Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Kein frisches Geld

Die US-Rohölbestände sinken weiter. Sie liegen rund sechs Prozent unter dem Vorjahresniveau. Einen noch stärkeren Rückgang verzeichnen die Heizöl- und Dieselvorräte. Ihr Minus beträgt zehn Prozent. Deutlich geringer ist der Abbau bei Benzin. Wesentliche Ursache für die gesunkenen Bestände ist die Hurrikansaison in den USA, die mehrfach zu Schließungen von Fördereinrichtungen im Golf von Mexiko zwang. Ein Teil der abgeflossenen Mengen wird nach vollständiger Wiederaufnahme der Produktion aufgefüllt werden. Die Lagebeschreibung basiert auf den amtlichen Zahlen des DOE (Department of Energy). Vom Verbandsdienst der Mineralölindustrie API (American Petroleum Institute) erhobene Daten zeichnen ein anderes Bild. Danach steigen die Vorräte bereits wieder. Die Zahlen lauten im Einzelnen wie folgt:

Rohöl: -7,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: +3,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 4,9 (DOE) bzw. ein Aufbau von 2,8 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 88 Prozent.

Die US-Vorratslage bedient bullische Instinkte der Finanzszene. Direkt nach Bekanntgabe schnellten die Preise in die Höhe. Es gibt aber keinen Anlass über Engpässe zu philosophieren, wie das beispielsweise vor Ausbruch der Finanzkrise in 2008 der Fall war. Zum einen sind die Vorräte immer noch deutlich höher als damals. Zum anderen sinkt die Nachfrage der US-Verbraucher. Dieser Umstand wird aller Voraussicht nach ein dauerhafter Trend werden. In Europa liegt eine andere Situation vor. Hier sind die Vorräte durchaus knapp. Ein Teilausfall der Nordseeproduktion und der Totalausfall Libyens zeigen Spuren.

Zur Einschätzung der Versorgungslage sind Lagerbestände wenig hilfreich, da sie nicht nur physische Möglichkeiten, sondern auch kaufmännische Interessen widerspiegeln. Ein klareres Bild über die Versorgungssicherheit ergibt sich aus den freien Kapazitäten (Reservekapazitäten) der Produzenten. Diese sind seit Jahresbeginn zwar gesunken. Ursächlich ist der Ausfall Libyens als Lieferant. Die Reservekapazitäten sind dennoch deutlich höher als in 2008. Sobald die libyschen Lieferungen wieder online sind, wird eine geradezu komfortable Situation eintreten. Sie wird Druck auf die Ölpreise ausüben. Dass dadurch ein schwerer Preiseinbruch eintritt, ist allerdings nicht zu erwarten.

Mehr als durch den physischen Markt werden die Ölpreise durch die Geschehnisse an den Finanzmärkten beeinflusst. Öl ist nicht nur Kraft- und Brennstoff. Öl ist auch ein Anlageobjekt, so wie das Geld selbst. Dieser Umstand macht Öl und Geld teuer. Beides wird von kleinen wohlhabenden Gruppen der Bevölkerung gehortet und mit mehr oder weniger großen Aufschlägen an die große Mehrheit, die sowohl Geld als auch Öl braucht, verkauft. Beim Geld heißt der Aufschlag Zins. Er ist seit geraumer Zeit eher gering. Beim Öl heißt der Aufschlag Marge. Sie ist sehr hoch. Je geringer der Zins ist, umso höher wird die Marge steigen.

Gestern signalisierte das Offenmarktkomitee der US-Notenbank, dass es kein frisches Geld in den Markt pumpen wird. Die Finanzszene erwartete das mit der offiziellen Begründung, die Wirtschaft damit anzukurbeln. Da Massen frischen Geldes bisher nicht zu einem für die Bevölkerung relevanten Aufschwung führten, bestehen berechtigte Zweifel, dass dieser mit noch mehr neu gedrucktem Geld zu haben ist. Der sichere Effekt bestünde für die Finanzwirtschaft nur darin, noch mehr Geld für Anlagezwecke zur Verfügung zu haben, mit dem beispielsweise Öl noch teurer werden würde. Weil dieser Möglichkeit eine Absage erteilt wurde, gab der Ölpreis kräftig nach. Einmal mehr wurde der (in diesem Moment eigentlich bullische) Ölmarkt von Finanzmarktfakten geschlagen.

Heute Morgen herrscht gespannte Ruhe an der Preisfront. Wahrscheinlich wird das Auf und Ab der letzten Tagen auf unbestimmte Zeit fortgesetzt werden. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 937,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 84,13 Dollar und in London zu 108,72 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,75 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben nach. Gestern übertraf der Rückgang an den Ölbörsen den Anstieg des Dollars an den Devisenmärkten. Im Preischart für Heizöl deutet sich ein Übergang vom Aufwärtstrend zu einem Seitwärtstrend an. Dieser Trend beschreibt die übergeordnete Preissituation, wie der 12-Monats-Darstellung zu entnehmen ist. Solange sich Politik durch die Finanzwirtschaft zu „Hilfsmaßnahmen“ drängen lässt, wird sich an dieser Situation nichts ändern. Der Heizölpreis wird sich innerhalb des dargestellten Trendkanals bewegen. Heizölverbraucher warten vergebens auf den in der Krise naheliegenden Preiseinbruch. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen