Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Horst vielleicht darum

Das Loch von „Deepwater Horizon“ erweist sich als ein Monster. Unablässig ergießt es schwarzbraunes Öl in den Golf von Mexiko. Von Menschen ließ es sich bisher nicht bändigen. Weltraum und Tiefmeer sind trotz technischer Hochleistungen Terra incognita. Sie befinden sich außerhalb unserer natürlichen Einflusssphäre. Das Monster am Finanzmarkt ist ebenfalls ungebändigt, obwohl es sich innerhalb unseres natürlichen Einflussbereichs befindet. Doch hier, so sagten uns Hohepriester der Ökonomie, geziemt sich unser Einfluss nicht. Wir überlassen das Monster besser sich selbst. Es wird sich schon beruhigen. Heute singen die Hohepriester ihr Lied nicht mehr so laut. Politiker kennen allerdings noch kein anderes. Deshalb tun sie sich schwer damit, gegen das Monster zu kämpfen. Viele Politiker erkennen es gar nicht.

Einer der wenigen, die es erkannten, ist nun gegangen. Heute fragt man sich, ob er, Horst Köhler, überhaupt ein Politiker war. Ökonom ist er und Präsident war er. Unverstanden war er vielleicht auch. Jedenfalls fühlte er sich unverstanden und einflusslos. Schließlich blieb er auch einflusslos. Unverstanden ist seine Demission. Warum, so die allgemeine Frage, ist er diesen Schritt gegangen? Überempfindlichkeit lautet eine viel zitierte Antwort. Vielleicht. Vielleicht wird man ihm damit aber nicht gerecht.

Da hat er sich unter dem Eindruck eines Besuchs in Afghanistan zu einigen Äußerungen über den Sinn der Bundeswehr für unser Land hinreißen lassen. Sie müsse unsere Außenhandelsinteressen schützen und fern der Heimat für Ruhe sorgen, wenn dort unsere wirtschaftlichen Ziele betroffen sind. Das klingt für einen global denkenden Menschen selbstverständlich. Für einen Deutschen der Generation von Horst Köhler ist es alles andere als selbstverständlich. Die Sichtweise hat sich im Laufe der Globalisierungsjahre entwickelt. Köhlers Äußerungen haben für Verwirrung gesorgt. Weil der Gedanke der Globalisierung so etwas wie Common Sense ist, hat man sie aber akzeptiert. Konklusion: Er hätte die Sätze besser nicht gesagt, aber dass er sie gesagt hat, ist nicht so schlimm. Ist ja etwas Wahres dran.

Möglicherweise ist genau das das Problem, das Horst Köhler mit seinen Sätzen hat. Im Fall des Finanzmarkts sagte er einmal sinngemäß, dass er selbst Teil dieses Marktes war. Er wirkte an Fehlentwicklungen des Marktes mit. Mit dem Abstand des Präsidenten erkannte er den Fehler, seinen Fehler und vor allen Dingen den Fehler des Systems. Er warb dafür, den Fehler zu beheben. Vergebens. Nun redet er durch seine Äußerungen einer harten, im Wesentlichen auf Eigeninteresse gerichteten Globalisierung das Wort. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit entspricht das nicht seiner inneren Überzeugung. Möglicherweise ist ihm das durch seine eigenen Worte erst bewusst geworden. Ein Land, das atemberaubende Außenhandelsüberschüsse erwirtschaftet, exportiert nicht nur Waren. Es exportiert auch Schulden. Das ist die natürliche bzw. bilanzielle Folge des Handelns. Einseitige Außenhandelsbilanzen, egal ob positiv oder negativ, destabilisieren das Finanzsystem. Deutschland und die USA geben zwei unterschiedliche Bilder von Industrienationen ab. Ihre Wirkung auf das globale Finanzsystem ist aber gar nicht so unterschiedlich. Wir leben mit einer Lüge, indem wir unser Handelsmodell als vorbildlich verstehen. Das weiß Horst Köhler.

Im Fall der USA kritisieren wir zu Recht die brutale Durchsetzung von Interessen. Deutsche mögen keine Hegemonialmächte mehr. Die Gedanken, die Horst Köhler zu Bundeswehreinsätzen äußerte, haben aber einen hegemonialen Gehalt. Sie sind schlüssig. Sie beschreiben eine logische Entwicklung einer modernen Industrienation im gültigen Wirtschaftsmodell. Sie beschreiben den Weg zu einer Hegemonialmacht. Man kann diesen Weg gehen, weil er logisch ist. Horst Köhler als erster Mann im Staat, der er war, würde einen ähnlichen Fehler begehen, wie Jahre zuvor als hoher Vertreter des Finanzsystems. Einen Fehler, den er heute zutiefst bedauert. Er würde einen Weg gehen, von dem er heute schon weiß, dass er Unfrieden und Ungleichheit in der Welt fördert. Er möchte aber Ausgleich schaffen. Der Mann befand sich inmitten einer Tragödie. Er sieht die Probleme, er sucht Lösungen für die Probleme, doch er kann noch nicht einmal öffentlich darüber diskutieren, geschweige denn Maßnahmen zur Lösung einleiten. Das verbot ihm sein Amt, das ihm eine zweifelhafte Dienerschaft unserem Staat gegenüber auferlegt. So gesehen ist Horst Köhlers Schritt ebenso logisch, ebenso konsequent und ebenso richtig wie der von Margot Käßmann vor ein paar Wochen. Unser Gesellschaftssystem verliert seine guten Leute. Hoffen wir, dass wir sie nicht verlieren.

Der Ölmarkt verliert heute Morgen keine Leute. Er verliert Geld. Es geht wieder steil bergab mit den Notierungen. Die Bewegung kommt nicht vollkommen unerwartet, denn die Abwärtstrends sind intakt. Der jüngste Preisanstieg geht noch als kurzfristige Gegenbewegung durch. Die Tonne Gasöl kostet 627 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 73,01 Dollar. Der US-Dollar wird zu 82,02 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise legten in den letzten Tagen ordentlich zu. Sie wurden im Wesentlichen von der Gegenbewegung der Ölnotierungen zum Abwärtstrend aufgetrieben. Heute scheint sich die Richtung zu drehen. Allerdings dreht sich der Devisenmarkt auch wieder, so dass der Dollar schwer zulegt. Damit bleibt wenig Nettogewinn als Nachlass der Heizölpreise übrig. Die Chance, dass die Preise in den nächsten Tagen wieder nachgeben werden, ist immerhin gegeben. Spekulatives Warten ist plausibel. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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