Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise im Panikmodus

Internationaler Markt

An den Ölbörsen gibt es einen neuen Blockbuster, den Blitzkrieg einer islamistischen Söldnerarmee im Irak. Er katapultierte die Ölpreise gestern um durchschnittlich drei Prozent in die Höhe. Rohöl erreichte dabei ein Jahreshoch. Der Gewaltausbruch kommt zur Unzeit, da die Ölwelt bereits von diversen Störungen heimgesucht ist. Noch können diese durch die Inanspruchnahme von Reservekapazitäten kompensiert werden. Sollte die Invasion des Iraks durch die Islamisten aber weiterhin erfolgreich verlaufen, besteht die Gefahr, dass bis zu 2,6 Mio. Barrel Rohöl pro Tag ausfallen. Diese Menge wäre unter den gegenwärtigen Marktbedingungen nicht zu ersetzen.

Das bisherige Spitzenthema der Ölpreisbildung, der Ost-West-Konflikt um die Ukraine, bei dem aktuell über die Zahlung von Gasschulden gestritten wird, ist keineswegs erledigt. Es droht in der kommenden Woche zu eskalieren, da ein weiteres und vermutlich letztes Ultimatum der russischen Gasprom abläuft. Wenn die ukrainischen Schulden in Höhe von fast zwei Milliarden Dollar bis Montagmorgen nicht beglichen sind, wird der Gashahn zugedreht.

Öl fällt damit selbstverständlich nicht aus. Öl würde aber für den Heizbedarf als Ersatzstoff gefordert werden. Am physischen Markt wiegt indes der Ausfall libyschen Öls und einiger anderer Provenienzen schwerer. Aktuell kommt eine Abschaltmeldung wegen Höherer Gewalt (Force Majeure) aus Nigeria hinzu. Im Kontext gewinnen die sinkenden Erfolgsaussichten zur endgültigen Beilegung des Atomstreits mit dem Iran an Bedeutung. An ihnen hängt eine Ölmenge von rund einer Mio. Barrel pro Tag. Diese zu haben oder nicht zu haben wird plötzlich zu einer Gretchenfrage der Ölversorgung.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass der politische Zeitgeist eine globale Spirale der Gewalt in Gang gesetzt hat, für deren Einhalt es uns an Einsichten fehlt. Menschen in den reichen Ländern zahlen dabei den geringsten Preis, aber sie zahlen einen wachsenden Preis, zum Beispiel für Energielieferungen.

Die Lage ist ernst aber nicht hoffnungslos. Ausgleich kann über reduziertes Wirtschafts- und Nachfragewachstum kommen, das nicht zuletzt eine Konsequenz höherer Energiepreise sein wird. Diese Aussicht wird zwar kennzahlorientierte Ökonomen und Politiker schocken, die glauben, daran hinge die Zukunft der reichen Welt. Das Wohlbefinden ihrer Bürger muss durch ausbleibendes Wachstum aber nicht zwangsläufig leiden.

Zudem ist die Gefahr, dass der Irak in gleicher Form wie Libyen ausfällt und damit das ultimative Loch in die globale Ölbilanz reißt, aus heutiger Sicht geringer. Große Teile der Ölinfrastruktur sind für die islamistischen Kämpfer derzeit außer Reichweite. Finanzjongleure haben die sich seit Monaten andeutende Gefahr im Irak zunächst ignoriert. Nun lassen sie ihren Emotionen freien Lauf. In den kommenden Wochen wird der Preissprung, ähnlich wie beim Ost-West-Konflikt, zurückgenommen, wenn das Öl weiterhin fließt. Ein Restrisiko wird aber sicher eingepreist bleiben.

Heute Morgen ist von Beruhigung noch nichts zu sehen. Die Ölnotierungen tendieren immer noch aufwärts. Die Tonne Gasöl kostet 925,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 107,38 Dollar und in London zu 114,00 Dollar gehandelt. Der Euro kostet 1,3571 US-Dollar.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise schießen in die Höhe. Sie werden von den Ölbörsen getrieben, an denen sich die Irak-Panik entlädt.

Noch halten Käufer den Binnenmarkt lebendig. Nun ist die Angst vor steigenden Preisen der Kaufgrund. Unser Heizölkauf-Barometer zeigt entsprechend reges Bestellverhalten an. Der Handel zeigt keine Überforderungstendenzen. Binnenmarktinduzierte Preissteigerungen gibt es nicht.

Das mathematische Tiefpreis-System ist in seiner Einstellung mittlerweile deutlich von allen regionalen Kaufsignalen entfernt. Einen guten Kaufmoment gibt es derzeit nicht mehr, aber einen Kaufgrund, den Schutz vor weiter steigenden Heizölpreisen. Unsere Leser begraben mehrheitlich die Hoffnung auf kurzfristig bessere Preise. Wir teilen diese Meinung.

Die Preisentwicklung läuft aus der Konsolidierungsphase heraus. Das geschieht aber nicht abwärts wie im charttechnischen Bilderbuch, sondern aufwärts wie bei einem panischen Lebensgefühl. Nun besteht sogar die greifbare Gefahr, dass sich ein kurzfristiger Aufwärtstrend etabliert. Uns bleibt nur zu konstatieren, dass die Heizölpreise nicht mehr so gut wie vor ein paar Tagen aber noch etwas günstiger als in den letzten drei Jahren zum gleichen Zeitpunkt sind.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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