Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Hoffen auf ein Wunder

Der Ölpreis kann nicht fallen, weil die Aktienkurse steigen. Das ist die Zusammenfassung folgender Beobachtung. An den Börsen keimt Hoffnung auf ein Ende der Krise auf. Spekulanten werfen sich in Position, um beim erwarteten Aufschwung nicht zu spät zu kommen. Die Hoffnung klammert sich an das G20-Treffen in London. Sie besteht im Glauben, dass die politischen Führer der Welt endlich die rettende Formel gebären, die eine Fortsetzung des Wirtschaftsaufschwungs ermöglicht. Am auf Abschwung programmierten Ölmarkt steigt man darauf ein. Die inneren Erkenntnisse, die einzig bärische Interpretationen zulassen, werden ignoriert. Diese sind der unerwartet starke Aufbau in den US-Tanklagern und der anhaltende Rückgang des US-Rohölbedarfs.

Eigentlich könnte man einen fallenden Rohölbedarf feiern. Er wäre das Signal für nachhaltiges Wirtschaften, wenn eben dieses Wirtschaften kein negatives Vorzeichen hätte. Das hat es aber. Und so steht ein rückläufiger Ölbedarf als Synonym für schlechte Zeiten. Wenn sich das geändert hat, ist die Krise überwunden. Damit sich das ändert, muss sich das dominierende Wirtschaftsdenken ändern. Das wird länger dauern als eine paar Monate Krise und einen G20-Gipfel. Auf dem Gipfel wird man sich hinter verschlossenen Türen über Sparsamkeit und Gelddrucken streiten. Der Exportweltmeister Deutschland wird sich eine Anklage als bigotter Sparsamkeitsapostel gefallen lassen müssen, der seinen Wohlstand aus Geschäften mit konsumsüchtigen Nachbarn nährt. Die erwarten nun, da nur noch Geldpumpen zu helfen scheint, dass Deutschland kräftig mitmacht. Die bisher in Konjunkturpakten versenkten Milliarden werden als lächerlich und einer führenden Wirtschaftsnation nicht würdig angesehen. Angesichts der anstehenden Auseinandersetzung ist nicht zu erwarten, dass man zum Kern der Krisenursache vordringen wird. Vielmehr wird auf Basis der existierenden Wirtschaftsdoktrin über Details ihrer Reparatur gestritten. Es ist schwer vorstellbar, dass dabei ein großer Schritt in eine blühende Zukunft herauskommt.

Ansätze für eine neue Wirtschaft sind immerhin erkennbar. Dass diese sich vom Verbrauchen nicht regenerativer Rohstoffe lösen muss, ist mittlerweile nicht nur eine Erkenntnis elitärer Intellektueller. Sie ist Teil der neuen US-Politik geworden. Chinas Denker und Lenker sind sich der Notwendigkeit schon länger bewusst. Das lässt auf Besserung hoffen. Es zeigt aber auch, wie langwierig der Veränderungsprozess werden wird. Denn bis heute ist in China kaum zu erkennen, dass Ressourcen- und Umweltschutz ein Regierungsthema sind, und das obwohl dort autoritäre Strukturen herrschen, in denen sich Veränderungen per Befehl durchsetzen lassen. Ein neuer Umgang mit Rohstoffen allein macht noch keine neue Wirtschaft. Mindestens so wichtig ist die Frage der Verteilung des Wohlstands. Dass sich dieser wie bisher auf wenige Nutznießer konzentriert, geht gar nicht. Dabei kann kein stabiles Wirtschaften entstehen. Schließlich ist das Problem des Wachstums im begrenzten System Erde zu klären. Diese drei Bausteine sind das zu erarbeitende Pflichtprogramm für die nachhaltige Heilung der Wirtschaft. Man muss kein Prophet sein, um zu konstatieren, dass das in London nicht geschieht. Und so wird das, was an der Börse als Aufschwung gehandelt wird, über kurz oder lang wieder zusammenfallen. Die Kurse werden erneut nachgeben. Sie nehmen, wie jetzt auch, den Ölpreis mit.

Beim Öl muss man allerdings damit rechnen, dass das Angebot längerfristig schneller sinken wird als die Nachfrage. Das wird einen Preisrückgang stoppen, auch wenn andere Kurse weiterhin nachgeben werden. Noch ist davon nichts zu erkennen, wie die jüngsten US-Bestandsdaten zeigen. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) weisen abermals Gewinne in den Lagern aus. Es wurde wieder mehr Öl geliefert als verbraucht. In Zahlen liest sich das wie folgt:

Rohöl: +2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau der ohnehin gut gefüllten Lager von 5,3 (DOE) bzw. 4,6 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit beträgt weiterhin lausige 82 Prozent. Mehr will man derzeit nicht erreichen.

Heute Morgen steigen die Ölpreise aus dem oben genannten Grund. Im Vergleich zu den Aktienmärkten geschieht das allerdings sehr verhalten. Die Tonne Gasöl kostet 427 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 49,42 Dollar. Der US-Dollar wird zu 75,32 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise folgen dem Weltmarkt. Ihr Rückgang ist gestoppt. Kurzfristig muss mit etwas Teuerung gerechnet werden. Längerfristig halten wir dennoch an der Prognose einer seitwärts gerichteten Entwicklung fest. Die Nachfrage geht spürbar zurück, nicht zuletzt weil die Attraktivität der Preise im Vergleich zum letzten Tief sinkt. Im mehrjährigen Vergleich sind die Preise weiterhin gut. Mehrjährig heißt hier allerdings nicht eine halbe Generation oder mehr. Trotz der moderaten Preise empfehlen wir, sich intensiv mit der Senkung des eigenen Verbrauchs auseinander zu setzen. Das ist die anstehende Aufgabe auf dem verantwortungsvollen Weg in die Zukunft. Schauen Sie hierzu mal auf www.esytrol.com.

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