Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise geben zögerlich nach

Internationaler Markt

Die USA förderten in der letzten Woche so viel Öl wie seit 32 Jahren nicht mehr. Möglicherweise erreichte die Wochenproduktion sogar ein Allzeithoch. Die Aussage ist deshalb unscharf, weil die wöchentlichen Messungen erst 1983 eingeführt wurden. Es gibt keine Zahlen auf Wochenbasis aus der Zeit davor.

Damit nicht genug. Die Vorräte in den US-Lagern erreichten ebenfalls ein neues Allzeithoch, seit sie wöchentlich erhoben werden. Angesichts des Fördermaximums ist die Zunahme in den Rohöltanks gleichsam obligatorisch. Ähnlich sieht es bei Benzin aufgrund der nachfrageschwachen Zeit aus. Einzig der Rückgang in den Heizöllagern fällt ein wenig aus der Reihe. Grund ist die starke Nachfrage als Folge eines Kälteeinbruchs. Im Einzelnen geben DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden für die Erhebungen zuständigen Institutionen, folgende Zahlen zu Protokoll:

Rohöl: +4,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -3,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 3,6 (DOE) bzw. 3,7 (API) Mio. Barrel gegenüber der Vorwoche. Die Raffinerieauslastung beträgt 90 Prozent. Für die Jahreszeit ist das ein starker Wert.

Ein hohes Ölangebot haben nicht nur die USA zu bieten. Viele OPEC-Mitglieder wissen ebenfalls kaum noch, wo sie ihr Öl platzieren können. Deshalb winken sie Monat für Monat mit Rabatten. Nach Saudi Arabien kommen Iran, Irak und Kuwait für die Märzlieferungen nach Asien nun ebenfalls mit neuen Aktionsangeboten heraus.

Das ist nicht das Umfeld, in dem Preisanstiege durchgesetzt werden. Dennoch gibt es sie, wie die letzten Wochen gezeigt haben. Finanzjongleure handeln geradezu panisch, um auf keinen Fall den Einstieg in eine neue Preissteigerungsrunde zu verpassen. Mit diesem Verhalten starten sie selbst den Preisanstieg. Derzeit ist er nicht vom Realmarkt gedeckt. Es ist ein Deal auf die Zukunft, in der ein Rückgang der US-Ölförderung erwartet wird. Ob dieser Deal werthaltig sein wird, kann momentan niemand sagen. Gefühlt ist er eine Luftnummer.

Nachdem die Ölnotierungen gestern einiges an Wert verloren hatten, zeigen sie heute Morgen den Willen, Gewinne zu machen. Der Dollar zappelt in die andere Richtung. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 555,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 49,90 Dollar und in London zu 55,50 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8837 Euro . Damit kostet der Euro 1,1316 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise konnten sich vom oberen Rand ihres Aufwärtstrends ein wenig absetzen, wie die 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zeigt. Es ist schwer zu prognostizieren, ob daraus mehr Abgang folgen kann. Der reale Markt gibt das allemal her. Die Geldflut an den Finanzmärkten steht dagegen. Sie drängt ins Öl.

Im Binnenmarkt geht der Bestellfreude die Lauft aus. Den Handel stört das noch nicht, da alte Bestellungen und vermehrt auftretende Notkäufe abgearbeitet werden müssen. Sie führen vielerorts zu längeren Lieferzeiten. Wenn sich die Orderzahlen nicht wieder erholen, ist damit bald Schluss.

Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht recht tief. Es unterstreicht die Kaufmüdigkeit. Auf einem tieferen Preisniveau würden die Bestellungen wieder zunehmen. Das schließen wir aus unserer Lesereinschätzung. Eine Mehrheit der Beobachter erwartet günstigere Preise, vermutlich um dann zu kaufen.

Diese Beobachter werden sich vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt fühlen. Das gibt derzeit keine Kaufsignale. Diese werden definitiv wieder kommen. Ob der Preis dann wirklich tiefer liegt als heute, ist leider nicht gewiss.

Die Preistrends weisen nur noch in den längerfristigen Bereichen abwärts. Die Konstellation legt eine Spekulation auf fallende Preise nicht unbedingt nahe, die anhaltende Überversorgung des realen Markts hingegen schon. Es ist eine 50/50 Situation.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, der in den letzten Monaten aufgelaufen ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl für diesen Winter im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, können Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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