Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise im guten Lauf

Die Ölpreise bewegen sich aus Verbrauchersicht in die richtige Richtung. Selbst die OPEC hat derzeit nichts gegen den Abwärtstrend einzuwenden. Damit endet die gemeinsame Sichtweise aber schon. Verbrauchern sind die Preise weiterhin zu hoch. Aus OPEC-Kreisen werden sie hingegen als fair bezeichnet. Wahrscheinlich werden sie in den kommenden Tagen und Wochen weiter sinken. Die Marktlage deutet dies an. Die größte Gefahr gegen diese Einschätzung geht von der Politik aus. Sie besteht in neuen Finanzspritzen für Banken und in einer provozierten Eskalation im Atomkonflikt mit dem Iran. Erstes würde Finanzjongleure verpflichten, frisches Geld auf gewinnträchtige Papiere zu setzen. Öl steht dabei ganz oben auf der Anlageliste. Zweites würde einen bullischen Stimmungswandel hervorrufen. Ein solcher war Ursache für das letzte Preishoch im März. Noch reagiert die OPEC gelassen auf die Aussicht weiter sinkender Preise. Das dürfte sich im Fall einer Beschleunigung des Abwärtstrends ändern. Dann wird man versuchen, über die Reduzierung des Angebots in die Preisbildung einzugreifen. Da derartige Maßnahmen in der Vergangenheit wenig Erfolg zeigten, können Verbraucher ihrerseits gelassen reagieren.

Die aktuelle Unterstützung des Preisrückgangs durch die OPEC folgt zwei Motiven. Zum einen ist da die Sorge vor einem ölpreisbedingten Einbruch der Konjunktur. Ein solcher wäre für die vom Öl abhängigen Lieferanten fataler als eine Preisreduzierung unter Beibehaltung der Liefermengen. Ein Konjunktureinbruch würde Preise und Mengen drücken. Zum anderen beunruhigt die Tendenz der alten Industrienationen, sich vom Öl loszusagen. Sie findet Ausdruck in dem Satz von Fatih Birol, dem Chefvolkswirt der IEA: „Wir sollten das Öl verlassen, bevor es uns verlässt.“ Das Verlassen wird mehrere Jahrzehnte dauern. Kurzfristig stellt es kein Problem für die Lieferanten dar, zumal sie potente neue Abnehmer mit hohem Wachstumspotenzial haben. Die Tendenz, die in dem Satz steckt, ist aber bereits messbar. Die alten Industrienationen reduzieren ihren Ölbedarf spürbar. Um dem entgegenzuwirken, muss die OPEC das Öl preislich attraktiv halten.

In den USA entwickelt sich für ölabhängige Lieferstaaten eine besonders prekäre Lage. Dort sinkt nicht nur der Verbrauch. Dort steigt auch die regionale Förderung. Letztes hat eine wesentliche Ursache im hohen Ölpreis. Denn erst dieser ermöglicht die teure Produktion von sogenanntem unkonventionellem Öl. Das ist Öl aus Ölsänden und aus Frackting-Förderung. Ein fallender Ölpreis stellt diese Produktionsweise infrage. Die Aussicht auf einen Ölpreis von unter 70 Dollar für WTI (Texasöl) würde zu Stilllegungen führen. Ein solcher Preis hätte allerdings auch die Destabilisierung der Staatshaushalte vieler Ölproduzenten zur Folge. Aus Ölmarktsicht gibt es derzeit keinen Grund für entsprechende Erwartungen.

Die neue Ölsituation der USA zeigt sich Woche für Woche in den Lagerdaten. Sie weisen seit Monaten hohe Aufbauten für Rohöl auf. Dass nicht Gleiches bei den Produkten abzulesen ist, liegt am wachsenden Export. Für die letzte Woche sind die Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) widersprüchlich. Deshalb spielten sie gestern keine Rolle bei der Preisbildung. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: +2,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,3 (DOE) bzw. ein Aufbau von 0,4 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf 89 Prozent gestiegen. Das ist ein ordentlicher Wert für die USA. Die Möglichkeit, dass südlich gelegene Raffinerien durch die Umkehr einer Pipelinerichtung nun billigeres Öl aus dem Zentrum bekommen, wird wahrscheinlich zu weiterer Steigerung der Raffinerietätigkeit führen.

Die gestrige Fortsetzung des Preisabgangs hat seine Ursache mal wieder in volkswirtschaftlichen Daten zur allgemeinen Konjunkturentwicklung, insbesondere für die USA und China, sowie in der Schuldenlage Europas. Aktuell ist die Börsenstimmung am Rand einer Panik. Heute Morgen steigen die Notierungen ein wenig. Sie signalisieren aber keine Umkehr der Richtung. Es ist gut möglich, dass Aktien- und Ölwerte heute Abend noch tiefer stehen. Die Tonne Gasöl kostet 883,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 86,25 Dollar und in London zu 101,82 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 80,94 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben weiter nach. Sie haben ein Jahrestief erreicht. Es wird nicht das letzte sein, das wir melden können. Gestern wurde die Wirkung der fallenden Ölnotierungen nicht vom Dollaranstieg konterkariert. Der kurzfristige Abwärtstrend der Heizölpreise ist intakt. Von ihm ist mehr zu erwarten. Mittlerweile ist auch der mittelfristige Trend abwärtsgerichtet. Nun steht der Bruch des langfristigen Aufwärtstrends an. Trotz der guten Lage sollte die Erwartung an einen Preisverfall zurückhaltend bleiben. Es reicht ein beherzter Griff der Politik in die Computer der EZB, um dem Geschehen ein anderes Gesicht zu geben. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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