Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Japan, Libyen und der Euro

Das bisher wohl schwerste Beben in Japan erschüttert die Menschen. Die Finanz- und Rohstoffmärkte sind von der Tragödie kaum berührt. Dies löst doch etwas erstaunen aus und befremden. Die These, dass die Kurse an den Börsen immer im Zeitpunkt des Geschehens die realen Verhältnisse als Preis darstellen, ist wohl doch nur eine sehr streitbare These. Die Bank von Japan kauft Wertpapiere, Aktien und andere Titel auf den Märkten auf, damit sie nicht ins Bodenlose fallen. Sie gibt sich einen Finanzrahmen zur Bekämpfung der Krise in Höhe von ca. 350 Mrd. Euro. Darin enthalten sollen ca. 140 Mrd. an die „wahrscheinlich“ notleidenden Banken gehen. Die Börsentafeln als Potemkinsche Dörfer? Ist Japan im internationalen Geflecht isoliert? Ist das japanische Volk, anders als ihre Banken, möglicherweise nicht systemrelevant? Bereits jetzt wird wieder von der Zukunft gesprochen – vom Wiederaufbau, der die Konjunktur ankurbelt und das ohne Steuererhöhungen, natürlich auf Pump. Die Teilnehmer am Ölmarkt gehen davon aus, dass die Ölnachfrage kurzzeitig sinkt, dann aber durch den Wiederaufbau stärker steigen wird. Außerdem wird es in Japan wohl eine Abkehr von der Atomenergie geben, was natürlich auch Öl auf den Plan ruft. Hierzulande hält die Kanzlerin an ihrer Atompolitik fest, wie einst an zu Guttenberg. Die Beherrschbarkeit der Technik wird wie in Japan so lange behauptet, bis das Gegenteil eingetreten ist. Zur Stunde steigt der Ölpreis wieder.

Fast aus den Medien herausgefallen, kämpft sich Libyens Machthaber Gaddafi zurück in sein Land. Die Afrikanische Union hatte am Freitag ein militärisches Eingreifen abgelehnt. Ganz anders die Arabische Liga. Sie hatte überraschend Gaddafi seine Legitimation abgesprochen und sich für eine Flugverbotszone ausgesprochen. In weiteren arabischen Staaten wurden Demonstrationen entweder zerschlagen oder von vornherein polizeilich unterbunden. Saudi Arabien denkt über polizeiliche bzw. militärische Hilfe für Bahrain nach. Dort wird ebenfalls demonstriert. Der Kampf für mehr Demokratie ist offen, scheint aber an Kraft zu verlieren. Die UN und heute auch die G8 werden weiter über den Fall Libyen diskutieren.

Der Euro hat sich stabilisiert. Die Bundeskanzlerin wird stark wegen der auf dem EU-Gipfel am vergangenen Wochenende gefassten Beschlüsse kritisiert. Insbesondere der Beschluss, dass der europäische Krisenfonds die Möglichkeit erhält, Staatsanleihen zu kaufen, wird als ökonomisches wie juristisches Debakel empfunden. Die deutsche Seele suhlt sich im juristischen Problem, dass sich die europäischen Mitgliedsstaaten nicht gegenseitig aus ihren Schulden herauskaufen dürfen. Dies wird nun aber über den Umweg des Krisenfonds gemacht. Eine besondere Form der Transfer- oder Solidaritätsgemeinschaft würde hiermit geschaffen werden. Ökonomisch riskanter ist die Intransparenz, die hiermit geschaffen wird. Die Regierungen schaffen sich ein auf Schulden aufgebautes Lügenkabinett, das zur Schuldenbekämpfung eingesetzt werden soll. Das wird sich wegen des Zinses und des Zinseszinses nicht rechnen. Dennoch sind die internationalen Märkte zunächst beruhigt. Das ist für den deutschen Heizölverbraucher kurzfristig gut.

preistreibende (bullische) Einflüsse: Knappheitsgerüchte in Europa
Libyen fällt als Lieferant weitgehend aus
Sorge vor Ausweitung der Unruhen im Nahen Osten
Gute Konjunkturzahlen aus der alten Industriewelt
US-Bestände sinken
Chinas Ölkonsum wächst
China wird strategische Reserven in 2011 weiter aufstocken
EIA, IEA und OPEC heben Nachfrageprognose an

preisdrückende (bärische) Einflüsse: Erdbeben in Japan
Saudi Arabien, Kuwait u.a. erhöhen Produktion
IEA hat die Option der Reservemengen
Hohe US-Bestände
Schwache US-Nachfrage

Unsere Heizölpreise geben ein wenig nach. Die wirklichen Folgen der Katastrophe in Japan sind schwer einzuschätzen. Die Regierungen der Welt sind aber scheinbar gewillt so weiter zu machen, als sei nichts passiert. Wenn das nicht funktioniert, werden weitere Milliarden in die Finanzmärkte gepumpt. Der Nahe Osten bleibt in Bewegung. Insbesondere in Saudi Arabien liegt ein gewaltiges Risikopotenzial für den Ölpreis. Der Euro wird ebenfalls weiter um die Behauptung seiner Position kämpfen müssen. Unabhängig von den niederschmetternden Ereignissen können wir noch keine nennenswerte Richtungsänderung bei den Heizölpreisen erkennen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir das kostenlose www.esytrol.com.

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