Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise im Libyen-Dusel

Internationaler Markt

Libyen befindet sich in einer desolaten Situation. Das Land gehört zu den Opfern der fehlgeleiteten Demokratisierungsoffensive westlicher Prägung. Heute gibt es dort keine Staatsmacht mehr, sondern Herrschaftsgebiete von Stämmen und Religionsgruppen. Umso erstaunlicher ist es, dass die Ölindustrie in diesen Tagen wieder aufgebaut wird. Die Produktion steigt. Das Exportangebot wächst. Dieser Umstand erhöht den Abgabedruck der Ölpreise.

Der Irak befindet sich in einer gleichermaßen prekären Lage. Das Land ist ebenfalls zerrissen. Religions- und Volksgruppen ringen um Macht und Einfluss. Der Zusammenhalt im Staat ist so schwach, dass die Terrortruppe IS große Teile im Handstreich einnehmen konnte. In diesen Tagen wird ihnen im Gebiet der autonomen Kurden immerhin Einhalt geboten. Erstaunlicherweise funktioniert die Ölindustrie des Iraks gut. Produktion und Export konnten in den letzten Jahren gesteigert werden. Sie stellen einen wichtigen Teil der weltweiten Ölversorgung dar.

Beide Beispiele zeigen, Öl und Krieg können koexistieren. Es ist allerdings ein labiler und allemal kein hinnehmbarer Zustand. Mit dem Ukrainekrieg findet die Aneinanderreihung ihre, zumindest mittelbare, Fortsetzung. Der Westen hat auch hier mit seiner ungenügend an Kriegsvermeidung orientierten Politik zur Eskalation beigetragen. Heute befürchten wir Schlimmeres. Eine akute Sorge, dass das russische Öl ausbleibt, haben wir nicht.

Und dann sind da noch die Wirtschaftsdaten, die nicht durchgängig aber häufig für enttäuschte Wachstumserwartungen sorgen. Alles in allem liegt eine bärische Marktlage mit erheblichen bullischen Gefahren vor.

Kurz vor dem Wochenende platzte so ein bullischer Gefahrenblitz in die Preisbildung, als Kämpfe um einen russischen Konvoi gemeldet wurden. Die Angelegenheit hatte kein Nachspiel. Der aufgelaufene Preisanstieg wird heute Morgen in Teilen zurückgenommen. Die weitere Tendenz des Tages dürfte abwartend, d.h. seitwärts gerichtet sein. Die Tonne Gasöl kostet
864,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 96,67 Dollar und in London zu 102,66 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,7470 Euro .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise zeigen wenig Bewegung. Sie kleben am unteren Rand ihres nur noch sehr schwachen, kurzfristige Aufwärtstrends, wie der 3-Monats-Chart der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zeigt. Da die anderen Zeiteinstellungen alle abwärts weisen, ist der bullische Ausdruck der kurzfristigen Ansicht ohnehin gering.

Der Binnenmarkt ist deutlich belebt. Gute Auftragseingänge treffen auf einen Handel, der teilweise im Urlaub und teilweise in der Belieferung von landwirtschaftlichen Betrieben mit Diesel steckt. Das nimmt Transportkapazitäten aus dem Heizölgeschäft und erhöht die Lieferzeiten. Gemäß unserem Schwarm-O-Meter für Heizöl signalisieren die Kunden mit ihrem Kaufverhalten, dass sie die Heizölpreise für „super“ halten.

Aus der Lesereinschätzung geht allerdings auch hervor, dass die Hoffnung auf noch bessere Preise hoch ist. Hinter den agilen Käufern stehen offensichtlich weitere Interessenten, die bei tieferen Preisen zu Käufern werden. Wer der allgemeinen Stimmung folgt und auf Abgang setzt, sollte sich des Risikos der Wette bewusst sein und das Geschehen eng verfolgen.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt kein Kaufsignal. Das deckt sich mit der Preiserwartung der Leser aber nicht mit dem Kaufverhalten der Kunden. Viele von ihnen beurteilen die Preise sinnvollerweise im politischen Kontext und im Zusammenhang mit dem eigenen Heizölvorrat. Das kann unsere Mathematik nicht bieten. Sie leitet Signale einzig aus der Preisbewegung der Vergangenheit ab.

Der Preistrend ist nur im kurzfristigen Bereich schwach aufwärts gerichtet. In allen anderen Zeitstufen sind die Abwärtstrends intakt. Mit etwas mehr Toleranz könnte man die kurzfristige Entwicklung auch noch als Seitwärtstrend interpretieren. Insbesondere der längerfristige Trend macht weiterhin Hoffnung auf einen erneuten Preisabgang. Wie gesagt, darauf zu setzen, ist eine Risikowette. Bleibt zu erwähnen, dass die aktuellen Heizölpreise deutlich unter dem Niveau der letzten drei Jahre zum gleichen Zeitpunkt liegen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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