Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise von Bullen belästigt

Internationaler Markt

Chinas Wirtschaft verliert an Dynamik. Diesen und ähnlich klingende Sätze mit sorgenvoller Tonalität vernehmen wir in nicht zu bremsender Regelmäßigkeit, so auch in diesen Tagen. „Oh weia, wenn das mal gut geht“, ist eine in der Sache vollkommen unangebrachte Attitüde. Mit ihrer Entwicklung muss eine Wirtschaft an relativer Dynamik verlieren, wenn sie nicht explodieren soll. Das heißt, sinkende Wachstumsraten wirken stabilisierend. Allenfalls kann man sich über das Maß unterhalten. In China ist das Maß in Ordnung.

Nicht in Ordnung ist hingegen die übertriebene Erwartung der Finanzszene an realwirtschaftliche Prozesse. Weil ihren Protagonisten die Realwirtschaft zu langweilig wurde, erfanden sie die Parallelwelt einer wachstumsorientierten Geld- und Finanzwirtschaft, in der Steigerungsraten keine natürlichen Grenzen haben. Wohin das führt, ist spätestens seit 2008 hinlänglich bekannt. Totales Systemversagen. Nun lassen die Brandstifter ihr System von real wirtschaftenden Bürgern und in Haftung genommenen Politikern am Leben erhalten. Das einzige, was in diesem System noch wächst, ist der Aufwand für seinen Erhalt und der Gewinn seiner Nutznießer.

Das in seiner Wachstumsrate degressive China steigerte im ersten Quartal dieses Jahres die Ölnachfrage in einem Maß wie zuletzt in 2012. Ist das ein Zeichen für einen neuen Wachstumsimpuls? Wahrscheinlich nicht. Es ist vermutlich nur der Effekt billigen Öls, das teilweise eingelagert und teilweise opportun verfeuert wurde. Gelegenheit macht Verschwendung. Finanzjongleure sind geneigt, aus der singulären Steigerungsrate eine längerfristige Nachfrageprognose zu entwickeln, die auf eine zu erwartende Ölknappheit hinausläuft. Das ist mal ein veritables bullisches Argument. Damit kann man Ölpreise in die Höhe treiben. In ihrem Paralleluniversum gibt es Aussicht auf Erfolg. Realwirtschaftlich ist das blanker Unfug.

Und dann sind da noch die konzentrierten Blicke gieriger Finanzjongleure auf das zentrale Rohöllager in den USA. Es ist prall gefüllt wie alle Rohöllager im Land. Wenn dieses eine Lager in Cushing, Oklahoma, ein paar Barrel Öl abgibt, herrscht Alarm bei den Bullen. Dann setzen sie ihr Finanztestosteron frei, um einen neuen Höhepunkt zu markieren. Dass die extrem hohe Gesamtbevorratung der USA von der denkbaren Nachfrage in absehbarer Zeit kaum zu dezimieren sein wird, können sie in ihrem Rausch nicht wahrnehmen.

Heute Morgen sind noch keine Anzeichen triebgesteuerter Ölpreisbewegungen an den Börsen zu erkennen. Die deuten sich indes gerade beim Dollar an. Das wäre schlecht für die Heizölpreise. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 601,25 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 58,69 Dollar und in London zu 66,17 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,9013 Euro . Damit kostet der Euro 1,1095 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise folgen ihrem sanften Aufwärtstrend. Solange sie die Trendgrenze nicht nach oben durchstoßen, kann nicht viel mit den Preisen passieren. Die Finanzszene gefällt sich allerdings darin, Grenzen und Realitäten zu missachten. Schön ist das nicht. Die 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz macht die Grenzwertigkeit der Lage deutlich. Aus der 12-Monats-Ansicht geht hervor, dass sie preislich immer noch angenehm ist.

Der Binnenmarkt läuft ruhig. Bestellungen kleckern relativ bedächtig herein. Ein wenig lebendiger wirkt dagegen die Hoffnung auf günstigeres Heizöl. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf mittlerem Niveau für die Kaufbereitschaft, wohlgemerkt bei niedrigem Gesamtinteresse, das andere auf einem Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt keine Kaufsignale mehr an. Dieser Umstand unterstützt die Markthaltung der Beobachter. Die Signale werden definitiv wieder kommen. Es ist gut möglich, dass die Preise dann tatsächlich tiefer liegen als heute.

Die Preistrends geben indifferente Zeichen ab. In den kurzfristigen Einstellungen weisen sie leicht aufwärts. In den längerfristigen Ansichten zeigen sie Wimpel. Das sind Konstellationen, die auf eine bevorstehende Neuausrichtung der Ölpreise hindeuten. Danach kann es aufwärts oder abwärtsgehen. Beides ist möglich. Wir sehen längerfristig wieder Potenzial nach unten.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, von dem immer noch ein ordentlicher Anteil verblieben ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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