Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Ivan schockiert die Märkte noch einmal

Fast eine Woche nachdem der Hurrikan Ivan die US-Region mit der höchsten Dichte an Ölanlagen passiert hat, versprüht er an den Märkten noch einmal sein Gift. Gestern wurden die Zahlen über die Entwicklung der US-Vorräte veröffentlicht. Sie zeigen, dass Ivan ein größeres Loch in die Ölversorgung geschlagen hat, als erwartet. Die Preise reagierten darauf mit heftigen Steigerungen. Neue Höchststände wurden markiert.

Das staatliche DOE (Department of Energy) und das unabhängige API (American Petroleum Institute) legten folgende Zahlen über die jüngste Entwicklung in den öffentlichen Öllagern vor:

Rohöl: -9,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -12,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,3 Mio. Barrel (API)

Insgesamt betragen die Bestandsrückgange 13,4 bzw. 18,6 Mio. Barrel. Die Importe sind deutlich gegenüber der Vorwoche gefallen. Die Raffinerieverfügbarkeit war schlecht. In den Zahlen spiegelt sich die Beeinträchtigung durch den Sturm wider. Ölanlagen mussten abgeschaltet werden. Schiffe konnten nicht anlegen. Ihre Ladungen konnten nicht gelöscht werden. Die Fachwelt rechnete daher mit deutlichen Rückgängen der Bestände. Sie prognostizierte ein Minus von 10-12 Mio. Barrel. Die Realität hat die negativen Erwartungen erneut übertroffen.

Die Entwicklung der Vorräte sieht mittlerweile schlecht aus. Zwar befindet sich ihre aktuelle Höhe noch im Rahmen der niedrigen Vorjahreswerte. Aber der seit Juni anhaltende starke Verlust an Rohölvorräten impliziert negative Prognosen. Sie tragen erheblich zum Aufwärtstrend der Preise bei.

Hinter den unbefriedigenden Vorräten liegt ein Bündel von bullischen Umständen, von denen der eine oder andere von Zeit zu Zeit Bedeutung erlangt. Yukos meldet Lieferstop nach China, Terrorgefahr für irakische Produktionsanlagen, OPEC an der Grenze ihrer Förderkapazitäten, Ausfallgefahr weiterer unsicherer Förderstaaten, Sorge über Heizölverknappung zum Winter, Wetterprobleme, Nachfragewachstum über allen Erwartungen.

Auf der Gegenseite gibt es so gut wie keine bärischen Tatbestände, die für plötzliche Entspannung gut wären. Weder die geopolitische Lage noch die Versorgungsinfrastruktur geben Anlass auf schnelle Besserung zu hoffen. Einzig die Möglichkeit, dass George W. Bush angesichts einer sich zuspitzenden Ölversorgung einen Teil der strategischen Ölreserven der USA freigibt, bleibt als Hoffung für einen Preisrückgang.

Vor vier Jahren veranlasste Bill Clinton einen solchen Schritt das erste Mal zu Friedenszeiten in der Geschichte der USA. Vorher wurden die Lager nur einmal angezapft nachdem der Irak in Kuwait einmarschierte. Im September 2000 war die Heizölversorgung noch angespannter als heute. Die öffentlichen Rohöllager waren damals allerdings besser gefüllt. Der US-Präsident darf die Verwendung der strategischen Reserven anordnen, wenn dies durch eine nationale Notlage des Landes notwendig wird. Clinton setzte sich damals heftiger Kritik aus, u.a. weil der Vorgang im Wahlkampf stattfand. Der Ölpreis brach danach spürbar ein.

Dass George W. Bush sich zu einem derartigen Vorgehen durchringen kann, ist zweifelhaft. Zum einen hat er sich bisher immer deutlich dagegen ausgesprochen. Ihm war es wichtiger die strategischen Lager zu füllen. Das verabreichte den Ölpreisen zusätzlichen Auftrieb, da dem Markt Menge entzogen wurde. Bush macht sich durch eine Freigabe der Reserven aber auch für seine Gegner angreifbar. Zeigte er doch damit, dass sich das Land in einer Notlage befindet, in die er es hineingeführt hat.

Charttechnisch setzen die Preise zu einem erneuten starken Anstieg an. Der wird zwar im Verlauf übertrieben ausfallen und mit Sicherheit früher oder später korrigiert werden. Die Korrektur wird aber mit großer Wahrscheinlichkeit den langfristigen Aufwärtstrend nicht brechen. Damit würden die korrigierten Preise vielleicht 10% unter den aktuellen Preisen liegen.

Heute Morgen verliert der Gasölpreis etwas von seiner gestrigen Spitze, die ein historisches Hoch war. Mit 422$ pro Tonne bleibt Gasöl aber sehr teuer.

Unsere Heizölpreise legen in der Steigerung noch einen Gang zu. Die Schockwelle der Zahlen über die US-Vorräte verleiht ihnen Flügel. Wie lange diese Schockwelle anhält, ist ungewiss. Dass es zu Preisexzessen im September kommen würde, war absehbar. Wer sich vor dem Winter mit Heizöl eindecken muss, wird die Pille, die ihm der Markt jetzt verabreicht, schlucken müssen. Wer noch ausreichend Heizöl im Tank hat, könnte auf den Januar oder Februar hoffen. Erfahrungsgemäß hat sich dann der erste Sturm und Drang des Wintergeschäfts gelegt. Eventuell hat der Weltmarkt dann bessere Preise zu bieten.

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