Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Heizölversorgung ist Mangelverwaltung

Am Weltmarkt fallen die Preise. Gestern beschleunigten gute US-Bestandszahlen den Rückgang bei Gasöl und Heizöl (international). Anders die Lage in Deutschland. Hier gibt es teilweise massive Lieferengpässe bei Heizöl und ansatzweise bei Diesel. Der Preisrückgang erreicht den Verbraucher kaum noch. Das Heizölgeschäft wird für den Handel zur Verwaltung eines Mangels. Der Dollar ist erneut in eine Seitwärtsbewegung übergegangen. Das mittlere Niveau liegt einen Prozent höher als im August.

Geopolitische Probleme, Hurrikane und andere potentielle Störungen haben z.Z. keine Konjunktur. An der Börse wird Entspannung gehandelt. Mittlerweile ist man zu einer rauschenden Verkaufsparty übergegangen. Das lässt erahnen, dass es bald Katerstimmung in Form einer kurzfristigen Gegenbewegung geben wird. Mittelfristig sehen viele Analysten das Geschäft mit der Entspannung positiv. Gestern war es in diesem Sinn perfekt. Die US-Vorratsberichte von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) hatten großen Anteil daran. Folgende Zahlen erfreuten die Bären:

Rohöl: -2,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -7,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +4,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +6,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,9 (DOE) bzw. 2,5 (API) Mio. Barrel. Die Gesamtlage ist weiterhin gut. Insbesondere die Heizöllager sind so voll wie noch nie in den letzten acht Jahren. Die Raffinerien laufen mit schwach befriedigenden 93 Prozent Verfügbarkeit. Die Importe sind erheblich höher als im Vorjahr und in der Vorwoche. Das gilt sowohl für Rohöl als auch für Heizöl.

Im Gegensatz zu den USA herrscht hierzulande ein Mangel an Heizöl. Einige Tanklagern im Norden und Osten haben gar keine Ware mehr. Im Süden sind die Warteschlangen an den Tanklagern teilweise so lang, dass Heizölhändler ihre Terminplanungen bei Wartezeiten von über zwei Stunden für die Beladung nicht mehr einhalten können. Die Mineralölindustrie hat falsch geplant. Warenströme wurden fehlgeleitet. Für die Mineralölindustrie ist der aktuelle Kaufboom ursächlich. Er wurde nicht erwartet. Das überrascht. Ein erhöhter Bedarf ist für die Jahreszeit normal. Die bevorstehende MwSt.-Erhöhung verstärkt diesen höheren Bedarf. Das ist sollte nicht überraschen. Überraschend kommt allenfalls der Preisverfall am Weltmarkt, der die Kaufbereitschaft der Verbraucher zusätzlich anfeuert.

Im Gegensatz zur Mengenplanung der Industrie hat der Handel mit seiner Fahrzeugflotte keine Möglichkeiten der Umsteuerung. Das gilt mindestens dann, wenn Verbraucher auf kurzfristige Lieferung bestehen. Die Kapazität der Flotte ist ausgeschöpft. Weiterer Frachtraum ist nicht vorhanden. Aufträge müssen in die Abarbeitungsschlange gereiht werden. Die kann z.Z. bis zu acht Wochen lang sein. Zeitliche Ansprüche werden über den Preis gesteuert. Er liegt z.Z. übrigens mindestens vier bis sieben Prozent über Weltmarktniveau.

Heute Morgen hält der Gasölpreis sein tiefes Niveau von gestern. Die Tonne kostet 552 $.

Unsere Heizölpreise entkoppeln sich weiter vom Weltmarkt. Sie fallen z.Z. nicht mehr. Die mangelhafte Versorgung durch die Industrie und die extrem hohe Nachfrage machen den heimischen Heizölmarkt zu einer Art Zuteilungsgeschäft. Verbraucher sollten sehr geduldig bei Terminabsprachen sein. Und sie sollten Verständnis für den Handel mitbringen, denn dort bemühen sich die Mitarbeiten nach Kräften, der gewaltigen Bestellungswelle Herr zu werden. Dabei erhalten sie von der Mineralölindustrie keine Unterstützung.

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