Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Im Westen nichts Neues

Fast täglich werden Wirtschaftsindikatoren für die USA veröffentlicht. Was genau mit den jeweiligen Zahlen gemessen wird, wissen die Empfänger an den Börsen vermutlich gar nicht. Für die Beurteilung der wirtschaftlichen Gesamtlage sind die kleinteiligen Details auch nicht relevant. Normalerweise ist der tägliche Genuss irgendwelcher Daten über die US-Wirtschaft ein Stimulanzmittel erfolgsverwöhnter Broker. Das war einmal. Jetzt ist jedes Datum ein Schlag ins Kontor der guten Laune. Die Datenfülle schlägt zurück. Dass sich die US-Konjunktur in einer schwierigen Verfassung befindet, ist hinlänglich bekannt. Diese Tatsache Tag für Tag durch einen wissenschaftlich erarbeiteten Wert vor Augen geführt zu bekommen, ist niederschmetternd. Die Aktienbörse quittiert das mit Abgabekrämpfen. Das war auch gestern so.

Die Ölbörsen hielten sich bisher noch erstaunlich schadfrei. Sie profitieren davon, dass Öl ähnlich wie Gold nur limitiert verfügbar ist. Dennoch, gestern ereilte den Ölhandel ein erster Krampf. Die Notierungen gaben spürbar nach. Natürlich ist die allgemeine Stimmungslage dafür verantwortlich. Es gibt aber auch ölspezifische Umstände, die einen Preisrückgang provozieren. Die aktuellen US-Bestandsdaten sind so ein Umstand. Sie zeigen einen erneuten Vorratsaufbau an. Dieser ist maßgeblich auf die Sparsamkeit amerikanischer Autofahrer zurückzuführen. Ihr Verbrauch ist auf den tiefsten Stand seit neun Jahren gesunken. Regelmäßige Leser dieser Seite erinnern sich, dass an den US-Konsumenten eine vollkommen andere Erwartung gestellt wurde. Die Finanzszene glaubte fest daran, dass die amerikanische Verschwendungssucht in diesem Sommer zurückkehren wird. Sie kehrt nicht zurück. Im Gegenteil, die Sparsamkeit wächst. Die Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zur wöchentlichen Änderung der US-Ölvorräte zeigen das in den Benzin-Daten.

Rohöl: +1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 3,1 (DOE) bzw. 0,6 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf 89 Prozent gestiegen. Die Zahl ist den Umständen entsprechend hoch. Sie untermauert, dass sich Produzenten ebenfalls auf eine höhere Nachfrage eingestellt haben.

Aber nicht nur die unerwartet zurückhaltenden US-Verbraucher sorgen für Abgabedruck bei den Ölpreisen. Die Angebotsseite drückt zumindest kurz- und mittelfristig ebenfalls auf die Notierungen. Die Lieferungen aus den freigegebenen strategischen Reserven stehen größtenteils noch aus. Sie werden für einen weiteren Anstieg in den öffentlichen US-Lagern sorgen. Das OPEC-Angebot ist mittlerweile höher als es vor dem Wegbrechen des Libyschen Öls war. Zwar versuchte man zwischenzeitlich das zusätzliche Öl teuer zu verkaufen. Das gelang nicht. Nun sollte es helfen, den Marktpreis zu drücken. Last but not least kommt sogar von Nicht-OPEC-Lieferanten in diesem und im nächsten Jahr mehr Öl auf den Markt. Alles zusammen sorgt für eine bärische Marktstimmung.

Großes sollte man von einem möglichen Abgang der Ölpreise dennoch nicht erwarten. In der Nordsee gibt es einige Produktionsprobleme und China ist immer für eine überraschende Nachfragesteigerung gut. Groß wird ein Preisabgang sicher nicht aufgrund von mehr oder weniger starken Veränderungen am Ölmarkt. Groß kann er nur werden, wenn Finanz- und Wirtschaftssysteme in Existenznöte kommen und Panik an den Börsen ausbricht. Dass das geschieht, liegt im Bereich des Denkbaren.

Heute Morgen ist davon noch nichts zu erkennen. Die Ölnotierungen geben moderat nach. Nicht einmal das ist eine solide Erwartungsrichtung für den Tag. Der kann beliebige Preisänderungen bringen. Die Tonne Gasöl kostet 969,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 91,98 Dollar und in London zu 113,17 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 69,78 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben nach. Das haben sie sowohl den Öl- als auch den Devisenbörsen zu verdanken. Der ungewöhnliche Gleichtakt beider Einflussbereiche macht die Preisänderung spürbar aber leider nicht sprunghaft. Die allgemeine Stimmungslage zu Finanzen und Wirtschaft in den USA und Europa lässt tiefere Heizölpreise wieder denkbar erscheinen. Sie können kommen, sie müssen aber nicht kommen. Wenn der mögliche Untergang der Systeme zur allgemeinen Erwartung gehört und die Überraschung über den ungeheuerlichen Vorfall nicht mehr möglich ist, wird er, der Untergang, wahrscheinlich ausbleiben. Deshalb sollte man die Erwartung an den Abgang der Heizölpreise nicht übertreiben. Man sollte die Preise eng verfolgen, um einen der wahrscheinlich selten auftretenden freundlichen Kaufmomente aufzuspüren. Dabei kann unser Preisalarm hilfreich sein. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen