Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölversorgung läuft nicht rund

Der Abwärtstrend der Ölpreise setzte sich am Freitag fort. Die politischen Spannungen haben ihren Einfluss auf den Ölmarkt verloren. Gewürdigt wird hingegen die aktuell gute Versorgungslage insbesondere in den USA. Für den deutschen Heizölmarkt gilt das nicht. Er hat mit wetter- und planungsbedingten Engpässen zu kämpfen. Mit der Ölpreiswende kam auch eine Wende in der Entwicklung der Wechselkurse zwischen Dollar und Euro. Der unerwartete Aufwärtstrend der US-Währung wird auf neue Zinsphantasien und auf positive Daten zur US-Wirtschaft und zum US-Haushalt zurückgeführt.

Seit Ende Januar gaben die Rohölpreise gut 10 Prozent, die Heizölpreise in den USA knapp 14 Prozent und die Gasölpreise in Europa rund 10 Prozent nach. Der Dollar legte zeitgleich knapp 4 Prozent zu. Für den deutschen Heizölverbraucher bliebe eine Differenz von rund 6 Prozent übrig. Dieser Preisrückgang konnte aber in keiner Region realisiert werden. Bestenfalls kamen 5 Prozent heraus. Schlechtestenfalls wurde in den letzten zwei Wochen so gut wie gar kein Preisrückgang erreicht. Die Inlandsversorgung ist angespannt. Im Norden waren Wasserstraßen vereist. Im Süden waren und sind Straßen schlecht oder gar nicht passierbar. Zudem wird die Karlsruher Raffinerie turnusgemäß gewartet. Damit fehlt dem Markt sowohl Transport- als auch Warenvolumen. Die Inlandspreise können sich auf Grund dieses Mangels nicht im Gleichtakt mit den Weltmarktpreisen entwickeln.

Die jüngste Reaktion am Weltmarkt ist eine temporäre Auflösung der Preisübertreibung auf die geopolitischen Ereignisse, insbesondere auf den Atomstreit mit dem Iran. Die Befürchtung, dass der zweitgrößte Lieferant innerhalb der OPEC den Ölhahn zudrehen könnte, existiert augenblicklich nicht mehr. Man geht davon aus, dass das iranische Öl selbst bei einer Liefersperre gegen westliche Länder über China und Indien auf den Weltmarkt gelangt. Ein politisch bedingter Mangel wird derzeit ausgeschlossen.

Ein Mangel auf Grund zu knapper Förder- und Raffineriekapazitäten wird aktuell auch nicht gehandelt. Im Gegenteil, der milde Winter in den USA wirkte entspannend auf die Versorgungslage. Die Vorräte wurden nicht ab- sondern aufgebaut. Zwar wütete am Wochenende ein gewaltiger Schneesturm im Nordosten der USA. Aber für den Wochenverlauf sind schon wieder frühlingshafte Temperaturen angekündigt. Die US-Nachfrageprognose für das erste Quartal wurde um ca. 1 Prozent gesenkt. Über die Nachfrageentwicklung in China und Indien weiß man wie immer wenig. Die Börse nimmt es ausnahmsweise gelassen.

Allen öffentlichen Forderungen zum Trotz beklagen die großen börsennotierten Gesellschaften Exxon-Mobil, Shell und BP sogar einen Mangel an Investitionsmöglichkeiten. Statt ihr reichlich verdientes Geld in Infrastruktur zu stecken, werden sie, wie Chevron und Total auch, Aktien zurückkaufen und Dividenden zahlen.

Wenn die Politik aus dem Marktgeschehen herausgehalten werden kann, erwarten die großen Spekulanten für dieses Jahr keine nennenswerte Preissteigerung beim Rohöl. Diese Einschätzung lässt sich zumindest aus den Engagements im Ölmarkt ableiten. Die sind momentan neutral. Es gibt keine Überhänge von Kontrakten auf steigende oder fallende Kurse. Vor einem Jahr sah die Erwartung vollkommen anders aus. Damals war die Übergewichtung von Kontrakten auf steigende Preise auf einem Fünf-Jahres-Hoch. Anders steht es allerdings mit der Einschätzung zur Preisentwicklung von Heizöl und Benzin. Im Kontrast zu der aktuell guten Versorgungslage werden weiterhin hohe Überhänge von Kontrakten auf steigende Preise gehalten. Offensichtlich spekulieren die Großen auf das Problem der knappen Raffineriekapazitäten.

Davon ist heute Morgen nichts zu spüren. Die Preise folgen der bärischen Stimmungslage. Mit 514,75 $ ist die Tonne Gasöl billiger als am Freitag. Die langfristigen Trends für Rohöl und Gasöl zeigen allerdings vollkommen ungefährdet stetig aufwärts. Dieser allgemeine Grundtrend gilt für alle fossilen Energieträger.

Unsere Heizölpreise bewegen sich im Mittel seitwärts. Probleme bei der Versorgung im Inland lassen es nicht zu, die rückläufige Preisentwicklung am Weltmarkt zu übernehmen. Die Wetterbedingungen im Süden Deutschlands sprechen eher für steigende Heizölpreise. Auf Sicht von ein bis zwei Monate sollten die Preise aber nachgeben. Langfristig muss man wie bei Gas und Strom mit höheren Preisen rechnen. Nach den jüngsten Tarifänderungen ist Heizen mit Gas trotz der geringeren Versorgungssicherheit übrigens wieder 15 bis 20 Prozent teurer als Heizen mit Öl.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen