Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise legen noch eine Schippe drauf

Internationaler Markt

Wochenlang mussten wir ertragen, dass der Ölpreis durch den Ost-West-Konflikt um die Ukraine aus dem natürlichen Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage gerissen wurde. Nun erleben wir Ähnliches als Reaktion auf die Vorgänge im Irak. Beide Effekte addieren sich zu einer geschätzten Risikoprämie von ungefähr zehn Prozent, um die der Ölpreis derzeit erhöht ist.

Damit ist beileibe nicht der gesamte geopolitische Einfluss, der in den Preisen steckt, erfasst. Es gibt erhebliche Altlasten. Da ist zum einen der Ausfall Libyens als Öllieferant, der in seiner aktuellen Form im Spätsommer 2013 mit rund fünf Prozent eingepreist wurde. Zum anderen wirken die Sanktionen gegen den Iran trotz gewisser Lockerungen immer noch mit mindestens fünf Prozent Preisaufschlag.

Neben diesen wichtigen Adressen für eine Preisüberhöhung gibt es allerhand Nebenschauplätze, die jeweils kleine Beiträge liefern. Alles in allem sind die Ölpreise derzeit mindestens mit einem Risikoaufschlag von 20 Prozent gegenüber einem geopolitischen Idealfall belastet. Den zu erreichen, ist pure Träumerei. In der Welt- und Regionalpolitik ist Konfrontation nach wie vor eine stärkere Komponente als Ausgleich.

Konfrontation und Risiken bieten allemal so gute Geschäfte wie ihre Abwesenheit. So bereiten sich die USA beispielsweise auf Energieverkäufe als Konsequenz aus der Konfrontation zwischen Ost und West in Europa vor. Sie wollen Gas und Öl in den von Russland dominierten Markt liefern. Noch sind ihnen die Hände gebunden, weil die Rohstoffe per Gesetz nicht außer Landes verbracht werden dürfen. Das soll sich ändern. Die Politik arbeitet am Gesetz und die Wirtschaft arbeitet an der Infrastruktur. Bis 2019 soll sie für die ersten Gasexporte nach Europa errichtet sein. Dann könnte auch Rohöl verschifft werden.

Sollte die Erzeugung geopolitischer Unruheherde so rasant weitergehen wie in der jüngeren Geschichte, wäre die amerikanische Weltöffnung in Sachen Energieexport ein untergeordnetes Ereignis ohne nennenswerte Preisrelevanz. Ohnehin erscheint es aus heutiger Sicht sinnvoller zu sein, dass sich die reichen Industrienationen stärker für eine neue Weltpolitik als für neue Energiegeschäfte in der Welt engagieren.

Heute Morgen sehen wir noch keine weitere Steigerung der Ölpreise. Da irakischen Ölanlagen bisher kaum von den Kampfhandlungen des Bürgerkriegs betroffen sind, scheint die Entwicklung der Risikoprämie zum Stillstand zu kommen. Sobald die Kämpfe in Richtung der Ölfelder im Süden des Landes ziehen, wird sich das ändern. Die Tonne Gasöl kostet 938,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 106,58 Dollar und in London zu 115,04 Dollar gehandelt. Der Euro kostet 1,3617 US-Dollar.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise legten gestern noch eine Schippe drauf. Nun stehen sie im Bundesdurchschnitt bereits kurz vor 81 Cent pro Liter bei 3.000 Liter Liefermenge. Als Krisenpreis ist der Wert immer noch akzeptabel. Im Vergleich der letzten Monate und der bis vor Kurzem noch gültigen Perspektive ist er erschreckend.

Der Binnenmarkt fällt ins Koma. Bestellungen kommen so gut wie gar nicht mehr herein, wie unser Heizölkauf-Barometer zeigt. Mehr oder weniger starke Rabatte in den Preisen sind allenfalls Kosmetik. Für Verbraucher ändern sie nichts Nennenswertes im Portemonnaie und die Kauflaune schon gar nicht.

Das mathematische Tiefpreis-System steht weit entfernt von möglichen Kaufsignalen. Ein Kaufgrund kann nur die Sorge vor der Fortsetzung der Preissteigerung oder ein leerer Tank sein. Unsere Leser sehen die Preisentwicklung pessimistisch. Seit Tagen erwartet die Mehrheit immer teureres Heizöl. Als Beobachter der Ölwelt teilen wir die Einschätzung.

Besserung wäre rein charttechnisch sogar im Rahmen der kurz- und mittelfristigen Aufwärtstrends, die nun vorliegen, zu haben. Zugegeben, das ist Theorie. Die tägliche Praxis sieht derzeit anders aus. Immerhin, der längerfristige Trend weist noch abwärts. Uns bleibt nur zu konstatieren, dass die aktuellen Heizölpreise auf dem Niveau der letzten Jahre liegen. Sie sind trotz der bedrohlichen Ereignisse noch nicht davongeflogen. Genau das liegt aber im Rahmen der aktuellen Möglichkeiten.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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