Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Kippt der Trend?

Die erfolgreich gelaufene Gegenbewegung auf die hohen Preise laboriert an einem Umkehrpunkt. In dieser Woche sollte sich zeigen, ob der übertriebene Aufwärtstrend beendet wird oder ob eine weitere Welle überzogener Preissteigerungen anbricht. Derzeit ist die Entwicklung vollkommen offen. Nicht offen ist hingegen die Richtung des Dollars. Die Währung befindet sich in einem stabilen Abwärtstrend zum Euro.

Die Rohölversorgung läuft momentan gut. Im Oktober hielt die OPEC ihr hohes Produktionsniveau. Der Irak konnte sogar zulegen. Das zeigt sich u.a. im kontinuierlichen Aufbau der US-Vorräte. Terrorängste und Sorgen über Unruhen in Nigeria und Venezuela sind in den Hintergrund getreten. Milde Temperaturen halten zudem die Furcht vor Engpässen bei der Heizölversorgung in Grenzen. Chinas Regierung versucht den überschäumenden Ölbedarf zu dämpfen. Noch sind die Erfolge nicht zu spüren. Insgesamt ist die fundamentale Marktlage labil bärisch. Sie spricht für tiefere Preise. Das Potential für Störungen ist aber weiterhin hoch.

Charttechnisch ist das Ende der Gegenbewegung auf den seit Juli laufenden steilen Aufwärtstrend annähernd erreicht. Ein Durchbruch nach unten könnte die Übertreibung endgültig aus dem Markt nehmen. Einige Dollar unterhalb der aktuellen Preise verläuft allerdings ein seit September 2003 bestehender Trendkanal, der ebenfalls für Teuerung steht. Mit ihm ginge ein Preisanstieg deutlich moderater einher. In Europa würde er wahrscheinlich durch den Dollartrend annulliert. Sollte der Durchbruch nicht gelingen, muss man mit neuen Preisrekorden rechnen.

Die Situation ist dermaßen offen, dass sich Spekulanten vom Markt abwenden. Fonds reduzierten ihren Kontraktbestand zur Vorwoche um gut 8%, kleine Spekulanten sogar um über 16%. Ölhändler kaufen mehrheitlich Positionen auf steigende Preise. Sie trauen dem freundlichen Schein der Versorgungslage offensichtlich nicht. In der Tat könnte ein plötzlicher Kälteeinbruch die Stimmung schlagartig eintrüben.

In Europa kann man einer möglichen dritten Teuerungswelle der Ölpreise zumindest mit Blick auf die Heizkosten etwas gelassener als im September entgegensehen. Folgt man den Analysteneinschätzungen, wird der Dollar seine Talfahrt mit Billigung der US-Regierung fortsetzen. Der Kursverfall ist eine Möglichkeit, um das bedrückende Handelsbilanzdefizit aufzubessern.

Heute Morgen hält sich der Gasölpreis innerhalb der Handelsspanne vom Freitag. Die Tonne kostet 413,50 Dollar.

Die Entwicklung der Heizölpreise in Deutschland sieht mittlerweile nicht mehr so niederschmetternd aus wie vor einem Monat. Verbrauchern, die entnervt vom kräftigen Preisanstieg des letzten Jahres mit dem Gedanken spielen, von Öl auf Gas zu wechseln, sei an dieser Stelle Folgendes gesagt. Die Gaspreise werden im kommenden Winter erheblich steigen. Versorgungsgesellschaften nutzen den hohen Ölpreis zur Verbesserung ihrer Erlössituation. Es ist zu erwarten, dass sich der zuletzt übliche mittlere Abstand von 30%-50% (Öl billiger als Gas) wieder einstellen wird. Neben dem Preis ist die Versorgungssicherheit für Gas ins Gerede gekommen. Die IEA mahnt die deutsche Bezugspolitik an. Die Abhängigkeit der Gasversorgung von Russland ist viel zu hoch. Sie wird als Gefahr für Wirtschaft und Politik angesehen. Regierung und Versorger planen entgegen den Bedenken, den Bezug russischen Gases auszubauen.

Die Gasbranche hebt immer noch hervor, dass bei der Verbrennung von Gas weniger Treibhausgase entstehen als bei der Ölverbrennung. Sie unterlässt es allerdings zu sagen, dass beim Transport von Sibirien bis nach Deutschland erheblich mehr Treibhausgase entweichen, so dass die gesamte Umweltbilanz allenfalls im Patt endet. Im Vergleich zu schwefelarmen Heizöl fällt sie sogar negativ aus.

Unsere Heizölpreise haben sich seit Mitte Oktober rundum freundlich entwickelt. Mittlerweile sind sie für die 3000-Liter-Partie unter 0,45 EUR pro Liter gefallen. Diesen Wert sehen wir vor dem Hintergrund der weltweiten Veränderungen als adäquates Mittel an. Wer noch vor Jahreswende ordern muss, ist mit den aktuellen Preisen sicher gut bedient.

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