Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Hoch soll er leben

Am Ölmarkt redet man nicht mehr von Krise sondern von Aufschwung. In erster Linie ist es ein Aufschwung der Preise. Man meint aber auch einen Aufschwung der Nachfrage zu erkennen. Den weisen die bisher in Umlauf gebrachten Nachfrageprognosen nicht aus. Die US-Bestandszahlen lassen indes eine entsprechende Interpretation zu. Sie zeigen auch für die letzte Woche einen deutlichen Abgang aus den Lagern. Die OPEC sieht die Welt zwar nach wie vor überversorgt und spricht über einen möglichen Handlungsbedarf. Einstweilen ist sie aber mit der Preisentwicklung zufrieden. Deshalb bleiben die Quoten derzeit unverändert. An den Börsen insgesamt werden Nachrichten selektiv aufgenommen. Meldungen, die einen Aufschwung signalisieren, werden goutiert. Negativschlagzeilen werden ignoriert. Gestern erfreute man sich an den Auftrageingängen für langlebige Wirtschaftsgüter in den USA. Sie lagen im April weit über den Erwartungen. Ironischerweise ziehen solche Meldungen den Dollar abwärts, was nichts anderes bedeutet als eine Herabstufung des Dollarraums. Dem steht eine Aufwertung der US-Aktienindizes gegenüber. Fazit: Das Finanzroulette dreht sich wieder flott, die Realwirtschaft steckt noch im Bankrott.

Das Mysterium des Finanzsystems ist, dass es sich selbst genügt. Was in seinen Bann gerät, benötigt keine Realwirtschaft mehr. Bewertet wird nicht nach eingetretenen Ergebnissen sondern nach eingebildeten Erwartungen. Der feste Glaube an eine steigende Ölnachfrage reicht aus, um die Preise in die Höhe zu treiben. So geschah es bis zum Eintritt des Finanzdesasters. So geschieht es nun wieder. Ob die eine oder andere Firmenpleite in den nächsten Monaten korrigierende Schockwellen in das Finanzsystem schicken kann, bleibt abzuwarten. Mit Sicherheit kann man aber konstatieren, dass die wirtschaftliche Erholung durch eine Übertreibung der Öl- und Rohstoffpreisentwicklung abgewürgt wird. Darüber hinaus fehlt der Realwirtschaft Geld, das zur Spekulation in Rohstoffmärkten versackt, für Investitionen. Noch sind die Ölpreise nicht bedrohlich hoch. Sie haben sich lediglich inkohärent zur wirtschaftlichen Lage entwickelt. Der Gang der Dinge weckt aber die Befürchtung, dass altbekannte Entwicklungsmuster erneut eintreten werden, die einzig einer kleinen Kaste zum Vorteil gereichen.

Die Wirkung der gestern veröffentlichten US-Bestandsdaten wird als bullisch bezeichnet. Ihr Gehalt ist in der Tat bullisch. Der Preisverlauf während des Tages lässt diese Tatsache aber nicht erkennen. Der Anstieg vollzog sich vollkommen stetig von Beginn bis zum Ende. Im Moment der Veröffentlichung um 16:30 Uhr gab es keine besondere Regung im Tickchart, der minutengenauen Aufzeichnung der Preisbewegung. Dieser Umstand lässt den Schluss zu, dass über allen Fakten die bullische Grundeinstellung der Marktteilnehmer gehandelt wird. Man hat schlicht und einfach wieder das Vermögen und das Interesse, auf Ölpapiere zu spekulieren. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legten tendenziell ähnliche Zahlen zur wöchentlichen Veränderung in den US-Lagern vor. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: -5,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 5,7 (DOE) bzw. 2,2 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind etwas höher als in der Vorwoche und geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 85 Prozent gestiegen. Dieser Wert sollte wenigstens auf die Benzinpreise bärisch wirken. Er zeigt mehr Aktivität der Raffineure als man in ersten Schätzungen vermuten würde. Ein bullischer Impuls auf die Rohölpreise ist daher plausibel. Auch wenn die Bestände in den letzten Wochen abgebaut wurden, bleiben sie historisch hoch. Einen starken Grund für die bullische Preisentwicklung insgesamt bieten sie in keiner Weise.

Heute Morgen geht der Aufwärtslauf weiter. Nun beginnen Spekulanten der Entwicklung hinterher zu laufen. Damit verstärken sie den Trend. Die Tonne Gasöl kostet 505 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 65,40 Dollar. Der US-Dollar wird zu 71,47 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise legen deutlich zu. Die Entwicklung der letzten Tage droht, sie aus ihrem Seitwärtstrend herauszuschlagen. Der Ölpreisanstieg am Weltmarkt ist nun erheblich stärker als der Dollarverfall. Damit geht die kompensierende Wirkung der Währungsentwicklung verloren. Die Aussichten für einen günstigen Heizölpreis verschlechtern sich schneller, als wir das erwartet haben. Es gibt allen Grund, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dabei sollte Ihnen www.esytrol.com helfen.

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