Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise unter Kriegssorgen

Internationaler Markt

Unsicherheit und Kriegssorgen sind auf die Agenda der Öltrader zurückgekehrt. Den ultimativen Impuls löste eine erfolgreiche Offensive der IS-Terrortruppe im Nordirak aus. Dort durchbrach sie kurdische Verteidigungslinien, die bisher als stabiles Bollwerk angesehen wurden. Nun marschieren die Gotteskrieger auf die Hauptstadt der autonomen Region Arbil zu. Im Vorübergehen wird sie vermutlich weitere Ölfelder unter ihre Kontrolle bringen. Anfang der Woche kaperten IS-Kämpfer bereits zwei Ölfelder. Aufgrund der vernachlässigbaren Größe nahm man diesen Vorfall an den Börsen nicht ernst. Die Einstellung dazu änderte sich heute Nacht schlagartig. Die Ölnotierungen schossen in die Höhe.

Die Ölproduktion im irakischen Kurdistan hat mit einer Mio. Barrel pro Tag ein ansehnliches Potenzial. Aktuell stehen allerdings nur 0,2 Mio. Barrel pro Tag zur Disposition. Die Börsenreaktion bezieht sich weniger auf diese Menge als auf das komplette Ölpotenzial im Irak. Es beträgt drei bis vier Mio. Barrel pro Tag. Die Leichtigkeit, mit der die IS durch das Land marodiert, lässt den guten Glauben von der Unerreichbarkeit der Ölfelder im Süden des Landes dahinfliegen. Der Stimmungswechsel wird durch die Bereitschaft der USA zu Luftschlägen unterstrichen.

Ein Stimmungswechsel ist auch im Ost-West-Konflikt um die Ukraine auszumachen. Nachdem der Westen mit seinen Sanktionen die nächste Eskalationsstufe einleitete, wird diese von Russland nun mit Gegensanktionen und einer bedrohlichen Militärpräsenz an der Grenze zur Ukraine fortgesetzt. Die bestechliche Logik, über Aktion und Reaktion einen Krieg vom Zaum zu brechen, von dem man später sagen wird, dass niemand diesen wollte, wird hier par excellence praktiziert. Ein paar Tage lang redeten sich Markt und Zivilgesellschaft etwas anderes ein. Nun wird die Bedrohung als solche wieder wahrgenommen.

Vor dem skizzierten Hintergrund verblassen die jüngsten Wirtschaftszahlen aus den wichtigen Industrieländern, zumal diese sich widersprechende Impulse setzen. Als Beispiel nennen wir China, das einen unerwartet hohen Außenhandelsüberschuss für Juli meldet. Dabei stiegen die Exporte. Die Importe fielen. Die Öleinfuhren lagen neuen Prozent tiefer als im Juli 2013. Volkswirte rätseln, ob sie die Exporte als Stärkung der Wirtschaft oder die Importe als ihre Schwächung interpretieren sollen.

Heute Morgen setzt sich der durch die wiederbelebte Kriegssorge initiierte Aufwärtsdrang der Ölnotierungen fort. Die Tonne Gasöl kostet 888,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 98,08 Dollar und in London zu 106,45 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,7483 Euro .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise werden in die Höhe getrieben. Der kurzfristige Aufwärtstrend hat sie voll im Griff, wie der 3-Monats-Chart der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zeigt. Die anderen Zeiteinstellungen weisen alle abwärts. Daraus lässt sich ableiten, dass die Preisentwicklung keineswegs vollständig bullisch ist.

Der Binnenmarkt ist belebter als zuvor. Bestellungen kommen ordentlich aber nicht stürmisch herein. Die aktuelle Umkehrung der Preistendenz animiert die Beobachter unter den Kunden, nun schnell zu ordern. Gemäß unserem Schwarm-O-Meter für Heizöl signalisieren sie mit ihrem Kaufverhalten, dass sie die Heizölpreise für „super“ halten.

Die geopolitische Eskalationsgefahr wird als solche wieder wahrgenommen. Unsere Leser reduzieren ihre Erwartung an fallende Preise. Es kommt zu einer gewissen Annäherung derjenigen, die kaufen wollen oder müssen (Darstellung im Schwarm-O-Meter), und denjenigen, die eine Einschätzung ohne akute Konsequenz für das eigene Portemonnaie abgeben (Darstellung in der Lesereinschätzung). Wer weiterhin auf Preisabgang setzt, sollte sich des Risikos der Wette bewusst sein und das Geschehen eng verfolgen.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt kein Kaufsignal. Das deckt sich nicht mit Kaufverhalten und Preiseinschätzung der Kunden. Viele von ihnen beurteilen die Preise sinnvollerweise im politischen Kontext und im Zusammenhang mit dem eigenen Heizölvorrat. Das kann unsere Mathematik nicht bieten. Sie leitet Signale einzig aus der Preisbewegung der Vergangenheit ab.

Der Preistrend ist nur im kurzfristigen Bereich aufwärts gerichtet. In allen anderen Zeitstufen sind die Abwärtstrends intakt. Mit etwas mehr Toleranz könnte man die kurzfristige Entwicklung auch noch als Seitwärtstrend interpretieren. Insbesondere der längerfristige Trend macht weiterhin Hoffnung auf einen erneuten Preisabgang. Wie gesagt, darauf zu setzen, ist eine Risikowette. Bleibt zu erwähnen, dass die aktuellen Heizölpreise deutlich unter dem Niveau der letzten zwei Jahre zum gleichen Zeitpunkt liegen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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