Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Herausforderung: Heizöl und Energiewende

Internationaler Markt

An den Ölbörsen herrscht nachweihnachtliche Ruhe. Das Gros der Broker ist im Familienurlaub. Die Finanzszene hat ihre Junggesellen als Statthalter entsandt und lässt Computerprogramme arbeiten. Die Handelsvolumina sind gering. Dennoch gibt es ein eindeutiges Statement zur Marktlage auf den Kurstafeln, Überversorgung. Sie lässt die Preise erneut abstürzen. Damit ist unser gestern formulierter Gedanke „Bewegung kommt wohl erst im neuen Jahr wieder ins Spiel“ Makulatur. Die Klarheit der Entwicklung lässt auch nicht vermuten, dass sie einer Laune von Heißspornen zu verdanken ist.

Libyen ist als Öllieferant verloren. Die Produktion reicht nicht mal, um den Eigenbedarf zu decken. An den Börsen spielt das keine Rolle. Zu groß ist der Druck des Öls anderer Provenienzen. Trotz oder wegen der miserablen preislichen Bedingungen für die Entwicklung der Ölindustrie wird gepumpt, was das Zeug hält. Es ist ein Kampf jeder gegen jeden. Für viele Unternehmen und sogar Staaten geht es mittlerweile um das nackte Überleben. Die besten Chancen liegen dort, wo die Produktionskosten am niedrigsten sind. Das ist in den Staaten rund um den Persischen Golf der Fall. Die Erschließung neuer Quellen ist bereits spürbar zurückgegangen. Das muss negative Folgen für die Ölpreise haben. In 2015 werden die aber noch nicht zu spüren sein.

Heute Morgen setzt sich die gestern gestartete Talfahrt fort. Im Tagesverlauf rechnen wir mit einer Gegenbewegung. Während die Ölpreise Schwäche zeigen, hält der Dollar an seiner Rallye fest. Er steht kurz davor, das letzte Hoch vom Sommer 2012 zu toppen. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 519,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 53,19 Dollar und in London zu 57,35 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8235 Euro . Damit kostet der Euro 1,2143 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise bewegen sich und zwar ordentlich. Mit einem einzigen Zug eliminieren sie die vorweihnachtliche Sicherheitszone, die die Öl- und Finanzindustrie aufgebaut hat. Dadurch steht selbst der kurzfristige Abwärtstrend wieder voll im Saft.

An dieser Stelle lesen Sie werktäglich Näheres über Angebot und Nachfrage im Binnenmarkt für Heizöl. Dabei kommt nach unserer Auffassung die Auseinandersetzung mit der Nachfrageentwicklung zu kurz. Sie ist dem Interesse der Kunden geschuldet, preisgünstig Heizöl zu kaufen. Jetzt, zum Jahresende, passen auch mal vom Tagesgeschehen abweichende Gedanken in den Kontext, zum Beispiel über die Energiewende für Raumwärme.

Raumwärme ist der größte Einzelposten des Energieverbrauchs in Deutschland. Als Energieträger sind daran Gas, Heizöl, Festbrennstoffe und Strom beteiligt. Langfristig geht es darum, den Verbrauch dieser Energie zu reduzieren. Dabei ist es unerheblich, mit welchem Energieträger ein Verbraucher heizt. Der Ersatz des einen gegen den anderen allein ist kein Akt, der die Energiewende voranbringt. Das gelingt nur mit der Minimierung des Verbrauchs, also Haus dämmen, Heizung erneuern oder gleich ein neues Haus gemäß eines zukunftsfähigen Wärmestandards bauen.

Derartige Maßnahmen hat die Bundesregierung in ihrem Plan für die Energiewende aufgenommen. Sie wird nicht müde, die besondere Bedeutung der Raumwärmewende für das Gelingen des Gesamtprojekts zu betonen. Das war es dann auch. Das Energiewendeprojekt läuft heute weit hinter seinen Zielen her, insbesondere im Bereich Raumwärme. Die Politik beklagt den Attentismus der Verbraucher. Sie dämmen nicht, sie tauschen ihre Heizungen nicht aus, sie bauen keine modernen Häuser. Das Entscheidende beklagt die Politik indes nicht, die strukturelle Unfähigkeit der Gesellschaft zu handeln. Das ist nicht zuletzt die Unfähigkeit der Politik selbst, die Probleme zu erkennen.

Verbraucher haben heute keine Chance, aus dem reichhaltigen aber dennoch ungenügenden Angebot von Maßnahmen für die Raumwärmewende das Richtige für sie auszuwählen. Ein Haus, insbesondere ein energetisch optimales Haus, ist entgegen früherer Annahmen ein hoch komplexes System, das die Fachkompetenz ausgebildeter Handwerker und Spezialisten fast immer überfordert. Es gibt kein allgemein anwendbares Wissen für die Herausforderungen der Zukunft. Dieses Wissen und seine sichere Anwendung in der Gesellschaft muss erst noch geschaffen werden. Verbraucher scheinen dafür ein gutes Gespür zu haben. Daher ist die Zurückhaltung, mal das eine oder andere am eigenen Heim auszuprobieren, verständlich, ja sogar vernünftig. Etwas Sinnvolles im Sinn der Raumwärmewende entsteht schließlich nicht aus einer Komposition unabhängiger Einzelmaßnahmen. Die können im schlimmsten Fall sogar das Gegenteil bewirken.

Um die Raumwärmewende zu stemmen, benötigen wir einen industriellen Ansatz des neuen Bauens. Wir brauchen die Anleihe beispielweise von der Autoindustrie, so etwas zu organisieren. Wir brauchen die universitäre und die handwerkliche Ausbildung dafür, damit das Basteln mit zweifelhaften Ergebnissen an Einzelobjekten aufhört. Und wir werden einen großen Teil des Bestands erneuern müssen, damit alles zusammenpasst. Solange die Politik es unterlässt, das zu kommunizieren und dafür den Rahmen zu stecken, hat sie nicht das Recht, sich über untätige Verbraucher zu beschweren.

Diese Meinung soll übrigens kein Plädoyer für Attentismus seitens der Verbraucher sein. Sie soll ihn allenfalls erklären.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen