Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise verarbeiten Börsenwahn

Internationaler Markt

Die Börse ist immer für eine Überraschung gut. Aus heiterem Himmel schossen die Ölnotierungen am Freitagabend um acht Prozent in die Höhe. Es war der größte Tagesanstieg seit 2009. Die Preisexplosion fällt in eine Phase steigenden Ölangebots und schwacher Ölnachfrage.

Die Geschichte zu dem Vorkommnis ist lapidar. Man kann davon ausgehen, dass sie auf eine Meldung über den Rückgang der Explorationsbohrungen in den USA zurückgeht. Danach seien allein in der letzten Woche sieben Prozent aller Bohranlagen außer Betrieb genommen worden. Damit fällt die Zahl der Bohrungen auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren. Tendenziell ist der Rückgang der Bohraktivitäten bekannt. Er ist die Konsequenz aus dem niedrigen Ölpreis. Die teuren Erschließungsverfahren in Nordamerika rechnen sich nicht mehr. Für Aufruhr an den Börsen sorgte allein die Geschwindigkeit des Explorationsrückgangs. Wohlgemerkt, der Rückgang der Bohraktivitäten führt aktuell noch nicht zu einem Rückgang der Produktion. Die steigt derzeit noch.

Das Ereignis deutet darauf hin, dass an den Börsen nun, da die Lage des Realmarkts weitgehend eingepreist ist, wilde Taktikspiele der großen Finanzakteure für Bewegung sorgen. Goldman Sachs und andere setzen, nachdem sie zuvor viel zu hohe Preisprognosen abgaben, gewagte Tiefpreisziele in die Welt. Gleichzeitig spürt man eine Bodenbildung der Preisentwicklung. Dadurch entstehen hohe Spannungen unter den Finanzjongleuren. Die möchten einsteigen, um am erwarteten Aufwärtstrend teilzuhaben, trauen sich das aber nicht, weil prominente Tiefpreiserwartungen im Raum stehen. Wer nun in der Lage ist, eine Aufwärtsbewegung anzuschieben, so wie die Goldmänner, kann sicher sein, dass ihm eine bereitwillige Herde folgen wird. Wahrscheinlich werden Gewinne in den nächsten Tagen mitgenommen und Ölnotierungen abgesenkt. Dann kann das Spiel von vorn beginnen. Dass dabei die ausgerufenen Tiefstpreise erreicht werden, ist höchst unwahrscheinlich.

Heute Morgen ist an den Ölbörsen eine unbedeutende Gegenbewegung zum Höhenflug vom Freitag wahrzunehmen. Ernst wird die Entwicklung erst am Nachmittag, wenn die US-Zocker dazukommen. Die Ölnotierungen machen momentan so viel Betrieb, dass der unter Hochspannung stehende Dollar wie ausgeschaltet wirkt. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 498,25 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 47,25 Dollar und in London zu 51,95 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8841 Euro . Damit kostet der Euro 1,1310 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise reagieren vergleichsweise gering auf die Preisexplosion an den Ölbörsen. Sie steigen zwar, bleiben aber immer noch im Abwärtstrend, wie der 3-Monats-Chart der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zeigt. Wir mussten den Trendkanal allerdings nach oben erweitern.

Im Binnenmarkt erlahmte das Kaufinteresse aufgrund der bullischen Entwicklung im Verlauf der letzten Woche. Der plötzliche Preisanstieg sorgt aktuell für eine neue Orderwelle. Der Handel kommt damit und mit den im Winter vermehrt auftretenden Eilbestellungen gut zurecht. Ganz ohne längere Lieferzeiten geht es aber nicht.

Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht auf der höchsten Stufe. Mehr geht hier nicht. Um die Lage heute richtig darzustellen, müssten wir Balken hinzufügen. Die Situation wird nicht lange anhalten. Der Preisanstieg der letzten Wochen sorgt tendenziell für Kaufzurückhaltung.

Viele Leser verabschieden sich nun endgültig von der Hoffnung auf günstigeres Heizöl mit einem Kauf. Gleichwohl gibt es gemäß unserer Lesereinschätzung noch eine Mehrheit, die auf tiefere Preise setzt. Wer dabei ist, braucht gute Nerven. Die Handelsidee ist nicht vollkommen abwegig. Sie ist aber, wenn sie klappen sollte, mit dem zwischenzeitlichen Ertragen von schlechten Kaufmomenten verbunden. Das verursacht unangenehme Stimmungen.

Die Beobachter fühlen sich möglicherweise vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt. Es zeigt keine Kaufsignale mehr. Man kann das mutig sehen und vertrauensvoll auf das nächste Signal warten. Es kommt bestimmt. Ob der Preis dann tiefer liegt als heute, ist allerdings nicht gewiss.

Die Preistrends weisen in allen Bereichen abwärts. Die Konstellation ist natürlich eine Einladung zur Spekulation auf noch mehr Abgang. Nach Lage der Dinge könnte das im weiteren Verlauf des Winters noch möglich sein. Es ist aber Respekt vor dem Wahnsinn der Börsen geboten. Der tiefe Fall der Ölpreise kann starke Gegenreaktionen hervorrufen. Das hat die Schlussvorstellung am Freitag gezeigt.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, der in den letzten Monaten aufgelaufen ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl für diesen Winter im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie auf bessere Preise setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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