Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Kaufen oder warten

Die Weltmarktpreise verhielten sich in der letzten Woche volatil. Letztlich gaben sie deutlich nach. Der Preisrückgang fiel klarer aus als die Börsenstimmung das vermuten ließ. Für den preisdrückenden Grundton steht die gute Versorgungslage und die Abkühlung der US-Konjunktur. Für temporäre Preisanstiege sorgten Pipeline-Probleme in Alaska und die Furcht vor einem Hurrikan im Golf von Mexiko. Beide Aspekte haben momentan ihr preisrelevantes Potential verloren. Der Dollar schwingt weiterhin in einer engen Spanne seitwärts.

Der Heizölpreis in Deutschland konnte kaum vom Preisrückgang am Weltmarkt profitieren. Die Grundversorgung ist hier kurzfristig knapp. Die Raffineriegesellschaften haben sich in ihrer Produktionsplanung verkalkuliert. Sie stellen für August zu geringe Mengen bereit. Daher stieg der Preis in den letzten Tagen an, während der Weltmarktpreis sank. In der ersten Septemberhälfte sollte sich der Heizölpreis wieder weltmarktkonform entwickeln. Bis zum Jahresende muss allerdings mit weiteren Schwierigkeiten gerechnet werden, da auf Grund der Mehrwertsteuererhöhung am 01.01.07 eine besondere Marktlage herrscht. Wahrscheinlich kommt es zu einem überproportional hohen Auftragseingang, dem weder die Produktion noch die Transportlogistik gewachsen sein wird. Das wird erneut zu nationalen Preisüberhöhungen führen.

Damit stellt sich dem Heizölkunden die Frage ?Kaufen oder Warten?? oder ?Wie wird sich der Preis entwickeln??. Hier ist ein mögliches Szenario:

Die Weltmarktpreise werden kurz- und mittelfristig unter dem grundlegenden Einfluss einer guten Versorgungslage und einer abkühlenden US-Konjunktur stehen. Dem wachsenden Bedarf in Asien wird mit dem Aufbau von Produktionsleistung Genüge getan. Langfristig wächst der Anteil an Biokraft- und Brenn-Stoffen. Das dämpft das Nachfragewachstum für mineralisches Öl. All das spricht für nachgebende Preise. Kurz und mittelfristig lauern allerdings auch erhebliche Gefahren, die zu neuen Preisspitzen führen können. Hurrikane im Golf von Mexiko und der Atomstreit mit dem Iran, der schlimmstenfalls die Drosselung der iranischen Öllieferungen zur Folge hat, sind die wesentlichen Umstände. Weitere geopolitische Unwägbarkeiten werden temporär hinzukommen. Das jüngst in Alaska aufgetretene Problem schadhafter Pipelines wird sich wahrscheinlich in den nächsten Jahren weltweit wiederholen. Viele Pipelines gelten als marode. Die Betreibergesellschaften geizten in der Vergangenheit mit Instandhaltungsausgaben. Das wird sich langfristig rächen. In Summe sprechen die betrachteten Einflussfaktoren für ein schwaches Nachgeben der Preise. Das schließt nicht aus, dass neue Rekordstände erreicht werden. Die Volatilität wird hoch bleiben.

In den letzten Jahren gaben die Preise zum Winterbeginn häufig nach. Der Rückgang fiel mit dem Ende der Hurrikansaison in den USA zusammen. Im Winter waren die Preise im Vergleich zum Jahresverlauf recht gut für Verbraucher. Eine entsprechende Preisbewegung ist auch in diesem Jahr wahrscheinlich. Sie gilt für den Weltmarkt. Auf den Binnenmarkt ist sie aus oben genannten Gründen nicht übertragbar. Insbesondere im November und Dezember muss mit einem Kaufboom in Deutschland gerechnet werden. Das wird die Inlandspreise teilweise deutlich über die Weltmarktpreise treiben. Selbst wenn der erwartete Preiseinbruch am Weltmarkt kommt, würde er wahrscheinlich nur zu einem ähnlichen Preisniveau wie heute im Binnenmarkt führen. Im Januar, nach der Mehrwertsteuererhöhung, wird das Gros der Heizölkunden eingedeckt sein. Die Nachfrage wird einbrechen. Gleiches würden die Preis tun, wenn da nicht die MwSt.-Erhöhung wäre. Dennoch, das Plus von 3 Prozent kann schnell kompensiert werden. Die Zusammenhänge lassen den Schluss zu, dass die Inlandspreise in den kommenden Monaten im Mittel ihr Niveau halten werden. Es gibt eher ein Ausschlusskriterium für Käufe als ein Zustimmungskriterium. Das Ausschlusskriterium betrifft die Monate November, Dezember weil es dann für Käufer im Markt sehr eng werden dürfte.

Heute Morgen bewegen sich die Gasölpreise wieder im Bereich ihrer unteren Trendkanalgrenze. Sie scheinen dort erneut abzuprallen. Die Tonne kostet 632,25 $. Gestern war sie bereits billiger.

Unsere Heizölpreise haben zur Mitte des Seitwärtstrends zurückgefunden. Sie bleiben wegen der kurzfristig angespannten Binnenmarktlage über dem Weltmarktniveau. Nach unserer Ansicht gibt es in den kommenden Tagen noch etwas Rückgangspotential. Wer sich vor dem Winter eindecken muss, sollte die kommenden Tage zum Kauf nutzen. Wer noch genügend Vorrat hat und spekulieren will, sollte auf die ersten Monate des neuen Jahres setzen.

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