Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Iran verhindert Preisrückgang

Die erhoffte Entspannung im Atomstreit mit dem Iran blieb aus. Damit verflüchtigt sich die Chance auf nachgebende Ölpreise. Aktuell gibt es ein klares Übergewicht bullischer Markteinflüsse. Die Gefahr, dass sich beim ersten schweren Hurrikan der Saison neue Höchstpreise einstellen werden, ist groß. Die Einschätzung der US-Konjunktur ist äußerst wankelmütig. Das schwächt den Dollar. Er bahnt sich den Weg zurück zum Abwärtstrend.

Im Verlauf der letzten Woche wurde das Fenster zu einem Rückgang der Ölpreise bewegt. Es wurde durch ein fundamentales Signal der Entspannung im Atomstreit mit dem Iran geöffnet. Zum Wochenschluss wurde dieses Fenster aber schon wieder geschlossen. Statt der erhofften Annäherung Teherans an die Position der westlichen Staaten kamen während des Wochenendes Drohungen mit der Ölwaffe. Und die wurden dieses Mal nicht vom verbalrandalierenden Präsidenten Ahmadinedschad verbreitet sondern vom geistlichen Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. Das verleiht der schlechten Nachricht Gewicht.

Bisher hatte der Iran ausdrücklich ausgeschlossen, die Ölwaffe, d.h. Drosselung oder Einstellung der Lieferungen, als politisches Mittel im Atomstreit einzusetzen. Nun hat Chamenei in seiner Rede nicht nur diese Option in Betracht gezogen. Er deutete sogar an, dass der Iran über weitreichendere Eingriffsmöglichkeiten verfüge als die eigenen Ölmengen. Diese sind mit annähernd 4 Mio. Barrel pro Tag bereits bedeutend. Die Lage seines Landes erlaube es darüber hinaus, die Öltransporte in der Straße von Hormus zu kontrollieren. Durch die Meerenge werden täglich 17 Mio. Barrel Rohöl und gut 2 Mio. Barrel Produkte transportiert. Das entspricht rund 20 Prozent des Weltbedarfs. Verbal ist der Iran entschlossen, seine Macht über das Öl zur Durchsetzung seiner Atomziele zu nutzen. US-Außenministerin Condoleezza Rice rief angesichts der Drohung zur Gelassenheit auf. Sie sieht das Angebot der fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat und Deutschlands noch nicht als abgelehnt an. Es müsse nun erst geprüft werden.

Charttechnisch ergibt sich durch die jüngste, vor allen Dingen durch den Atomstreit beeinflusste Preisbewegung, ein Bild, dass einen neuen Aufwärtstrend begünstigt. Unterstützung findet der mögliche Trend durch die politischen Umstände in Nigeria und Venezuela, durch die Reduzierung der Lieferungen aus Saudi Arabien, durch Raffinerieprobleme in den USA und durch Ängste vor schweren Hurrikanen im Golf von Mexiko.

Saudi Arabien hatte als führendes OPEC-Land in der letzten Woche noch für eine Beibehaltung der Liefermengen gestimmt. Nun reduziert das Land die Exporte. Begründet wird das mit der schlechten Nachfrage nach Rohöl. Die Raffinerien könnten die angebotenen Mengen nicht verarbeiten.

Eine Gegenposition zu den bullischen Argumenten ist die Bevorratungslage. Die US-Lager sind gut gefüllt. Ein Engpass, der für Benzin immer wieder als möglich genannt wird und die Preise treibt, ist angesichts der Vorräte und des stagnierenden US-Verbrauchs äußerst unwahrscheinlich. Die Vorräte sind momentan das stabilisierende Element der Preisbewegung. Alle ?üblichen? Aufwärtstendenzen finden hierin ihre Bremse. Ein zerstörerischer Hurrikan ginge allerdings über das Übliche hinaus.

Der US-Dollar dürfte in nächster Zeit eher sinken. Die US-Wirtschaft gleitet in eine schwierige Phase. Sie wird durch Inflation belastet, zu der die Ölpreise einen erheblichen Teil beitragen. Aufgrund der geringeren Steuer auf Ölprodukte spüren US-Verbraucher die Preissteigerungen viel deutlicher als Europäer. Darüber hinaus entfernt sich die internationale Ölwirtschaft vom Dollar als Zahlungsmittel. Der Euro übernimmt die verlorengegangenen Anteile. Während der hohe Ölpreis der deutschen Volkswirtschaft sogar Nettogewinne bringt, weil die Anlagenexporte in Ölförderländer extrem gut laufen, zieht er die US-Handelsbilanz immer weiter aus dem ohnehin nicht vorhandenen Lot.

Heute Morgen hat sich der Aufwärtsdrang der Gasölpreise beruhigt. Die Tonne kostet 632,75 $. Gestern waren es in der Spitze 11 $ mehr.

Unsere Heizölpreise steigen moderat. Sie stehen unter dem fragwürdigen Schutz des Dollars, der sich tendenziell gegen den Ölpreis entwickelt. Solange keine extremen Einflüsse wie schwere Hurrikane oder militärische Optionen im Atomstreit auftreten, sollte der Aufwärtstrend der heimischen Heizölpreise gering ausfallen. Ein nennenswerter Preisrückgang ist wenig wahrscheinlich. Er bedürfte einer positiven Wende im Atomstreit und ausbleibender Hurrikane.

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