Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise machen die Nullnummer

Internationaler Markt

Der Meister sprach und die Märkte folgten ihm. Jemand rief Binsenweisheit. Da kehrten sie um. So war das gestern an den Ölbörsen. Der da sprach war Abdalla El-Badri, der Generalsekretär der OPEC. Er bezifferte die Überproduktion mit 1,5 Mio. Barrel pro Tag, wies auf den gebremsten Ausbau der Ölinfrastruktur hin und deutete die Konsequenz einer dauerhaften Unterinvestition an, 200 $ pro Barrel. Finanzjongleure witterten augenblicklich eine Gewinnchance und kauften Öl Papiere. Die nahmen Kurs in Richtung der Zielmarke. Aber schon kurz über 49 Dollar pro Barrel Rohöl der Sorte Brent kamen Zweifel auf. Hatte der neue saudische König nicht gerade gesagt, dass die Preise nie wieder über 100 Dollar pro Barrel steigen werden? Beträgt die Überproduktion mittlerweile nicht 2,5 Mio. Barrel pro Tag? Ist der Nachfrageanstieg nicht geringer als der Angebotsanstieg? Ist das, was El-Badri da beschreibt, nicht der normale Schweinezyklus des Ölgeschäfts? Der erstreckt sich über Jahrzehnte, nicht über Monate. Solange will kein Finanzjongleur auf seine Gewinne warten. Also raus aus den Positionen. Nach dem Intermezzo war alles wie vor dem Intermezzo. Fazit der Geschichte: Finanzjongleure wollen die Preise hochtreiben, sie können es aber nicht, weil der reale Markt das nicht hergibt.

Während das Tollhaus der Finanzszene für die eine oder andere Belustigung sorgt, entwickelt sich Europa zu einem jämmerlichen Tollhaus ungeahnter Aggressionen. Hier scheint derzeit alles schief zu laufen. Der längst überwundene Ost-West-Konflikt ist wieder da. Die EZB forciert den Krieg zwischen Reich und Arm durch eklatanten Machtmissbrauch. Deutschland und Griechenland fahren mit hoher Geschwindigkeit auf politischem Crashkurs. Andere Südstaaten nehmen auch schon Fahrt für eine Konfrontation auf. Man hat das Gefühl, der ganze Kontinent wird fremdbestimmt. Das sind doch nicht wir, die da agieren. Das sind doch nicht wir, die da nicht mehr miteinander reden. Das sind doch nicht wir, die unseren Nachbarn Russland ausgrenzen. Das sind doch nicht wir, die der Befreiung Auschwitz’ ohne seinen Befreier gedenken. Das sind doch nicht wir, die den Krieg im Donbass mitfinanzieren. Die Ukraine war vor einem halben Jahr pleite. Wer hat ihr das Geld gegeben, um weiter Krieg zu führen? Kruder Kapitalismus nach dem Motto „the winner takes it all“ entspricht doch nicht europäischer Mentalität. Die Eurozone wirkt dermaßen desorientiert, polarisiert und gefahrvoll, dass die auf Neutralität bedachten Schweizer sich unter Inkaufnahme hoher Verluste und Lasten von ihr abwenden. Alles scheint ihnen lieber zu sein, als die Verbindung mit diesem Pulverfass. Das hier relevante Signal für die Gefahr ist der rauschende Euroverfall.

Momentan hat der eine Pause eingelegt. Nach dem letzten Absturz liegt das nahe. Heute Morgen bewegt sich sowohl an den Ölbörsen als auch am Devisenmarkt so gut wie nichts. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 474,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 45,04 Dollar und in London zu 48,06 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8893 Euro . Damit kostet der Euro 1,1244 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise arbeiten sich weiterhin am oberen Rand des kurzfristigen Abwärtstrends ab, wie der 3-Monats-Chart der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zeigt. Gestern sah es so aus, als wollten die Preise die Richtung wieder zugunsten der Verbraucher ändern. Heute haben die noch nichts gewonnen. Preisrückgang ist wieder ein mühsames Unterfangen.

Im Binnenmarkt wurde das Kaufinteresse aufgrund der eher bullischen Entwicklung der letzten Tage befeuert. Das Heizölgeschäft brummt. Der Handel ist hart gefordert. Er kommt mit der Lage aber recht gut zurecht. Ganz ohne längere Lieferzeiten geht es dennoch nicht.

Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht nur auf einem mittleren Wert. Es gibt zwar viele Käufer aber noch mehr Beobachter, die auf tiefere Preise spekulieren. Der Glaube an günstigeres Heizöl ist wieder recht hoch, wie die Lesereinschätzung zeigt.

Die Beobachter fühlen sich möglicherweise vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt. Es gibt keine Kaufsignale mehr. Man kann das mutig sehen und vertrauensvoll auf das nächste Signal warten. Es kommt bestimmt. Ob der Preis dann tiefer liegt als heute, ist allerdings nicht gewiss.

Die Preistrends weisen in allen Bereichen abwärts. Die Konstellation ist natürlich eine Einladung zur Spekulation auf noch mehr Abgang. Nach Lage der Dinge könnte das im weiteren Verlauf des Winters auch möglich sein. Es ist aber Respekt vor dem Wahnsinn der Börsen geboten. Der tiefe Fall der Ölpreise kann starke Gegenreaktionen hervorrufen. Die größte Gefahr, dass die Trends nun irreführend sind, geht aus unserer Sicht aber vom Dollar aus. Dessen Aufstieg ist furchteinflößend.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, der in den letzten Monaten aufgelaufen ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl für diesen Winter im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie auf noch bessere Preise setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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