Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Im Rahmen der Erwartungen

Ruhig geht es zu am Ölmarkt. Die Preisentwicklung folgt der erwarteten Abwärtsspur. Einzig die Notierungen für Rohöl der Sorte WTI (Texasöl) bewegen sich konträr zu allen anderen Produkten. Aus europäischer Sicht ist sogar das ein gutes Zeichen, denn der Preisanstieg für WTI ermöglicht die Preisreduzierung für Brent (Nordseeöl). Der scheinbare Widerspruch hat eine einfache Erklärung.

Bisher konnte Rohöl in den USA nur zu den Raffinerien im Landesinneren gepumpt werden, um dort zu Benzin, Diesel, Heizöl und anderen Produkten verarbeitet zu werden. Die Produkte werden teilweise exportiert. Rohöl wird in den USA gefördert oder importiert. Die USA sind nach wie vor ein Importland. Die nordamerikanischen Länder USA, Kanada und Mexiko produzieren gemeinsam mehr Öl als Saudi Arabien oder Russland. Insofern hat die Idee, Nordamerika zu einer ölautarken Region zu entwickeln, eine realistische Basis. Möglich wird sie bei angemessener Reduzierung des Verbrauchs und bei weiterer Steigerung der Förderung. Seit Ausbruch der Finanzkrise geschieht das. Größtenteils fließen Eigenproduktion und Importe über Pipeline zum Zentrallager in Cushing Oklahoma, um von dort verteilt zu werden. Mittlerweile sind die USA nicht nur in der Lage, Ölprodukte zu exportieren. Sie könnten auch Rohöl exportieren. Es mangelt lediglich an der Infrastruktur zwischen dem Zentrallager und den Seehäfen. Seit das so ist, haben sich die Notierungen für Rohöl WTI im Vergleich zu anderen Rohölsorten nach unten abgesetzt.

Ab Juni, so der Plan, wird die Infrastruktur zum Export von Rohöl vorliegen. Man arbeitet derzeit an der Richtungsumkehr einer existierenden Pipeline. Gestern wurde gemeldet, dass die Arbeiten schneller als erwartet vorangehen, so dass bereits Mitte Mai mit den ersten Exporten zu rechnen ist. Damit liegt die Voraussetzung vor, dass sich die entglittenen Rohölnotierungen wieder annähern können. Im Wesentlichen wird WTI teurer werden. Brent könnte dabei aber durchaus ein wenig Preisnachlass erfahren, der über die reine Tagesbewegung hinausgeht.

Zur Entspannung trugen auch gestern wieder Wirtschaftsdaten aus den USA und ein Update zu den diplomatischen Aktivitäten in der Iranaffäre bei. Beide sind wenig spektakulär. Die US-Wirtschaft entwickelt sich verhalten. Weder in der Frühindikation noch im Häusermarkt zeigt sich ein Aufwärtskick. Im absurden Duell, Wunsch nach mehr Wirtschaftswachstum und Bestreben nach geringerem Ölkonsum, gibt es mehr Verlierer als Gewinner. In diesen Tagen ist die Finanzszene wieder bei den Verlierern.

Unterhändler konnten die Differenzen im Bezug auf die iranische Atomfrage nicht überwinden. Aber sie werden immerhin weiter verhandeln. Die nächste Runde ist auf den 23. Mai datiert. Damit ist die akute Kriegsgefahr momentan abgewendet. Längerfristig bleibt sie aber erhalten. Israel und die USA kritisieren Europa in der Sache und in der Interpretation der Verhandlungsergebnisse als zu wenig anspruchsvoll. Benjamin Netanjahu, der unter jüdisch orthodoxem Einfluss agierende Atomwaffenbesitzer, sieht im gegenwärtigen Primat der Diplomatie eine Vorteilsgewährung für Mahmud Ahmadinedschad, dem in schiitischer orthodoxer Verblendung agitierenden potenziellen Atomwaffenbauer. Von einer Annäherung der Völker über ein Gleichgewicht des Schreckens, wie es Europäer im Allgemeinen und Deutsche im Speziellen in der jüngeren Geschichte praktizieren mussten und durften, hält er nichts. Die Sichtweise seines von westlicher Dominanz bedrohten Gegners einzunehmen, gelingt ihm genauso wenig, wie es dem Gegner gelingt, die herausfordernde Wirkung seiner Agitation auf ein im kriegsähnlichen Dauerzustand lebendes Volk zu begreifen. So wird das Pulverfass solange erhalten bleiben, bis es kracht oder bis auf beiden Seiten die Weisheit zu Tage tritt, die die Völker aufgrund ihrer Kultur längst entwickelt haben. Finanzjongleure werden noch die eine oder andere Freude am unreflektierten politischen Handeln der Kontrahenten haben.

Heute Morgen ist davon nichts zu spüren. Sie, die Finanzjongleure trauen sich nicht, Position zu beziehen. Die Wahrscheinlichkeit für im Tagesverlauf weiter nachgebende Ölnotierungen ist dennoch gegeben. Die Tonne Gasöl kostet 999,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 103,20 Dollar und in London zu 118,46 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,11 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben nach. Gestern wurden die fallenden Ölnotierungen um nachgebende Dollarkurse ergänzt. Wenigstens beim Öl sollte ein moderater Abgang noch einige Wochen anhalten. Mit etwas Glück im Bezug auf die Währung kann daraus ein kleiner Abwärtstrend der Heizölpreise werden. Gefahren lauern kurzfristig in der europäischen Schuldenproblematik, die den Dollar unangenehm abheben lassen könnte, und längerfristig im israelisch-iranischen Konflikt um die Atomaffäre, dessen Eskalationspotenzial derzeit nur schlummert. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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