Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Jetzt geht’s los

Gibt es einen gerechten Krieg? Wer kein Fundamentalist ist, wird diese Frage gegenwärtig wahrscheinlich verneinen. Militärisch ist die Welt nicht zu verbessern. Die Verleihung eines Friedenspreises an einen kriegführenden Oberbefehlshaber, wie jüngst in Oslo geschehen, ist eigentlich purer Zynismus. Aber wer sagt denn, dass Kriege militärisch geführt werden müssen? Gestern wurde ein Krieg erklärt, für den eine selten breite Zustimmung der Menschheit zu erwarten ist. Bei diesem Krieg werden weder Soldaten kämpfen noch Panzer oder Flugzeuge ausschwärmen. Krankenhäuser und Totengräber sind nicht gefragt. Dieser Krieg richtet sich gegen Banken. Er richtet sich nicht gegen alle Banken sondern nur gegen die, denen der Eigenhandel wichtiger ist als die Dienstleistung am Kunden, und gegen die, die auf Grund ihrer Größe eine Gefahr für den Staat darstellen, weil sie diesen im Fehlerfall zur Komplizenschaft zwingen.

Die Kriegserklärung kam von Barack Obama. Sie löste ein Beben an den Börsen aus. Aktienindizes brachen ein. Und, wie sollte es anders sein, der Ölpreis stürzte ebenfalls ein. Diese Preisentwicklung hätte es ohne das präsidiale Donnerwetter nicht gegeben. Weder wurde sie von den US-Bestandsdaten noch von der charttechnischen Konstellation erzwungen. Beide Einflüsse sprachen eher für einen bullischen Stimulus. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden über die wöchentliche Vorratsänderung berichtenden Instanzen, legten gestern folgende Zahlen vor:

Rohöl: -0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,8 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -3,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,1 (DOE) bzw. ein Abbau von 4,5 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung ist auf 78 Prozent gefallen. Sie spiegelt die schwache Nachfrage in den USA wider. Natürlich ist dieser Umstand zutiefst bärisch. Er ist ein Dauerbrenner, über den sich die Finanzindustrie bisher hinwegzusetzen verstand.

Hinwegsetzten sich die institutionellen Preistreiber bisher auch über das hohe Angebot der OPEC- und Nicht-OPEC-Staaten. Die Schieflage von Angebot und Nachfrage ist grundsätzlich der beste Grund für eine ordentliche Preiskorrektur nach unten. Diese wurde mit reiner Finanzmacht bisher verhindert. Das einzige Argument, das derzeit eine bullische Note in die Preisbildung legen könnte, ist die hohe Nachfragesteigerung Chinas. In 2009 legten die Importe um 14 Prozent zu. Dass diese Steigerung ein Maß für den Verbrauch ist, darf allerdings bezweifelt werden. Ein Teil der Erhöhung ging in die strategischen Öllager.

Die reinen Ölmarktthemen waren seit Monaten nur noch Beiwerk bei der Preisbildung. Mit Aufnahme des Kampfes gegen die Banken wird sich das nicht ändern. Die Preise werden zunächst weiter vom Wohl und Wehe der Finanzindustrie bestimmt. Immerhin gibt es nun aber die Chance, dass sich die Grundstimmung von bullisch auf bärisch dreht. Dass Obama den Krieg gegen die Banken gewinnt, ist alles andere als sicher. Die Lage ist nicht besser als beim Guerillakampf im Irak oder in Afghanistan. Auf allen Gesellschaftsebenen verstecken sich Widerständler, die die politische Klasse in Hinterzimmern bearbeiten. Auf offener Bühne werden negative Kursentwicklungen inszeniert, die normalen US-Bürgern Angst eintreiben werden. Ihr Ärger über die Banken wird bald der erneuten Sorge vor dem Verlust der Altersversorgung weichen. Von Banken, die keine aberwitzigen Gewinne einfahren, gibt es keine Rückzahlungen an die Staatskasse. Diese Einnahmen sind dringend nötig, um das Staatsdefizit wenigsten etwas zu drücken. Der Feldherr lässt sich auf einen ehrenhaften Krieg ein, den er in den bestehenden Gesellschaftsverhältnissen kaum gewinnen kann. Gewinnt er oder besser gewinnen wir diesen Krieg, haben wir eine andere Welt.

Am Ölmarkt trommelt die Gegenmacht heute Morgen bereits zum Widerstand. Die Preise steigen wieder. Das sollte sich im Tagesverlauf ändern. Die Tonne Gasöl nähert sich der 600-Dollar-Marke, dieses Mal von unten. Das Barrel Rohöl kostet in New York 76,31 Dollar. Der US-Dollar wird zu 70,68 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise geben erneut nach. Die Vorgabe von den Börsen tut ihnen gut. Die Chance, dass diese freundlichen Vorgaben eine Fortsetzung erfahren, ist momentan plausibel. Mehr denn je werden Preise in diesen Tagen von der Finanzszene und nun auch von der Politik bestimmt. Es wäre sicher hilfreich, wenn Europas Führer Barack Obama beim Krieg gegen die Banken umgehend zur Seite springen würden. Damit könnte die als Nichtkanzlerin einer Nichtregierung wahrgenommene Frau Merkel endlich mal wieder punkten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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