Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Kann der Preisrückgang Verbrauchererwartungen befriedigen?

Am Weltmarkt zeigten die Preise vier Handelstage in Folge einen fulminanten Rückgang. Seit Donnerstag hängen sie im derzeit noch ausgeglichenen Kraftfeld mit den Polen ?Fortsetzung der Abwärtsbewegung? und ?Rückkehr des Aufwärtstrends? fest. Wohin die Bewegung ausschlagen wird, ist vollkommen offen.

Fundamental hat sich im Verlauf der letzten Woche keine neue Situation herausgebildet. Im Fokus stand der Irak. Die Kämpfe um Nadschaf, ihre Beilegung, die Wiederinbetriebnahme aller Pipelines, ein erneuter Teilausfall nach einigen Bomben, all das zeichnet ein chaotisches Bild der Lage. Aber niemand hatte ernsthaft etwas anderes erwartet. Daher bleibt der Einfluss auf die Preise eher gering.

Ähnlich chaotisch geht es in der Sache Yukos zu. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Konzern zerschlagen wird ist weiterhin groß. Allerdings ist ein wenig Ruhe eingekehrt. Nach einigen Gesprächen auf internationaler Ebene scheint Putin eine Lösung zu suchen, bei der ein temporärer Lieferausfall vermieden werden kann. Den können die Märkte und der Wahlkämpfer George W. Bush z.Z. nicht brauchen.

Insgesamt bleibt die Versorgungslage angespannt. Die US-Vorräte haben sich unbefriedigend entwickelt. Daher war der deutliche Preisrückgang am Mittwoch durchaus erstaunlich. Er kann in zwei Richtungen interpretiert werden, als Zeichen einer gewissen Stärke der Abwärtsbewegung oder als Übertreibung der Abwärtsbewegung. Im ersten Fall wird sie in dieser Woche weitergehen, im zweiten Fall wird sich das Blatt in dieser Woche wieder wenden.

Die Fachwelt hält sich angesichts der instabilen Ruhe in der Preisbewegung mit Prognosen auffallend zurück. Genauso zurückhaltend sind die Verbraucher mit ihren Heizölbestellungen. Sie wollen mehr Rückgang. Das Preisniveau zur Belebung des Kaufinteresses liegt bei 0,35 EUR pro Liter bei 3000 Liter Liefermenge. Um diesen Wert zu erreichen müssen die Inlandspreise noch weitere 15% fallen. Bisher haben sie 5% geschafft. D.h., die Preise müssen jetzt noch einen dreimal so starken Rückgang zeigen wie in der vergangenen Woche.

Am Weltmarkt betrug der Rückgang bisher zwischen 10% und 14%. Da der US-Dollar die Tendenz hat, bei fallendem Ölpreis zu steigen, kommt nur ein Teil der Abwärtsbewegung im deutschen Markt an. Um das gewünschte Ergebnis auf unserem Markt zu erzielen, sollte der Rückgang am Weltmarkt mindestens noch einmal so stark verlaufen wie in den vergangenen Tagen. Es müsste US-Rohöl auf Kurse um 36$ und Nordseeöl Brent um 33$ führen. Die Werte sind durchaus vorstellbar. Allerdings würde ihr Erreichen bedeuten, dass die gesamte Unsicherheitsprämie im Ölpreis eliminiert werden müsste. Jeder Verbraucher kann sich selbst die Frage beantworten, für wie sicher er die geopolitische Weltlage derzeit einschätzt und damit die Wahrscheinlichkeit für das Ende der Unsicherheitsprämie im Preis.

Sollten allen Widrigkeiten zum Trotz die Preisvorstellungen der Verbraucher in Kürze befriedigt werden, kommt das Problem der Lieferengpässe im Inland auf sie zu. Da die Verbrauchertanks immer noch unterdurchschnittlich leer sind, wäre mit einem überdurchschnittlich hohen Ordereingang zu rechnen. Der könnte kurzfristig nicht befriedigt werden. Man müsste auf alle Fälle ausreichend zeitliche Flexibilität bis zur Lieferung zur Verfügung haben. Mit einem leeren Tank handelt es sich schlecht.

Heute Morgen ist noch kein richtunggebendes Zeichen zu erkennen. Gasöl wird nahezu unverändert mit 360,50$ pro Tonne gehandelt.

Unsere Heizölpreise haben einen freundlichen Wochenverlauf hinter sich. Dennoch befinden sie sich auf einem hohen Niveau. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie die jüngste Bewegung fortsetzen und einen Absturz wie im März 2003 hinlegen, schätzen wir mit weniger als 50% ein. Nach unserer Ansicht fehlt dafür ein Jubelmoment wie beispielsweise der schnelle Fortschritt im Irakkrieg. Spektakuläre Momente des Fortschritts und der Hoffnung lassen sich kaum erahnen. Daher wird ein spektakulärer Preisrückgang wahrscheinlich ausbleiben.

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