Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Keiner hat den Überblick

An den Finanzmärkten, zu denen auch die Sparte Ölpapiere gehört, übt man sich in Normalität. Nachrichten werden selektiv behandelt. Bullisches bekommt einen Bonus. Ein Ausverkauf der immer noch teuren Ölfutures deutet sich derzeit nicht an. Ein solcher hängt eng mit der Stabilität des Finanz- und Wirtschaftssystems zusammen. Die Finanzsysteme diesseits und jenseits des Atlantiks sind angeschlagen. Weil das so ist, handeln Notenbanken und Regierungen außerordentlich aufmerksam. Böse Überraschungen wird es kaum geben. Reaktionen auf das Grauen werden antizipiert. Dennoch sind in absehbarer Zukunft heftige Reaktionen zu erwarten, da die bisher angewendeten Maßnahmen zur Stabilisierung der Finanzsysteme nicht zukunftsfähig sind. Im Gegenteil, langfristig steigern sie die Gefahr des Systemzerfalls.

Die Atomphysik gibt eine hilfreiche Analogie zum Verständnis der Sache. Theoretisch ist ein umgekehrter Zerfallsprozess denkbar, bei dem man stabile Elemente durch Hinzufügen von Kernteilchen und Energie zu instabileren neuen Elementen macht. Irgendwann entsteht auf diese Weise ein so großes instabiles Element, das durch das Impfen mit nur einem einzigen weiteren Kernteilchen zerfällt, weil die Bindungskräfte der Natur überschritten sind. Der Volksmund spricht vom Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Der Atomphysiker spricht von Kernspaltung. Im Atomreaktor ist diese erwünscht. Aber das Finanzsystem ist nicht als Atomreaktor konzipiert. Und selbst der erwünschte Prozess in einem Atomreaktor ist unbeherrschbar, wie wir mittlerweile wissen. Das, was uns Politik und Fachwelt in diesen Tagen zum Atomkomplex vorlegen, ist niederschmetternd. Es wurde offenkundig, dass kein Experte einen Gesamtüberblick zum Sicherheitsstand deutscher Meiler hat. Dem 1994 von Klaus Töpfer in seiner Eigenschaft als Umweltminister festgelegten Sicherheitsstandard wird kein einziges Atomkraftwerk gerecht. Ein Super-GAU lässt sich hierzulande nicht ausschließen. Dieser würde gemäß einer Studie des wissenschaftlichen Dienstes für die Assekuranz, Versicherungsforen Leipzig, maximale Kosten von 6,1 Billionen Euro verursachen. Zur Einordnung der Zahl, der aktuelle Schuldenstand Deutschlands beträgt 1,8 Billionen Euro. Wir spielen offensichtlich mit dem Feuer oder wir wissen nicht, was wir tun.

Den gleichen Eindruck vermitteln die handelnden Personen zum Finanzkomplex. Sie haben die Systeme vor Jahren durch diverse Liberalisierungen zu atomreaktorähnlichen Gebilden werden lassen. Nun werden sie ihrer nicht mehr Herr. Noch sind diese Gebilde nicht durchgebrannt. Aber sie sind nahe an der Grenze zum Durchbrennen. Derzeit ist kein Prozess bekannt, der ein ordentliches Herunterfahren des Finanzreaktors ohne schwere Kollateralschäden für die Bevölkerung sicherstellt.

Ungeachtet der Gesamtlage spielen die Akteure an den Finanzmärkten mit mehr oder weniger interessanten Tagesmeldungen. Gestern war es die Veröffentlichung der US-Bestandsdaten, die den Ölpreisen Bewegung einflößte. Die Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zeigen ein weitgehend konstantes Niveau in den Vorratslagern, das im langfristigen Vergleich hoch ist. Im Einzelnen wurde Folgendes zur wöchentlichen Veränderung gemeldet:

Rohöl: -0,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 1,3 (DOE) bzw. 0,8 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 83 Prozent. Sämtliche Zahlen sind unspektakulär. Finanzjongleure machten daraus aber ein bullisches Schauspiel.

Dieses hat keinen Anspruch, über den Tag hinaus gültig zu sein. Heute Morgen gibt es zwar Tendenzen einer Fortsetzung. In der Betrachtung über mehrere Wochen kommt die Bewegung aber nicht über einen Seitwärtsgang hinaus. Die Tonne Gasöl kostet 935 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 99,98 und in London zu 112,45 gehandelt. Der US-Dollar kostet 70,13 Eurocent.

Unsere Heizölpreise setzen ihren Seitwärtszug mit unwesentlichen Schwingungen fort. Gestern sorgten die Ölbörsen für ein Auf. Heute kann es bereits wieder ein Ab sein. Der Drang der Finanzszene, den Ölkomplex in die Höhe zu tragen, ist unverändert spürbar. Die Aussicht auf Erfolg wird geringer, da hohe Ölpreise mittlerweile als Konjunkturkiller anerkannt sind. Die Chance auf eine ordentliche Fortsetzung des jüngsten Preiseinbruchs ist leider nicht deutlich erkennbar. Diese steht derzeit eher als Hoffnung im Raum. Nicht gänzlich ohne Hoffnung ist das im Prinzip sichere Energiesparen mit einem neuen Heizsystem. Mit diesem hier können Sie auf einen Lotteriegewinn hoffen.

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