Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Können die Preise fallen?

Nach einer Woche unerwarteter Preissteigerung beruhigte sich der Aufwärtstrend am Freitag. Die Annahme, dass nun die Rückkehr zu sinkenden Preisen eingeleitet wird, wäre aber aus der Luft gegriffen. Die Stimmung an der Märkten ist zerrissen. Fundamental ist sie bärisch, charttechnisch ist sie bullisch. Der Dollar wird ebenfalls gegen die Erwartung gehandelt. Er befindet sich seit Silvester auf einem Höhenflug.

Es stellt sich die Frage, ob die Preise überhaupt noch fallen können? Die Antwort kann nur lauten, selbstverständlich können sie. An den Märkten ist alles möglich. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie es tun, ist allerdings geringer geworden. Die OPEC zieht die Händler mit ihrer Drohung, die Lieferungen zu drosseln, sobald die Marke von 40$ für das Barrel US-Rohöl (WTI) unterschritten wird, in den Bann. Die neuerliche Tendenz sinkender Rohölvorräte in den USA zeigt eine gleichartige Wirkung.

Auf den anderen Seite setzen die hohen Temperaturen in den US-Heizölregionen die Preise unter Druck. Knappes Heizöl hatte vor Wochen in erster Linie für das hohe Preisniveau gesorgt. Die öffentlichen Lager sind zwar immer noch unterdurchschnittlich gefüllt. Der Winter, der seinem Namen bisher überhaupt nicht gerecht wird, hält die Nachfrage aber so gering, dass aus der Bevorratung kein Problem zu erwachsen scheint.

Die wiederkehrende Macht der OPEC wird nicht unbedingt von langer Dauer sein. Freie Mineralölgesellschaften bauen ihre Förderung in der Nordsee, im Golf von Mexiko, im Pazifik-Raum, vor Angola und in Russland kräftig aus. Sie werden in den kommenden drei bis fünf Jahren in der Lage sein, ihre Lieferungen deutlich zu erhöhen. Das wird die Drosselneigung OPEC stören, denn einen Rückgang von Marktanteilen wird sie nicht gern akzeptieren. Der wachsenden Produktion steht allerdings eine steigende Nachfrage gegenüber.

Charttechnisch ist der Hang zu Preissteigerungen erheblich deutlicher ausgeprägt als fundamental. Im besten Fall würde man derzeit aus der Konstellation eine Seitwärtsbewegung prognostizieren. Die Verteilung der Ölkontrakte lässt ebenfalls einen vorsichtigen Verdacht auf Preissteigerungen aufkommen. Sowohl große Spekulanten als auch Ölgesellschaften haben einen leichten Überhang bei den Kontrakten auf steigende Preise. Lediglich kleine Spekulanten favorisieren fallende Preise.

Die Stimmung kann schnell kippen. In der ersten Woche des neuen Jahres hat es zwar klare Preisbewegungen gegeben. Aber teilweise geschlossene Börsen und Broker, die noch im Urlaub waren, lassen den Verdacht zu, dass die Bewegungen nicht unbedingt repräsentativ für die sich in den nächsten Wochen ausbildende Stimmung war. Ein Satz überzeugender Daten über die US-Bevorratung kann die Lage komplett drehen.

Die jüngste Entwicklung der US-Währung überraschte die Experten. Der Dollar legte innerhalb von sechs Handelstagen um 4,3% zu. Höhere Zinsen in den USA und in Ansätzen freundliche Meldungen über die US-Konjunktur halfen ihm auf die Beine. Das sei eine vorübergehende Erscheinung, meinen Währungsexperten. Die US-Regierung wird mit ihrer Linie nicht dauerhaft für einen höheren Dollarkurs sorgen können. Das doppelte Haushaltsdefizit, das Bush nicht beseitigen kann, wird längerfristig die Dollarschwäche bringen.

Der Gasölpreis geht heute Morgen kaum verändert in die neue Woche. 382$ pro Tonne bedeutet eine leichte Steigerung gegenüber Freitag.

Unsere Heizölpreise ziehen wieder an. Sie liefen in den letzten Tagen freundlicher als der Weltmarkt. Das lag am Abbau eines Preisüberhangs, der aus der Vorweihnachtszeit stammt. Nun sind sie weitgehend auf internationaler Linie. Sie werden also wieder mit dem Weltmarkt schwingen. Da es dort um die Wahrscheinlichkeit für fallende Preise nicht gut steht, sehen wir für unsere Preise keine besseren Aussichten. Unsere vorsichtige Prognose lautet ?seitwärts?.

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