Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise werden hochgeredet

Die wissenschaftliche Disziplin Soziophysik beschreibt Gesellschaften und soziale Gruppen als Systeme, deren Entwicklung über kommunikative Wechselwirkungsdynamiken vonstatten geht. Gesunde Systeme in diesem Sinn sind mit einer befruchtenden Meinungspluralität ausgestattet. Sie garantiert Fortschritt. Als kritisch erweisen sich Systeme, deren Meinungskräfte gleichgerichtet sind. Sie geraten in instabile Zustände, die sowohl ein Absterben ihrer Dynamik als auch einen explosiven Ausbruch der in ihnen steckenden Energie zufolge haben können.

Soziophysikalische Erkenntnisse tragen unter anderem zum Verständnis der Finanzmärkte bei. Mit ihnen lassen sich aber auch politische Vorgänge begreifbar machen. Die Analogie zu den Vorspielen der beiden Weltkriege liegt auf der Hand. Und auch der Verlust der Wirtschaftsdynamiken in den entwickelten Industrieländern bekommt aus dieser Perspektive eine eigentümliche Logik. Prekär ist derzeit insbesondere der Zustand der artverwandten sozialen Gruppen Politik und Medien in der Ukraine-Frage. Als Teilsystem aller westlichen Gesellschaften ist hier eine bedenkliche Meinungsgleichheit zu beobachten, das Putin-Bashing. Es hat eine gegengerichtete Analogie im Osten. Wenn die Akteure nicht zur Pluralität aus sich heraus oder durch Einbeziehen der „anderen“ Seite zurückkehren, droht Ungemach.

Außerhalb der politisch-medialen Gruppe findet man die anderen Meinungen. Sie lassen hoffen, dass das Gesamtsystem nicht dem Kollaps nahe ist. Die heilenden Kräfte bestehen darin, dass sich die Zivilgesellschaft und die Wirtschaft nicht von Politik und Medien vereinnahmen lassen.

Ein Beispiel für dieses Kraftspiel ist die 7. Deutsch-Russische Rohstoff-Konferenz, die Anfang April stattfand. Beide Seiten beschworen ihre Vertragstreue in allen bilateralen Geschäftsfragen unter allen denkbaren Umständen, zu denen auch weiterführende Wirtschaftssanktionen gehören können. Man will die Zusammenarbeit selbst davon nicht stören lassen. An der Konferenz nahm der stellvertretende russische Ministerpräsident Arkadi Dworkowitsch teil. Er gab sogar der Ukraine eine Garantie für die Erdgaslieferungen.

Diese Art der Gegenmeinung hält die Ölpreise derzeit trotz der medialen Scharfmacherei in Schach. Zwar sind die Preise in den letzten zwei Wochen unnötigerweise gestiegen. Von echter Kriegsangst ist die Bewegung aber weit entfernt. Daran ändern anders lautende Schlagzeilen nichts. Der Markt böte mit seinem Angebot die Möglichkeit, jederzeit wieder auf das tiefste Niveau des Jahres zurückzufallen, sobald Politik und Medien die Scheuklappen ablegen würden. Hilfreich für den Preis ist momentan eine positive Regung aus den Ölhäfen Libyens. Auf eine stabile Rückkehr zu alten Lieferbedingungen sollte man aber nicht hoffen. Das Land fiel durch die Implosion des alten Regimes zu tief ins Chaos. Ihm fehlen die wirtschaftlichen Bedingungen, sich nun daraus zu befreien. Hier droht nach wie vor die Unregierbarkeit.

Der weitere Verlauf des Jahres legt eine Aufweichung des Euros durch Maßnahmen der EZB (Europäische Zentralbank) nahe. Diese wären ein Analogon zur lockeren Geldpolitik der FED (US-Notenbank). Das Problem deutete sich in etwas anderer Form aber mit gleicher Wirkung bereits zu Jahrsbeginn an. Man sollte es nun ernsthaft in Betracht ziehen. Ein billigerer Euro wirkt in Europa wie die Verteuerung der Ölnotierungen.

Heute Morgen halten die Ölnotierungen die gestern eingefahrenen Gewinne. Einen anderen Grund als den Ukraine-Konflikt können wir darin nicht erkennen. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 915,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 103,28 Dollar und in London zu 108,80 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,45 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise ziehen weiter an. Jetzt bedrohen sie sogar den mittelfristigen Abwärtstrend. Die Aufwärtsdynamik kommt von den Ölbörsen. Ein klein wenig Anteil hat der Dollar. Der Binnenmarkt ist recht ruhig. Wir können eine leichte Belegung des Kaufinteresses beobachten, das nach unserer Einschätzung mit den Sorgen zum Verlauf des Ukraine-Konflikts zu tun hat. Dieser nimmt auch uns die positive Sicht auf den Ölmarkt, die das Jahr bisher prägte. Zwar sehen wir den Abwärtstrend noch nicht gebrochen, aber wir können uns diesen Bruch immerhin vorstellen. Optimisten setzen weiterhin auf die Einflusslosigkeit dummer Politik. Wer so verfährt, braucht dennoch Risikobewusstsein, ein wenig Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen. Wenn es mit der Politik nicht klappt, muss er allerdings teureres Heizöl zahlen als heute. Wem die Sache zu gefährlich wird, raten wir, umgehend Heizöl zu kaufen. Der Preis ist immer noch besser als in den letzten Jahren. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Ukraine-Konflikt
US-Konjunkturdaten
Weniger Öl aus der Nordsee

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Zweifel an Chinas Konjunktur
Libyen beginnt etwas mehr Öl zu exportieren
Rohölnachfrage der Raffinerien sinkt zum Frühjahr

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