Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Kampf um Eigeninteressen

Die Empfehlung des großen Ölpreiszampanos Goldman & Sachs, es mit der Spekulation auf höhere Preise nun bewenden zu lassen und die Positionen glattzustellen, gehen nicht alle Marktteilnehmer mit. Die Konkurrenz versucht, das Heer von Finanzjongleuren vom Gegenteil zu überzeugen. Namentlich zu Wort meldete sich die Bank of America / Merrill Lynch mit einer bullischen Ansage, nach der die Rohölnotierungen für Brent in diesem Jahr auf 160 Dollar pro Barrel steigen sollten. Innerhalb der nächsten drei Monate könne der Preis bereits die Marke von 140 Dollar übertreffen.

Natürlich kann er das. Wenn es in den von sozialen Spannungen betroffenen Förderländern ausreichend kracht und knallt, wird Öl definitiv teurer werden. Aber auch ohne offen ausgetragene Konflikte kann der Preis weiter steigen. Dazu muss nur genug Geld in Ölpapiere gesteckt werden. Solange überschüssiges Vermögen dort hinein strömt, wird Öl teurer. Wenn das Geld abgezogen wird, fallen die Ölpreise. Da es keine aussichtsreichen Ideen gibt, wo das Geld alternativ platziert werden kann, sind die Aussichten auf fallende Ölpreise allerdings gering. Um diese dennoch durchzusetzen, muss Goldman & Sachs kräftig auf die bärische Trommel hauen. Es ist zu befürchten, dass sie damit bald aufhören werden, wenn sie feststellen, dass ihr Tun erfolglos bleibt. Dann werden sie eher die Position wechseln.

Die Mehrheit der Menschen bekommt die Folgen ungerecht verteilten Vermögens und Kapital gedeckter Altersversorgung nun hautnah in Form steigender Ölpreise zu spüren. Es sieht nach einem teuflischen Zwang des Systems aus. Dabei erschließt es sich dem Betrachter nicht, warum der unbegrenzte Kapitalfluss in lebensnotwendige Rohstoffe mit begrenzter Verfügbarkeit nicht kurzerhand gestoppt wird, um stattdessen das überschüssig vorhandene Geld in den kostspieligen Ausbau alternativer Energieversorgung und die Entwicklung nachhaltiger Produkte zu stecken. In einer Welt, in der es mehr Finanzkapital gibt, als in Waren und Dienstleistungen aufzuwiegen wäre, ist das Fehlen von Geld zur Realisierung notwendiger Veränderung ein unzulässiges Argument. In anderen Worten, wären wir bettelarm, könnten wir unsere Lebensweise nicht ändern. Da unsere Industriegesellschaft reich ist, was man am Lebensstil unschwer erkennen kann, haben wir alle Möglichkeiten der Veränderung. Man muss sie gesellschaftlich und politisch nur durchsetzen. Dazu muss man das reichlich vorhandene Geld in wunschgemäße Kanäle leiten.

Der Ölpreis wird momentan nicht nur vom Kampf in der arabischen Welt, sondern auch vom Kampf der großen Investmenthäuser um die Vorherrschaft am Spieltisch des ganz großen Geldes durchgeschüttelt. Es ist kein Kampf um Wahrheit oder gesellschaftlichen Wohlstand. Es ein Kampf um Eigeninteressen. Oft zitiert und doch ohne nennenswerten Einfluss ist hingegen die Realwirtschaft und die Nachfrage. Letzte ist solange ein Feigenblatt der Argumentation, wie die Versorgung auskömmlich ist. Und das ist sie derzeit. Ausdruck findet diese Tatsache unter anderem in den US-Beständen. Trotz eines deutlichen Abbaus in der letzten Woche befinden sich die Vorräte auf überdurchschnittlich hohem Niveau. Das geht aus dieser Grafik hervor. Darin sind die jüngsten Zahlen vom DOE (Department of Energy) enthalten. Die API-Werte (American Petroleum Institute) unterscheiden sich nicht wesentlich davon. Die Daten lauten wie folgt:

Rohöl: +1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: -7,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 8,1 (DOE) bzw. 7,1 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf schwache 81 Prozent gesunken.

Dass der ausgewiesene Abbau in den Lagern für einen kurzfristigen bullischen Impuls sorgt, ist nicht maßgeblich für die weitere Entwicklung. Diese scheint auch heute Morgen vom Kampf Bullen gegen Bären bestimmt zu sein. Nach kurzem Aufschwung drehen die Preise wieder abwärts. Auf eine Prognose, wer den Kampf gewinnen wird, lassen wir uns noch nicht ein. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 1.023 Dollar. Rohöl wird in New York zu 107,00 Dollar und in London zu 122,58 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 69 Eurocent.

Unsere Heizölpreise konnten gestern nicht weiter sinken. Die Ölbörsen ließen das nicht zu und der Dollar lief in die falsche Richtung. Die Chancen stehen allerdings gut, dass der Dollar weiter nachgeben wird. An den Ölbörsen wird um die kurzfristige Richtung gerungen. Der Ausgang ist offen. Da die Notierungen langfristig mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit steigen werden, sollten kurzfristige Preiseinbrüche für Heizölkäufe genutzt werden. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab..

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