Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise gefallen zum Kauf

Der Abwärtstrend geht weiter. Seit Anfang August sind die Weltmarktpreise um 15 Prozent gefallen. Der Markt wird äußerst entspannt beurteilt. Die zuvor preistreibenden Sorgen lösen sich in Wohlgefallen auf. Kaum noch Hurrikanängste, keine akute Sanktionsgefahr im Atomstreit mit dem Iran, Alaskaöl aus dem größten Feld der USA wird weiterhin fließen, hinzu kommt einer der größten Ölfunde in den USA und ein Festhalten an der aktuellen Ausstoßquote der OPEC. Alles läuft wie geschmiert. Nun stellt sich die Frage, wie tief der Trend die Preise tragen wird.

Hierzu gehen die Meinungen weit auseinander. Einige Analysten sehen bereits Preise unter 50 Dollar pro Barrel. Für andere ist die aktuelle Bewegung nur ein kurzes Zwischenspiel in der Hochpreisphase. Charttechnisch ist der Preisrückgang allemal ausgereizt. Eine Gegenbewegung zu den starken Verlusten der letzten Wochen ist überfällig. D.h. nicht, dass der Trend damit beendet wäre. Nach einem kurzfristigen Preisanstieg wären nach derzeitiger Lage der Dinge durchaus neue Preistiefs möglich.

Die Positionierung der großen Spekulanten lässt keinen Schluss über den weiteren Verlauf zu. Bei nach wie vor sehr hohem Engagement im Ölmarkt wird die Zahl der Kontrakte auf steigende Preise reduziert. Der Verkauf geschieht allerdings ohne jedwede Panik. Das kann bedeuten, dass es weiterhin eine bullische Erwartung gibt. Es kann aber auch sein, dass der große Ausverkauf noch bevorsteht. Dann würden die Preise einen weiteren kräftigen Rutsch in die Tiefe machen. Gegen diese These spricht der Umstand, dass die in der Fälligkeit weiter in die Zukunft reichenden Kontrakte deutlich teurer bewertet werden. Für Öl im November wird heute also mehr bezahlt als für Öl im Oktober. Dezemberöl ist noch teurer und so weiter.

Der Chefvolkswirt der BP, Christoph Rühl, sieht keine fundamentale Grundlage für billigeres Öl in naher Zukunft. Die in letzter Zeit leicht gestiegenen Reservekapazitäten für die Förderung sind immer noch viel zu gering, um eine längerfristige Preissicherheit zu ermöglichen. Heute gibt es für eventuelle Ausfälle keine angemessene Ersatzmöglichkeit. Zwar prognostiziert die OPEC bereits für das kommende Jahr eine drei Mal höhere und damit ausreichende Förderreserve. Aber diese Zahl hält den Erwartungen nach Rühls Meinung kaum stand. Denn das Öl, das die OPEC und hier im Besonderen Saudi Arabien zur Reserve beisteuern kann, ist von den laufenden Raffinerien kaum verarbeitbar. Es bedarf anderer Anlagen. Die befinden sich in den Nahostländern bereits im Bau. Sie werden aber erst in einigen Jahren fertiggestellt werden.

Konsens herrscht bei Analysten, dass der aktuelle Preisrückgang ein Abschmelzen der zuvor aufgebauten Risikoprämie ist. Sie würde unter 60 Dollar pro Barrel Rohöl aufgezehrt sein. Danach ginge es dann an die Preissubstanz. Zwar werden die Gefahren momentan sehr niedrig beurteilt. Ausgeräumt sind sie aber keineswegs. D.h., ein erneuter Aufbau der Risikoprämie ist genauso möglich wie ein Angriff der Preissubstanz.

Im Inland gibt es einen Aufschlag von 2 bis 4 Prozent zum rechnerischen Heizölpreis. Das ist für die Marktphase - hohe Nachfrage, ungenügendes Angebot ? durchaus normal. In Phasen besonders geringen Kaufinteresses fallen die Heizölpreise relativ zum Weltmarkt häufig in die andere Richtung. Solange das Kaufinteresse anhält, wird die rechnerische Überhöhung kaum abgebaut werden. Möglicherweise fällt ihr Ende mit der MwSt.-Erhöhung zusammen. Dann würde diese für den Verbraucher unbemerkt greifen. Ähnliche Erwartungen gibt es im gesamten Konsumgütermarkt.

Heute Morgen ist für den Gasölpreis eine steigende Tendenz zu beobachten. Die Tonne kostete in der ersten Notierung 581,50 $.

Unsere Heizölpreise gaben gestern weiter nach. Trotz der rechnerischen Überhöhung zum Weltmarkt sind sie für Verbraucher inzwischen attraktiv. Die Einschätzung weiter fallender Preise ergibt sich zwar aus dem Trend. Dennoch halten wir sie für sehr spekulativ. Zumindest kurzfristig erwarten wir eher steigende Preise. Bei einer Bestellung muss mit deutlich längeren Lieferzeiten als üblich gerechnet werden.

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