Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise trotzen den Umständen

Internationaler Markt

Öl wird knapp und die Euro-Krise ist überwunden. Aus heutiger Sicht handelt es sich um dramatische Fehleinschätzungen. Gleichwohl ist Knappheit von Öl denkbar, zum einen weil Investments zur Entwicklung der Ölinfrastruktur nun, da der Preis am Boden liegt, zurückgefahren werden, zum anderen weil die Ressource auf bzw. in der Erde endlich ist. Im Gegensatz dazu ist ein Ende der Euro-Krise undenkbar, zum einen weil innerhalb des Währungsraums zu unterschiedliche Volkswirtschaftspraktiken aufeinandertreffen, zum anderen weil die Konstellation die Verschiebung von Vermögen zu Ungunsten der breiten Bevölkerung befördert. Die Lage ist vergleichbar mit der Endphase eines Monopolyspiels, in dem Gewinner und Verlierer de facto feststehen, der Spielabbruch aber noch nicht beschlossen ist.

Das globale Ölangebot wird in diesem Jahr trotz rückläufiger Exploration weiter wachsen. Die Nachfrage wird auch wachsen, vermutlich aber weniger stark. So bleibt die Aussicht auf einen tiefen oder sogar noch tieferen Ölpreis bezogen auf seine Referenzwährung, den US-Dollar, erhalten. Das Geldangebot wird ebenfalls wachsen. Dafür sorgt in Europa die EZB. Das Geld wird aber nur wenige Menschen erreichen. Die werden noch reicher. Gleichzeitig sinkt der Wert des Euros gegenüber dem Dollar. Dadurch steigt der in Euro zu zahlende Ölpreis. Hierzulande werden vergleichsweise wenige Verbraucher darunter leiden.

Anders sieht es in weiten Teilen Europas aus. Der Versuch, die Lage im derzeit möglichen politischen Rahmen zugunsten der notleidenden Bevölkerung, wie beispielsweise in Griechenland, zu ändern, hat wenig Aussicht auf Erfolg, solange die Spielregeln von der Finanzszene bestimmt werden. Gemäß dieser Spielregeln müssen die Bürger Europas den Griechen unter die Arme greifen, nicht aber diejenigen, die sich zuerst an EU-Subventionen und dann an frisch geschöpftem Geld, das nicht zuletzt die griechische Wirtschaft ankurbeln soll, bereichern.

Heute Morgen zeigt sich die Finanzszene an den Börsen folgerichtig wenig beeindruckt von dem griechischen Wahlergebnis. Der Euro zappelt, aber er fällt nicht. Das geschah bereits am Freitag in vorauseilendem Gehorsam. Ölnotierungen geben hingegen nach, nicht wegen der Griechenwahl, sondern wegen des hohen Ölangebots. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 473,00 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 45,11 Dollar und in London zu 48,27 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8910 Euro . Damit kostet der Euro 1,1224 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise laborieren am oberen Rand des kurzfristigen Abwärtstrends herum, wie der 3-Monats-Chart der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zeigt. Es sieht so aus, als wollten sie die Richtung wieder zugunsten der Verbraucher ändern. Der reale Markt bietet dazu durchaus die Möglichkeit.

Im Binnenmarkt wurde das Kaufinteresse aufgrund der eher bullischen Entwicklung der letzten Tage befeuert. Das Heizölgeschäft brummt. Der Handel ist hart gefordert. Er kommt mit der Lage aber recht gut zurecht. Ganz ohne längere Lieferzeiten geht es dennoch nicht.

Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht auf der höchsten Stufe. Mehr geht hier nicht. Um die Lage heute richtig darzustellen, müssten wir Balken hinzufügen.

Von der Hoffnung auf günstigeres Heizöl verabschieden sich nun immer mehr Leser mit einem Kauf. Gleichwohl gibt es noch eine knappe Mehrheit, die auf tiefere Preise setzt. Wer dabei ist, braucht gute Nerven. Die Handelsidee ist nicht vollkommen abwegig. Sie ist aber, wenn sie klappen sollte, mit dem zwischenzeitlichen Ertragen von schlechten Kaufmomenten verbunden. Das verursacht unangenehme Stimmungen.

Die Beobachter unter den Lesern fühlen sich möglicherweise vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt. Es gibt keine Kaufsignale mehr. Man kann das mutig sehen und vertrauensvoll auf das nächste Signal warten. Es kommt bestimmt. Ob der Preis dann tiefer liegt als heute, ist allerdings nicht gewiss.

Die Preistrends weisen in allen Bereichen abwärts. Die Konstellation ist natürlich eine Einladung zur Spekulation auf noch mehr Abgang. Nach Lage der Dinge könnte das im weiteren Verlauf des Winters auch möglich sein. Es ist aber Respekt vor dem Wahnsinn der Börsen geboten. Der tiefe Fall der Ölpreise kann starke Gegenreaktionen hervorrufen. Die größte Gefahr, dass die Trends nun irreführend sind, geht aus unserer Sicht aber vom Dollar aus. Dessen Aufstieg ist furchteinflößend.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, der in den letzten Monaten aufgelaufen ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl für diesen Winter im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie auf noch bessere Preise setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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