Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise weiterhin politisch dominiert

Internationaler Markt

Das Ölangebot entwickelt sich prächtig. Dazu tragen neben den USA vor allen Dingen einige Lieferanten rund um den Persischen Golf bei, allen voran der Irak und der Iran. Beide Länder konnten ihre Produktion deutlich steigern. Dem Irak gelang es sogar, einen alten Produktionsrekord einzustellen. Dieser resultiert aus dem Jahr 1979. Die danach einsetzende weltweite Rezession, Kriegsjahre und die politische Isolation während des Hussein-Regimes setzten der Ölwirtschaft des Landes zu. Seit 2007 blüht sie trotz der vom Terrorismus zerrütteten Stabilität des Iraks stetig auf. Ein Ende des Aufschwungs ist noch nicht in Sicht. Dem Iran hilft die Lockerung der westlichen Sanktionen, zu alter Ölstärke zurückzukehren. Davon profitiert China in besonderem Maß. Das Land erhöhte die Ölimporte aus dem Iran im März deutlich.

Hoffnungen auf noch mehr Angebotsreichtum macht derzeit Libyen. Das gilt zumindest für die ölinteressierte Finanzszene. Sie sieht die Öffnung des ersten Ölhafens nach der Blockade durch Separatisten als Zeichen für die Auferstehung des am Boden liegenden Landes als bedeutender Öllieferant. Diesen Optimismus teilen wir nicht. Die Bevölkerungsgruppen und Stämme neigen zu starker Abgrenzung. Die wirtschaftlichen Bedingungen sind nicht geeignet, diese Tendenzen durch den breiten Aufbau von Wohlstand zu überwinden. Im Zweifel liegt die Blockade hier näher als die Aufbauarbeit.

Insgesamt könnte das Ölangebot aber kaum besser sein. Es trifft in dieser Jahreszeit auf eine relativ geringe Nachfrage. Sie wird im Sommer wieder steigen. Insofern ist die allgemeine Grundeinstellung an den Ölbörsen bärisch. Nach unserer Einschätzung aus dem Winter sollten wir jetzt die tiefsten Preise des Jahres sehen. Weil sich die Politik einen Ost-West-Konflikt leistet, führen aber weder bärische Tendenzen der Finanzszene zu niedrigeren Preisen, noch geht unsere Prognose auf.

Das ist aus unserer Sicht so ärgerlich wie vermeidbar. Die Vorgänge in der Ukraine und die klare russische Position waren beileibe besser einschätzbar als die politische Reaktion des Westens dies glauben macht. Die ambivalente Haltung der USA-EU-Allianz zwischen undefinierten Zielen, Unterstützung von freiheitlichen Tendenzen und Destabilisierung der gesellschaftlichen Ordnung sowie revancheartige Drohung Richtung Moskau trägt in keiner Weise zu einer Lösung des Konflikts bei. Dass dieser eine andere Dimension als die Suche eines wirtschaftlich zerbrochenen Staates nach neuer Identität und nach Wohlstand bekommen hat, ist aus unserer Sicht ein politisches Versagen erster Klasse.

Weder Russland, noch Europa können, noch sollten die USA ein Interesse daran haben, aus den Vorgängen in der Ukraine eine Ost-West-Krise entstehen zu lassen. Allenfalls sind entsprechende Neigungen aus innenpolitischen Gründen der USA bekannt. Dass diese tatsächlich geopolitische Bedeutung bekommen, deutet auf eine verheerende Führungsschwäche des US-Präsidenten hin. Er überlässt den Falken das Feld und richtet damit Schaden an, den wir Europäer zu spüren bekommen. Aus der Perspektive des Öl- und Energiemarktbeobachters ist es höchste Zeit für die europäische Emanzipation von US-dominierter Politik.

Wir Europäer haben energiepolitische Interessen, die uns natürlicherweise an Russland binden und wir haben gesellschaftspolitische Interessen, die uns den USA nahe stehen lassen. Letzte beziehen sich auf die Entwicklung von Lebens- und Gesellschaftsformen jenseits der allgegenwärtigen Wachstumsdoktrin. In dieser Frage sind Teile der USA entgegen anders anmutender Erscheinungen äußerst forschungsrelevant und innovativ. Der Austausch in diesen Fragen wird nicht durch Tagespolitik bestimmt. Er knüpft das andere natürliche Band unseres (hoffentlich) friedlichen politischen Netzwerks.

So hängt die erhoffte Preisentwicklung beim Öl an einem politischen Wenn. Wenn sie doch nur zur Vernunft kämen, sähen wir die prognostizierten, tiefen Ölpreise. Heute Morgen sehen wir eine unbewegte Börse auf relativ hohem Niveau. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 926,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 104,24 Dollar und in London zu 109,82 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,47 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise dümpelten vor und über Ostern vor sich hin. Jetzt steigen sie wieder. Es sieht nicht so aus, als sollte das weiterhin rasant geschehen. Wir erwarten eher einen stetigen, leichten Aufwärtsdruck. Dennoch bedroht dieser den mittelfristigen Abwärtstrend. Der Binnenmarkt ist ruhig. Käufer sind kaum zu finden. Das führt zu Rabatten in den Preisen, die aber keine stimulierende Wirkung entfalten können. Sie sind zu weit von wirklich attraktiven Kaufpreisen entfernt. Die Mehrheit unserer Nutzer erwartet kurzfristig keine Besserung der Entwicklung. Man ist allem Anschein nach von den politischen Ereignissen enttäuscht. Die Aussichten hängen in Gänze an eben diesem politischen Geschehen. Wer derzeit gezwungen ist, Heizöl zu kaufen, soll wissen, dass die Preise immer noch besser sind als Ende April der letzten drei Jahre. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Ukraine-Konflikt
US-Konjunkturdaten
Weniger Öl aus der Nordsee

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Libyen beginnt etwas mehr Öl zu exportieren
Verhandlungen um iranisches Atomprogramm
Rohölnachfrage der Raffinerien frühjahrsbedingt schwach

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen