Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Hypothekenkrise war gestern

Börsenstimmungen sind wechselhaft. Das wird in diesen Tagen besonders deutlich. Bis Ende Juli schien der Preisanstieg insbesondere für Rohöl unaufhaltsam zu sein. Dann erschütterte die seit Jahren bekannte aber ignorierte US-Immobilienblase die Märkte. Einige Banken hatten den Bogen überspannt. Sie wurden aus der Blase geschleudert. In kurzer Zeit löste sich sehr viel virtuelles Geld in Wohlgefallen auf. Die US-Wirtschaft drohte zu kollabieren. Weltweit setzten hektische Hilfsmaßnahmen ein. Sie wirkten. Zwar ist die Krise nicht überwunden. Aber man traut sich zur Tagesordnung zurück, wie vor dem jüngsten Knall. Heute, kaum drei Wochen nach der befürchteten Katastrophe, wird wieder eine starke US-Konjunktur erwartet. Die Nachfrage nach Ölprodukten soll steigen. Diese Vorstellung zieht die Bullen zurück ins Spiel um steigende Preise und Gewinne. Der Dollar befindet sich bezeichnenderweise auch wieder auf dem Niveau, das vor der Hypothekenkrise galt.

Bis Mitte letzter Woche hatten Spekulanten nach anfänglichem Zögern ihre Papiere auf steigende Ölpreise in großem Stil abgestoßen und den Markt verlassen. Es blieb ein vergleichsweise geringer Überhang an Longkontrakten erhalten. Die panische Fluchtbewegung aus einem als bullisch eingeschätzten Markt hinterließ mit Sicherheit deftige Verluste. Die werden die Akteure versuchen zurückzuholen.

Neue Daten über das US-Verbraucherverhalten lassen Erstaunliches zu Tage treten. Der Benzinverbrauch ist nicht wie erwartet gesunken, er ist gestiegen und zwar um 1,3 Prozent im ersten Halbjahr gegenüber dem Vergleichszeitraum 2006. Gestiegen ist auch der Preis. Drei Prozent waren offensichtlich gering genug, um das Aufkommen von Sparsamkeit zu verhindern. Genau das war aber erwartet worden. Die neue Erkenntnis bringt die notorisch schlecht laufenden Raffinerien der USA wieder als Thema an die Börsen. Zwar haben sie trotz ungeplanter Ausfälle deutlich mehr produziert als im Vorjahr. Zur Diskussion steht aber eine um 1,1 Prozent geringere Verfügbarkeit.

Bullisch eingestellte Akteure müssen sich allerdings auch mit der Tatsache auseinandersetzen, dass die weltweiten Rohöl- und Produktenbestände auf einem 10-Jahres-Hoch stehen. Die Idee einer kurzfristig zu erwartenden Verknappung zieht daher nicht.

Langfristig gilt das Knappheitsargument durchaus. Einige Ölgesellschaften leiden am Mangel an Bohrgeräten. Sie kommen mit ihren Projekten nicht planmäßig voran. Für Petroleos de Venezuela (PdV) hat das zur Konsequenz, dass die aktuelle Förderung um 18 Prozent geringer ausfällt als geplant. Ein für 2012 angestrebtes Förderziel wird nach aktuellem Erkenntnisstand erst 2015 erreicht werden.

Das wesentliche preistreibende Argument ist die nicht gesicherte langfristige Verfügbarkeit der benötigten Energiemengen. Dieses Argument wird, wenn die wirtschaftliche Entwicklung positiv verläuft, immer stärker sein als Meldungen von auskömmlicher kurzfristiger Verfügbarkeit.

Heizölverbraucher begegnen den langfristigen Preissteigerungen mit der Reduzierung von Verbrauchsmengen. Das geschieht beispielsweise durch moderne Heizungsanlagen. Zwischen 1990 und 2005 erhöhte sich ihr kollektiver Wirkungsgrad von 68,3 auf 85 Prozent. Anlagen erreichen heute Wirkungsgrade von 95 Prozent. Wenn weitere Maßnahmen zur Effizienzsteigerung am Gebäude hinzukommen, lassen sich am klassischen Hausbestand aus den 1960er und 1970er Jahren 50 Prozent und mehr Heizöl einsparen.

Die charttechnische Entwicklung der Preise deutet darauf hin, dass man sich des Effizienzthemas annehmen sollte. Billiger wird Öl derzeit kaum werden, eher teurer. Die Tonne Gasöl kostet 624,75 $.

Unsere Heizölpreise ziehen moderat an. Die als Folge der Finanzmarktkrise noch für möglich gehaltene Einstellung der Tiefpreise von Anfang August wird nicht eintreten, wenn sich die Erholung der Märkte fortsetzt. Das scheint der Fall zu sein. Die Tatsache, dass die internationalen Ölpreise noch nicht wesentlich über das Preisniveau des Vorjahres gestiegen sind, dämpft zudem die Erwartung, dass es im Herbst zu einem kräftigen Einbruch der Preise wie in den Vorjahren kommen wird. Aktuell ist Heizöl bei 3000 Liter Liefermenge noch rund acht Prozent günstiger als im Vorjahr.

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