Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise freundlich in unfreundlichem Umfeld

Internationaler Markt

Da möchte ich nicht leben. Dieser Satz wird vielen Menschen durch den Kopf gehen, wenn Nachrichten von den Brennpunkten der Welt hereinkommen. Werden in dem Zusammenhang Länder wie Russland, Irak und Libyen genannt, sorgen die Meldungen bei Heizölverbrauchern zudem häufig für Entscheidungsdruck. Anders als Gasverbraucher können sie durch die Wahl des Kaufzeitpunkts Vorsorge vor üblen preislichen Konsequenzen für ihre Wärmeversorgung treffen.

Der Entscheidungsdruck ist in diesen Tagen hoch. Die EU-Sanktionen gegen Russland sowie die Replik Moskaus sind nicht geeignet, voller Zuversicht an den Winter zu denken. Der Westen will der russischen Wirtschaft schaden und Russland kündigt höhere Energiepreise an. Ob es einen Bumerangeffekt für die Wirtschaft der EU gibt oder Russland die Autarkie wählt und noch gefährlicher wird, ist derzeit nicht einschätzbar. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Ölpreise steigen, ist indes gering. Die ausgezeichnete Versorgungslage am Weltmarkt steht dagegen. Insofern ist die Angelegenheit nicht so unangenehm, wie die Nachrichtenlage das nahelegt.

So sieht man das auch an den Ölbörsen. Die US-Bestandszahlen taten gestern ein Übriges. Von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), den beiden für die Erhebungen zuständigen Institutionen, wurden zwar Rückgänge der Vorräte gemeldet. Beim Rohöl nimmt man die angesichts einer ungewöhnlich hohen Raffinerieverfügbarkeit von 94 Prozent und dem guten Nachschub aus eigenen Quellen aber gelassen. Stärker wird der bescheidene Aufbau bei den Produkten und der Umstand, dass die Benzinnachfrage in diesem Jahr wieder unter den Erwartungen liegt, gewichtet. Die Zahlen lauten im Einzelnen wie folgt:

Rohöl: -3,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,5 (DOE) bzw. 3,8 (API) Mio. Barrel.

Bullische Stimmung kam nicht auf. Im Gegenteil, irgendwie nahm der Tag eine bärische Wende, die in einem sich selbst verstärkenden Verkaufswirbel endete. Am wenig beachteten Devisenmarkt setzte sich derweil der Aufwärtstrend des Dollars fort. Er ist seit einiger Zeit die stärkere Bedrohung für die heimischen Heizölverbraucher als das Gerangel um Sanktionen gegen Russland. Sollten die Arbeitslosenzahlen in den USA weiter sinken, was derzeit eine 50/50-Wette ist, wird es zu Zinserhöhungen kommen. Das würde dem Dollar weiteren Schub nach oben geben.

Heute Morgen wurden die gestrigen Verluste an den Ölbörsen ein wenig zurückgenommen. Ein Tagestrend ist noch nicht zu erkennen. Der übergeordnete Trend deutet allerdings Abgang an. Der Trend des Dollars ist hingegen klar und deutlich aufwärts gerichtet. Die Tonne Gasöl kostet 888,25 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 99,50 Dollar und in London zu 106,22 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,7469 Euro .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise stecken weiterhin im kurzfristigen Aufwärtstrend. Seit vier Tagen bewegen sie sich aber seitwärts. Im 3-Monats-Chart der aktuellen Heizölpreis-Tendenz sieht die Angelegenheit nicht mehr ganz so unfreundlich aus wie zuvor. Die anderen Zeiteinstellungen machen deutlich, dass die Situation nicht vollständig bullisch ist.

Im Binnenmarkt ziehen die Bestellungen plötzlich wieder an. Die Unsicherheit, die die Sanktionen gegen Russland auslösen und ausgezahlte Gehälter treiben Kunden zum Kauf. Gemäß unserem Schwarm-O-Meter für Heizöl signalisieren sie mit ihrem Kaufverhalten, dass sie die Heizölpreise für „super“ halten.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt kein Kaufsignal. Das muss nicht zwingend ein Widerspruch zur Ansicht der Kunden sein. Die Preise sollten immer im politischen Kontext und in Zusammenhang mit dem eigenen Heizölvorrat bewertet werden. Das kann unsere Mathematik nicht.

Unsere Leser wechseln in diesen Tagen häufig ihre Erwartung an die Preisentwicklung. Das ist wahrscheinlich dem Gerangel um die Sanktionen gegen Russland geschuldet. Momentan gibt es ein wenig Hoffnung auf tiefere Heizölpreise. Wer darauf setzt, sollte sich des Risikos der Wette bewusst sein und das Geschehen eng verfolgen.

Die aktuelle Preisbewegung ist im kurzfristigen Bereich aufwärts gerichtet. In allen anderen Zeitstufen sind die Abwärtstrends intakt. Mit etwas mehr Toleranz könnte man die kurzfristige Entwicklung auch noch als Seitwärtstrend interpretieren. Insbesondere der längerfristige Trend macht weiterhin Hoffnung auf einen erneuten Preisabgang. Bleibt zu erwähnen, dass die aktuellen Heizölpreise unter dem Niveau der letzten drei Jahre zum gleichen Zeitpunkt liegen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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