Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Joker für Spekulanten

Die wöchentlich veröffentlichten US-Bestandsdaten sind häufig nicht die Worte wert, die um sie gemacht werden. Deshalb sprechen wir gerne von einem Nichtereignis. Die Daten dieser Woche sind ein Ereignis. Zur allgemeinen Überraschung sanken die Ölbestände außergewöhnlich deutlich. Dieser Umstand wird als Indiz für eine erhöhte Nachfrage und eine erstarkende Konjunktur verstanden. Die Ölnotierungen reißt es folglich in die Höhe. Besonders heftig trifft es US-Rohöl mit einem Plus von sechs Prozent. Ob die Interpretation eine über den Tag hinausgehende Halbwertzeit hat, wird sich heute zeigen. Wenn das der Fall sein sollte, muss die Chance auf einen nennenswerten Preisrückgang im Zuge einer Gegenreaktion begraben werden. Hierfür spricht die Tatsache, dass die Notierungen heute Morgen an den gestern erreichten Höhen anschließen. Dass die Konjunkturzweifel nun aber wieder ad acta gelegt sind, ist höchst unwahrscheinlich. Der Ölmarkt trägt zum Zweifel durch eben die Bestände bei, die gerade für Euphorie sorgen. Denn genauso außergewöhnlich, wie der einmalige Rückgang der Vorräte war, ist ihre weiterhin vorhandene Höhe. Das spricht nicht dafür, dass die Preise nun auf und davon fliegen werden, auch wenn institutionelle Spekulanten auf das Heftigste darum bemüht sind.

Im Einzelnen wurde von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) Folgendes zu den Bestandsbewegungen in den US-Lagern bekannt gegeben:

Rohöl: -8,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -6,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 11,2 (DOE) bzw. 5,4 (API) Mio. Barrel. Die Importe gehen immer weiter zurück. Sie sind erneut tiefer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die US-Raffinerieverfügbarkeit beträgt unverändert 84 Prozent. Das ist schlecht aber allemal genug, um die dürftige Nachfrage zu befriedigen.

Die an höheren Kursen interessierten Spekulanten müssen gegen zwei weitere Umstände antreten. Zum einen sind die weltweiten Ölreserven im letzten Jahr laut ExxonMobil erneut und zum neunten Mal in Folge gestiegen. Ihr Plus beträgt 0,8 Prozent. Zum anderen wird es lange dauern, bis die Nachfrage abermals einen angebotskritischen Wert erreichen wird. Bei der Angabe zu den Ölreserven kann man immerhin Zweifel an ihrer Korrektheit anmelden. In einigen Staaten kommt es immer wieder zu bemerkenswerten Steigerungen, die nicht auf geologischen Erkundungsprogrammen basieren. BP nennt zudem einen anderen Wert zu den Reserven als ExxonMobil. Dieser ist 0,2 Prozent tiefer als im Vorjahr. Bezüglich der Nachfrage schafft ein Blick in die Geschichte Ernüchterung. Die aktuelle Wirtschaftskrise ist aus Sicht der Ölwelt mit der Krise der beginnenden 1980er Jahre vergleichbar. Damals dauerte es neun Jahre, bis die Nachfrage den Vorkrisenwert erneut erreichte. In seriösen Prognosen werden derzeit mindestens fünf Jahre bis zur Wiederherstellung der Vorkrisennachfrage genannt. Dass die Nachfrage vor bald 30 Jahren so schleppend stieg, lag nicht allein an der schlechten Konjunktur. Verbrauchsreduzierende Maßnahmen spielten ebenfalls eine Rolle. Diese werden nun wahrscheinlich noch stärkeren Einfluss auf die Nachfrageentwicklung haben als früher. Das spricht dafür, dass die Zeit bis zum Wiedererreichen der bisher höchsten Nachfrage länger als fünf Jahre dauern kann. Eventuell wird die Nachfrage nie wieder erreicht. Man spricht in diesem Zusammenhang bereits von dem überschrittenen Peak Demand.

Heute Morgen scheint ein kurzfristiger Peak Price noch nicht überschritten zu sein. Weitere Steigerung deutet sich an. Die Tonne Gasöl kostet 602 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 72,67 und in London 74,64 Dollar. Der US-Dollar wird zu 70,23 Eurocent gehandelt. Die US-Währung scheint der Hitze zum Opfer gefallen zu sein. Ihre Bewegung ist seit Tagen außergewöhnlich gering. Sie kriecht seitwärts.

Unsere Heizölpreise zieht es aufwärts. Der Weltmarkt lässt ihnen keine andere Wahl. Man muss sich wohl damit abfinden, dass die erhoffte Gegenbewegung zum Preisanstieg keine Fortsetzung findet. Das erreichte Minus ist bereits annulliert. Mit einem dramatischen Anstieg rechnen wir aber auch nicht. Die fundamentalen Umstände geben diesen nicht her. Wir müssen allerdings feststellen, dass wir die Kraft und die Unvernunft der mit großem Geld ausgestatteten institutionellen Spekulanten mehrfach unterschätzt haben. Diese wollen Öl auf Biegen und Brechen teurer sehen. Aus diesem Grund erinnern wir an zwei Umstände. Erstens: Der Heizölpreis steht aktuell rund 10 Cent über dem letzten Preistief aber 30 Cent unter dem Preishoch. Zweites: Je höher der Preis steigt, um so wertvoller ist das Logbuch für den Heizölverbrauch. Es deckt Sparpotenzial auf.

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