Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Kapitalmarktkrise hält Ölpreis flach

Den Ölpreisen fehlt weiterhin eine klare Richtung. Sie stehen nach wie vor im Bann der weltweiten Kapitalmarktkrise. Während die Rohölpreise leicht nachgeben, halten die Produktenpreise ihr Niveau. Der zweite nennenswerte Einflussfaktor ist die Sturmtätigkeit im Golf von Mexiko. Preislich hinterlässt der erste Hurrikan der Saison kaum Spuren. Er wird die empfindlichen Ölanlagen der USA nicht treffen. Der Dollar hat seinen starken Anstieg der letzten Tage beendet. Nach dem Zinssignal zur Beruhigung der Kapitalmärkte verlor er an Wert. Die Dollarbewegung ist derzeit eher eine Folge der Turbulenzen des Geldsystems als Ausdruck der amerikanischen Wirtschaftskraft.

Die Finanzkrise gilt keinesfalls als überwunden. Sorgen vor platzenden Krediten belasten weiterhin die Aktienmärkte. Diese Last trifft in erster Linie die US-Wirtschaft. Die hängt stärker als in Deutschland von der Kaufbereitschaft ihrer Verbraucher ab. Um eben diese Kaufbereitschaft ist es seit dem Verfall von Immobilien- und Aktienwerten schlecht bestellt. Während vorher das subjektive Gefühl, reich zu sein, für Konsum sorgte, bremst nun die objektive Tatsache, über weniger Geld zu verfügen als geglaubt, die Konjunktur. Das bleibt nicht ohne Wirkung auf die Ölnachfrage und den Ölpreis.

Mit der Senkung des Diskontsatzes setzte die FED am Freitag ein symbolisches Zeichen, das den Finanzmärkten Ruhe geben sollte. Das Geldsystem wurde bis auf weiteres stabilisiert. Die Aktienmärkte stoppten den Wertverfall. Die Stimmung der US-Verbraucher dürfte sich dennoch nicht schlagartig wandeln. Daher bleibt der Ölpreis unter Druck.

Andererseits gibt es mittlerweile andere bedeutende Abnehmer für Öl, deren Wirtschaft boomt. Zwar ist auch diese nicht frei von amerikanischem Einfluss und könnte bei einem Fortgang der Turbulenzen in Mitleidenschaft gezogen werden. Aber noch sind es die nicht revidierten exorbitanten Wachstumszahlen Chinas, die die IEA (Internationale Energieagentur) dazu veranlassen, ein kritisches Bild der zukünftigen Energieversorgung zu zeichnen. Dieses Bild spricht für einen lang anhaltenden Aufwärtstrend der Ölpreise. Er unterliegt lediglich einer kurzen Störung. Dass die Ölpreise mit der Benennung zukünftiger Probleme Auftrieb erhalten, ist ein unerwünschter Nebeneffekt, den die IEA billigend in Kauf nimmt. Sie versteht es als ihre Aufgabe, Entscheidungsträger der Industrienationen zum Handeln zu veranlassen. Die Art der Kommunikation wird seit einiger Zeit drastischer. Besorgniserregende Szenarien werden deutlicher hervorgehoben. An die OPEC ergehen vehemente Appelle, mehr Öl zu liefern. Da die Lager derzeit gut gefüllt sind, sieht das Kartell hierfür aber keine Veranlassung.

Dass die großen Spekulanten auf Grund der Liquiditätskrise ihre Engagements im Ölmarkt abstoßen, war in der letzten Woche nicht zu beobachten. Das Interesse an diesem Markt scheint sehr robust zu sein. Lediglich der immense Überhang an bullischen Kontrakten wurde reduziert. Er ist aber weiterhin sehr hoch.

Der Druck der Kapitalmarktkrise ist so groß, dass selbst der Hurrikan Dean, der in der Karibik erhebliche Schäden hinterließ und nun auf Mexiko zusteuert, kaum bullischen Einfluss auf den Ölpreis gelten machten kann. Zwar sind die US-Anlagen im Süden des Landes nach aktuellem Kenntnisstand nicht bedroht. Mexiko hat aber Ölplattformen räumen lassen und eine Raffinerie geschlossen. Der Hurrikan hat an Stärkte gewonnen und nun die seltene Charakterisierung Monstersturm erhalten. Man muss davon ausgehen, dass er in Mexiko und in Texas großen Schaden anrichten wird.

Auch heute Morgen ist kein Preiseinfluss des Hurrikans zu erkennen. Die Tonne Gasöl kostet 616,25 $. Das ist weniger als gestern Früh. Charttechnisch befindet sich der Gasölpreis in einer stabilen Seitwärtsbewegung.

Unsere Heizölpreise geben geringfügig nach. Ursächlich ist der gesunkene Dollarkurs. Insgesamt scheint sich das Preisniveau zu halten. Wir schreiben diesen Umstand der Verunsicherung an den Kapitalmärkten zu. 3000 Liter Heizöl kosten weiterhin rund sechs Prozent weniger als vor einem Jahr. Ob sich diese Differenz in den kommenden Wochen halten kann, wird von der Entwicklung der Hurrikansaison in den USA abhängen.

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