Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise heben ab

Internationaler Markt

Der reale Ölmarkt ist in diesen Tagen kaum eine Notiz wert. Er befindet sich weiterhin in dieser seltsam überversorgten Situation. Das Zentrallager der USA, in Cushing Oklahoma, steht exemplarisch dafür. Vorne kommt immer mehr Rohöl an. Hinten fließt es nicht richtig ab, weil neben der ohnehin moderaten Verbrauchernachfrage die Revisionsphase der Raffinerien bremsend wirkt. Zu allem Überfluss bemühen sich kanadische Produzenten auch ihr Rohöl in das US-amerikanische Netz hineinzudrücken.

Finanzjongleure stehen Gewehr bei Fuß, um auf einen, wie sie finden, fälligen Preisanstieg aufzuspringen. Angesichts der Versorgungslage mutet die Haltung absurd an. Zu ihren Gunsten kann man immerhin konstatieren, dass der Preis trotz weiterer Erhöhung der Überversorgung seit zwei Wochen nicht mehr fiel. Das sieht nach einer Bodenbildung aus.

Der Euro kann seinen freien Fall nach den Stößen von EZB und Griechenlandwahl mittlerweile bremsen. Dazu tragen moderatere Töne aus Athen bei, die nach ersten Konsultationen Brüsseler Politiker zu hören sind. Es wird höchst interessant sein, die Verhaltensänderung der neuen Regierung in den kommenden Wochen zu beobachten. Kann sie beim Volk bleiben und über eine fairere Verteilung der Mittel für eine Belebung der Wirtschaft sorgen oder wird sie Teil der europäischen bzw. globalen Wohlstandklasse mit ihrem selbstreferentiellen, egomanischen Gesellschafts- und Wirtschaftsverständnis? Kann sie eine dringend benötigte Wiederannäherung an Russland mit ihren Beziehungen unterstützen oder wird sie in die nach Brüsseler Definition alternativlose Gleichschaltung der außenpolitischen Haltung hineingezwungen? Das Problem der heutigen EU scheint es zu sein, dass die politische Klasse mittlerweile so groß an Zahl geworden ist, dass sie wie eine eigene, transnationale Gesellschaft funktioniert, die die Bindung an die nationalen Gesellschaften verloren hat. Das ähnelt der Situation rund um das Geld- und Finanzsystem. Auch dort agiert eine Klasse von international tätigen Menschen in einer von den jeweiligen Gesellschaften gekapselten eigenständigen Sphäre. Gemeinsam sind sie die Motoren der Devisenkurse und anderer Finanzmarkterscheinungen.

Gestern Abend schossen die Notierungen an den Ölbörsen plötzlich um satte sieben Prozent in die Höhe. Da war er also, der Startschuss für die Finanzszene. Beim Dollar tat sich vergleichsweise wenig. Die Tonne Gasöl kostete am Ende des Handelstags 499,25 Dollar . Das Barrel Rohöl wurde in New York zu 47,85 Dollar und in London zu 52,60 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostete 0,8861 Euro . Damit kostete der Euro 1,1285 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise ziehen seit Tagen eine waagerechte Linie nahe dem oberen Rand des kurzfristigen Abwärtstrends, wie der 3-Monats-Chart der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zeigt. Am Wochenanfang sah es so aus, als wollten die Preise die Richtung wieder zugunsten der Verbraucher ändern. Bis heute haben die noch nichts gewonnen. Nun schlagen die Preise die Gegenrichtung ein.

Im Binnenmarkt wurde das Kaufinteresse aufgrund der bullischen Entwicklung in der letzten Woche befeuert. Inzwischen sind die Bestellungen deutlich zurückgegangen. Der Handel ist dennoch hart gefordert. Er muss alte Aufträge und vermehrt Eilbestellungen abarbeiten. Letzte haben notgedrungen Vorrang. Sie stören die Optimierung der Logistik. Ganz ohne längere Lieferzeiten geht es daher nicht.

Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht nur noch auf einem mittleren Wert. Es gibt zwar eine Menge Käufer aber noch mehr Beobachter, die auf tiefere Preise spekulieren. Der Glaube an günstigeres Heizöl hat weiterhin eine solide Mehrheit, wie die Lesereinschätzung zeigt.

Die Beobachter fühlen sich möglicherweise vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt. Es zeigt keine Kaufsignale mehr. Man kann das mutig sehen und vertrauensvoll auf das nächste Signal warten. Es kommt bestimmt. Ob der Preis dann tiefer liegt als heute, ist allerdings nicht gewiss.

Die Preistrends weisen in allen Bereichen abwärts. Die Konstellation ist natürlich eine Einladung zur Spekulation auf noch mehr Abgang. Nach Lage der Dinge könnte das im weiteren Verlauf des Winters auch möglich sein, wenn da nicht der Dollar wäre. Er steht tendenziell wieder auf Gegenkurs zu den Ölnotierungen und annulliert damit eventuelle Rückgänge.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, der in den letzten Monaten aufgelaufen ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl für diesen Winter im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie auf noch bessere Preise setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen