Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Königliches zum Öl

Auch einen Börsentag nach dem Ölgipfel in Dschidda lassen sich die Preise nicht von ihrem Seitwärtskurs abbringen. Es gab zwar die Hoffnung nicht aber die Erwartung, dass die Preise als Reaktion auf ein paar freundliche Ankündigungen einiger Golfstaaten, etwas mehr Öl bereitzustellen, abwärts tendieren. Michael Glos sieht das viele Kerosin, das das Stelldichein kostete, dennoch für einen guten Zweck verfeuert. Er hat schließlich gelernt, dass das mit dem Ölhahn nicht so wie mit dem Wasserhahn ist. Kurzes Aufdrehen und wieder Zudrehen führt nicht sofort zu einer Wirkung. Außerdem hat er aus königlichem Mund gehört, dass die europäische Steuerpolitik eine Mitschuld an den hohen Verbraucherpreisen für Öl trägt. Als Wirtschaftsminister wird er diese Klarstellung bereitwillig entgegengenommen und mit Nachdruck dem Kabinett zugetragen haben. Hoffentlich hat er nicht vergessen, dass der selbe König vor kaum einem halben Jahr eben diese europäische Steuerpolitik als wegweisend für die Senkung des Energieverbrauchs lobte. Die USA, so sagte er damals, sollten sich ein Beispiel daran nehmen.

Ob Herr Glos das mit dem Auf- und Zudrehen richtig interpretiert, ist nicht bekannt. Bekannt ist hingegen, dass saudisches Öl nicht das ist, was der Markt will. Insofern ist nicht zu erwarten, dass das Drehen am saudischen Ölhahn eine preissenkende Wirkung hat, zumindest nicht bei den Verbrauchern. In Saudi Arabien senkt es durchaus die Preise. Dort nimmt man wegen eines Überangebots weniger ein. Der Verbraucher hat nichts davon, weil das Überangebot von den bestehenden Raffinerien nicht verarbeitet werden kann. Die gut verarbeitbaren Öle aus Texas, aus der Nordsee und aus Nigeria werden hingegen knapper, einerseits naturbedingt andererseits aus politischen Gründen. Für diese Öle muss man immer mehr bezahlen. WTI (Texas Öl) und Brent (Nordsee Öl) sind die Leitsorten am Ölmarkt. Auf diese Sorten gibt es die wichtigsten Kontrakte. Alle andere Öle werden mit einem Abschlag zu diesen Ölen gehandelt. Während des dramatischen Anstiegs der Ölpreise haben sich die Abschläge auf Öl aus einigen Golfregionen fast verdoppelt. Das zeigt, dass es noch genug Öl gibt, um den aktuellen Bedarf zu befriedigen. Aber er wird nur noch schwer befriedigt, weil es keine ausreichende Infrastruktur für das angebotene Öl gibt.

Die Infrastruktur zu schaffen, kostet viel Geld. Viel Geld kostet auch die Erschließung neuer Quellen, von denen es ebenfalls genug gibt, um den Bedarf noch lange zu decken. Dennoch könnte es in nicht all zu ferner Zukunft bereits Engpässe geben. Zu lange wurde es versäumt, in neue Öleinrichtungen zu investieren. Betriebwirtschaftlich ist der drohende Engpass sinnvoller als das mögliche Überangebot. Der Engpass schafft exorbitante Gewinne aus einer Kombination fallender Kosten und steigender Preise. Diese Erkenntnis teilen die Protagonisten des freien Marktes und die Vertreter von Staatswirtschaften uneingeschränkt. Spät haben beide Parteien erkannt, dass sie den Bogen nicht überspannen dürfen. Andernfalls droht der Weltwirtschaft ein Kollaps. Sie investieren also wieder. Und sie investieren gewaltig. Gewaltig steigen auch die Kosten für die Erschließung neuer Quellen. Sie haben sich binnen drei Jahren verdoppelt. Der Wettlauf zwischen steigender Nachfrage aus den Schwellenländern und steigendem Ölangebot ist in vollem Gang. Um das Angebot sieht es derzeit nicht besonders gut aus, weil die alten Quellen schneller als erwartet ihren Dienst aufgeben. Allein aus diesem Grund tut die alte Industriewelt gut daran, das Heil in der Senkung des Verbrauchs zu suchen.

Auf den Wettlauf wird an der Börse gewettet. Da die meisten Wettenden die Schwellenländer vorne sehen, werden die Preise über das aus den Kosten begründbare Maß hinaus aufgetrieben. Verbraucher und Politiker sind über diese Wetten nicht amüsiert. Es wird sogar von Manipulation gesprochen. Diese, wenn es sie denn gibt, soll durch striktere Regeln im Handel von WTI-Kontrakten ausgeschlossen werden. Die Aufsichtsbehörden in New York und London haben sich in der vergangenen Woche zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen Manipulation geeinigt. Die Wettenden zeigen sich durchaus beeindruckt. Sie haben ihre Engagements reduziert. Die Preise hat das nicht beeindruckt.

Ebenso wenig reagierten die Kurse auf die Ankündigung Chinas, die Verbraucherpreise zu erhöhen, in dem die Subventionen auf Ölprodukte reduziert werden. Diese Maßnahme soll die Verbrauchsteigerung dämpfen. Ob es klappt, zeigt die Zukunft. Auf alle Fälle wird die ohnehin hohe Inflation zusätzlich erhitzt. Während asiatische Schwellenländer die Subventionen abbauen, viele von ihnen nicht zuletzt weil ihre Haushalte darunter schwer leiden, fürchten südamerikanische Staaten die Inflation mehr als die Schieflage ihrer Haushalte. Dort bekommen Verbraucher weiterhin immense Zuschüsse auf Ölprodukte. Einem ressourcenschonenden Umgang ist das auf alle Fälle abträglich.

Heute Morgen gibt es kein Anzeichen für ein Ende des Seitwärtstrends. Die Tonne Gasöl kostet 1.233,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 137,90 Dollar. Und der Dollar selbst bewegt sich ebenfalls seitwärts. In Aussicht gestellte Zinsanhebungen in Europa und in den USA sowie ein schlechter als erwartet ausgefallener ifo-Geschäftsklimaindex sorgen für ein Patt der Währungen.

Unsere Heizölpreise ziehen moderat an. Insgesamt laufen sie seitwärts. Hoffen auf einen größeren Preisrückgang ist menschlich aber wahrscheinlich vergebens. Meldungen über leer gelaufene Tanks häufen sich. Für Verbraucher kann das ein teures und vor allen Dingen vermeidbares Übel sein. Teuer ist es, weil eine Extrafahrt zur Belieferung ansteht. Die kostet mehr als eine normale Belieferung. Außerdem droht ein Heizungsstillstand, weil Schmutz vom Boden des Tanks angesaugt wurde. Dieser zwingt den Monteur auf den Plan. Umsonst ist der nicht. Vermeidbar ist das ganze mit einer ordentlichen Tankanzeige. Die gibt es beispielsweise hier.

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