Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Jede Menge Öl für den Winter

Die Preise sind gestern nach Bekanntgabe der aktuellen Daten über die US-Ölvorräte deutlich gefallen. Die Vorräte liegen in allen Bereichen über den Erwartungen. Damit wird die Meinung, dass der Winter ohne Versorgungsprobleme vorübergehen wird, gestärkt. Die Meinungen über den Effekt auf die Preisbildung sind dennoch zwiespältig. Der Dollar stieg gegenüber dem Euro. Eine klare Richtung ist aus der Kursbewegung der jüngeren Vergangenheit nicht zu entnehmen.

Die Zahlen, die DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) über die öffentlichen Öllager in den USA vorlegten, ließen keine andere Möglichkeit zu als eine bärische Preisreaktion. Sie lauten i.E.:

Rohöl: +2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 8,1 (DOE) bzw. 9,2 (API) Mio. Barrel. Die Importe liegen auf dem Niveau des Vorjahres. Die Raffinerieverfügbarkeit ist gegenüber der Vorwoche nicht verbessert. Sie beträgt immer noch dürftige 90 Prozent. Das ist der Wermutstropfen der Daten.

Rohöl und Heizöl liegen fast 10 Prozent über den Vorjahreswerten. Dass sich Heizöl nach der herbstlichen Schwäche so gut entwickelte, ist dem Wetter zu verdanken. Durch die milden Temperaturen der letzen Wochen wurde die Nachfrage erheblich gedrückt. Statt in den Verbrauch floss Heizöl in die Lager. Dürftiger sieht die Bevorratung nun wieder bei Benzin aus. Man kann heute schon absehen, dass das im Winterverlauf und im Frühjahr zum bullischen Thema an den Börsen gemacht wird. Die latent knappen Raffineriekapazitäten kommen dann auch wieder in die Diskussion.

Die wetterbedingte Entwicklung hat die Heizölvorräte so stark begünstigt, dass sie nun sogar im mehrjährigen Vergleich hervorragend dastehen. Selbst in einer sehr langfristigen Betrachtung über mehr als 20 Jahre sind sie überdurchschnittlich hoch. Daher liegt die Annahme, dass die Winterversorgung ohne Probleme verlaufen wird, auf der Hand.

Die gute Lage wird durch die Haltung der OPEC begünstigt, die trotz zuletzt erheblich unter Druck geratener Preise keine Drosselung der Angebotsmengen vorsieht. Ein entsprechendes Versprechen gab der OPEC-Präsident und kuwaitische Ölminister Ahamad al-Fahd anlässlich einer Konferenz. Die auf den ersten Blick bärisch erscheinende Intention der OPEC kann durchaus bullisch interpretiert werden. Offensichtlich erwarten die Kartellprognostiker eine deutliche Nachfragesteigerung im Verlauf des kommenden Jahres. Das würde den Preisen erneuten Auftrieb geben. Um die Bewegungen nicht über Gebühr ausufern zu lassen, empfiehlt es sich, hohe Vorratsmengen zu bunkern. Daran hat die OPEC gegenwärtig großes Interesse. Daher stellen sie Öl zur Verfügung, das kurzfristig auch billiger sein darf.

Die erwartete Nachfragesteigerung auf Grund einer äußerst positiven Weltkonjunktur wird von vielen Börsianern auch als Grund genannt, warum die Preise wahrscheinlich keine neuen Tiefststände erreichen werden. Sie günstige Entwicklung in den Vorratslagern wird z.Z. ohne Euphorie wahrgenommen. Dass die Preise auch langfristig keine Chance haben, deutlich zu sinken, meint u.a. der Chefvolkswirt der IEA (Internationale Energie Agentur) Faith Birol. Selbst wenn alle Gewinne aus den Öleinnahmen der Lieferstaaten in neue Anlagen gesteckt werden würden, glaubt Birol nicht, dass der Preis für WTI (West Texas Intermediate, Texasöl) bis 2010 unter 46 Dollar fällt. Da die Investitionshypothese äußerst unwahrscheinlich ist, wird der Preis vermutlich weiter steigen.

Heute Morgen steigt der Preis nicht. Gasöl am Spotmarkt setzt die Notierungen dort fort, wo sie gestern Abend endeten, nämlich bei 497,75 $ pro Tonne.

Unsere Heizölpreise sind gesunken, im Süden übrigens stärker als im Norden. Letzteres ist ein Effekt der steigenden Pegel auf den Wasserstraßen, die nun wieder mit höherer Tonnage befahrbar sind. Trotz der guten Bevorratung insbesondere in den US-Heizöllagern sehen wir die Chance auf deutlich nachgebende Preise reserviert. Im Markt machen bullische Töne wegen der weltweiten Nachfragesteigerung die Runde, die einen Durchmarsch in tiefere Preisregionen verhindern. Wir erwarten während des Winters ein Patt zwischen Bullen und Bären.

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