Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Keine Ideen, kein Preisanstieg

Die Preistreiberei kommt wieder in Schwung. Gestern wurde sie von ein paar freundlichen Konjunkturdaten aus Japan und von anziehenden Aktienmärkten unterstützt. Die Finanzwelt sieht die Wirtschaft über den Tag hinaus im Aufschwung. Mit dem Aufschwung kommt die Nachfrage. Und mit der Nachfrage kommt der Preisanstieg. Die Rede ist vom Öl. Die so reden, handeln mit Ölpapieren. Sie handeln nur selten mit Öl. Die, die mit Öl handeln, sehen keinen Aufschwung. Sie sehen schwierige Zeiten auf ihre Branche zukommen. Ein Ende der Überversorgung ist nicht in Sicht. Die Zeit der Überkapazitäten bei den Raffinerien hat erst begonnen. Und die Nachfrage wird in den alten Industrienationen nicht wieder das werden, was sie mal war. In diesem Umfeld dürfte die Preistreiberei alles andere als ein Selbstgänger sein. Die Finanzindustrie wird hart an der Verwirklichung ihrer Ideen arbeiten müssen. Allein der Umstand, dass die OPEC mit dem aktuellen Preis zufrieden ist und kein Interesse an weiterer Preissteigerung hat, bläst ihren Vorstellungen schwer ins Gesicht.

In den ersten drei Quarten 2009 ist der Energieverbrauch hierzulande um 6,4 Prozent gesunken. Wenn das relativ billige Heizöl nicht zu Käufen angeregt hätte, wäre das Minus noch größer ausgefallen. Wie es um die Konjunktur steht, mag der Stromverbrauch der Industrie zeigen. Er ist um 14 Prozent zurückgegangen. Dort, wo das produzierende Gewerbe sonst besonders stark war, werden Nachfrageeinbrüche von bis zu 20 Prozent registriert. Frühestens 2012 oder 2013 hält die Stromwirtschaft eine Rückkehr zu alten Verbrauchszahlen für möglich. Die Mineralölwirtschaft muss sich bis 2020 auf Raffinerieüberkapazitäten von 20 bis 30 Prozent einstellen. In anderen alten Industrieländern ist die Lage nicht besser.

Vor diesem Hintergrund bekommt die Forderung der Industrie nach einem Erfolg der Kopenhagener Klimakonferenz ein klares Licht. Verbindliche, weltweit gültige Regeln zur Reduzierung der Treibhausgase stellen eine Sicherung von neuen Märkten dar, die unsere Industrie dringend braucht. Die Energie- und Umweltrevolution ist nicht mehr das Schreckgespenst der Wirtschaft. Sie soll ihre Rettung werden.

Die Finanzindustrie favorisiert allerdings ein anderes Modell. Sie hofft auf Wirtschaftsaufschwung in China und Indien. Sie interessiert sich wenig für Energieeffizienz. Im Gegenteil, weniger Effizienz bedeutet mehr Verbrauch. Der Verbrauch ist dann besonders interessant, wenn er Knappheitsphantasie keimen lässt. Diese Phantasie ist die Mutter aller Preisanstiege. In den letzten Monaten waren China und Indien bereits recht ordentliche Argumente. Sie halfen den Rohölpreis zu verdoppeln. Grundsätzlich ermöglicht wurde der Preisanstieg aber erst durch das staatliche Doping der Finanzindustrie.

Das Doping hat gewirkt und es wirkt weiter. Die China- und Indienkarte ist hingegen nicht so stark, wie sich Spekulanten das vorstellen. Ausdruck findet das in Statements der chinesischen Regierung. Ausdruck findet es auch in den langfristigen Preisen für Öl. In einem Kontrakt mit Fälligkeit in acht Jahren wird Rohöl zu 100 Dollar pro Barrel gehandelt. Die Phantasien aus dem Jahr 2008, als Rohöl zur kurzfristigen Lieferung bereits 150 Dollar kostete, sind nicht wiederbelebt. Das zeigt sich auch in den langfristigen Preisprognosen der IEA (Internationale Energie Agentur), die wir in der letzte Woche als recht zurückhaltend kommentierten. Interessant ist in dem Zusammenhang zu erfahren, wie Preisprognosen generell einzuschätzen sind. Adam Sieminski, er ist Energie Chef Ökonom der Deutschen Bank, bestätigt das, was der aufmerksame Beobachter schon über Jahre zu spüren glaubt. Längerfristige Futures bilden den zukünftigen Preis niemals korrekt ab. Oder einfacher ausgedrückt, langfristige Preisprognosen taugen nichts, selbst wenn sie von Fachleuten kommen.

Die Finanzindustrie wird alles tun, um die Preise weiter in die Höhe zu treiben. Momentan sieht es aber nicht so aus, als sollte ihr Erfolg sicher sein. Die bullischen Argumente sind nicht stark genug. Das, was sich gestern als Rückkehr zur Preistreiberei offenbarte, könnte als Rohrkrepierer enden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Öl in den kommenden Wochen nicht teurer wird, ist durchaus gegeben. Vielleicht kommt sogar ein kleiner Abwärtstrend heraus. Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 619 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 78,66 Dollar. Der US-Dollar wird zu 66,90 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise ziehen an. Vorausgegangen war ein Preisrückgang von rund fünf Prozent. Die Zahl ist nicht berauschend. Berauschend wird es nach unten auch kaum gehen. Immerhin ist die Richtung nicht mehr so abwegig, wie sie uns vor Kurzem noch schien. Dass sie möglich ist, hat mit einem Mangel an Ideen zum erhofften Aufschwung zu tun. In gewisser Weise ist die nebulöse Darstellung von Wachstum, wie sie die neue Bundesregierung liefert, Ausdruck dieser Ideenlosigkeit. Die Finanzindustrie selbst ist ein Protagonist des Mangels an Ideen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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