pro Liter im Bundesdurchschnitt bei 3.000 Liter Liefermenge sinken. Den kurz- und mittelfristigen Aufwärtstrend werden sie dabei vermutlich nicht beenden können.

Der Binnenmarkt ist weitgehend eingeschlafen. Bestellungen kommen nur schleppend herein, wie unser Heizölkauf-Barometer zeigt. Selbst deutliche Rabatte in den Preisen können keine Dynamik in den Markt bringen, da sie im Vergleich zu den Steigerungen, die über den Weltmarkt hereinkamen, gering sind.

Das mathematische Tiefpreis-System steht weit entfernt von möglichen Kaufsignalen. Kaufgründe können nur die Sorge vor der Fortsetzung der Preissteigerung oder die momentane Freude über ein wenig Verbilligung im Zusammenhang mit einem leeren Tank sein. Unsere Leser sehen die Preisentwicklung etwas freundlicher als in der letzten Woche. Es gibt eine kleine Mehrheit, die fallende Preise erwartet. Ihr kann man durchaus folgen.

Die aktuelle Verbesserung der Preise ist kaum mehr als eine Gegenbewegung zum Aufwärtstrend der letzten zwei Wochen. Ihre grundsätzliche Einstellung bleibt davon unbeeindruckt. Anlass zur Hoffnung bietet allerdings die längerfristige Sicht. Für sie gilt weiterhin der Abwärtstrend. Bleibt zu erwähnen, dass die aktuellen Heizölpreise knapp unter dem Niveau der letzten beiden Jahre liegen. Sie sind trotz der bedrohlichen Ereignisse nicht davongeflogen. Dass das noch bevorsteht, lässt sich leider nicht in Gänze ausschließen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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