Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Kleine Ursache, große Wirkung

Sie kamen einen Tag später und sie überraschten. Die US-Bestandsdaten zeigen keinen weiteren Aufbau an. Damit hatte die Analystengemeinde nicht gerechnet. Börsianer nutzten die Überraschung zu einer saftigen Preiskorrektur. US-Rohöl verteuerte sich um annähernd 14 Prozent. Das gilt allerdings nur für den heute auslaufenden Kontrakt. Der Folgekontrakt verteuerte sich um sieben Prozent. Nordseeöl Brent kam mit einem Plus von fünf Prozent davon. Und die hier relevanten Produkte Gas Oil und Heating Oil legten um drei Prozent zu. Die Preisbewegung stellt keine Abkehr vom Abwärtstrend dar. Sie nimmt lediglich etwas Aggressivität aus dem Verlauf, der zuletzt ohnehin übertrieben steil abwärts wies.

Fundamental ist ein weiterer Absturz der Preise kaum noch zu rechtfertigen. Er passt nicht mit dem Anspruch auf eine nachhaltig sichere Ölversorgung zusammen. Die benötigt hohe Investitionen. Bereits beim aktuellen Preis werden diese Investitionen nicht mehr getätigt. Hingegen ist ein weiterer Preisabsturz psychologisch verständlich. Die wegbrechende Konjunktur und die verminderte Nachfrage nach Öl hinterlassen ein Gefühl von Überschuss und damit von Wertlosigkeit. Was gestern noch knapp und teuer war, ist heute reichlich und billig vorhanden. Real ist dieser Zusammenhang nicht.

In der Zukunft wird der Ölpreis höher gehandelt. US-Rohöl zur Lieferung in einem Jahr kostet gut zwölf Dollar mehr als heute. Weitere zehn Dollar muss man für den März-Kontrakt 2011 drauflegen. Das sind die Futures-Preise von heute. Sie sagen natürlich nichts darüber aus, wie teuer das Öl in einem und in zwei Jahren tatsächlich sein wird. Falls Sie im März 2013 einige Barrel Rohöl benötigen, können Sie diese heute übrigens zu einem Preis von 87,64 Dollar pro Barrel fixieren. Wenn die Wirtschaft bis dahin wieder in den alten Tritt gekommen sein sollte, wäre das sicher günstig. Da aber ein neuer, noch unbekannter Gang der Wirtschaft zu erwarten ist, lässt sich die Werthaltigkeit des Preises heute kaum beurteilen.

Was die Börsianer gestern zur Raserei brachte, kann man in einer lächerlichen Zahl zusammenfassen. Sie lautet 0,2. Sie steht für den binnen einer Woche aufgelaufenen Verlust in den US-Rohöllagern, ausgedrückt in Mio. Barrel. Geliefert wurde die Zahl vom DOE (Department of Energy). Sie ist noch nicht mal widerspruchsfrei. Denn das API (American Petroleum Institute) meint, dass in der letzten Woche kein Verlust sondern ein Zugewinn von 1,6 Mio. Barrel aufgelaufen sei. Das API genießt leider nicht das Vertrauen der Ölszene. Von September 2008 bis Februar 2009 sind die US-Rohölvorräte um rund 73 Mio. Barrel oder 30 Prozent gestiegen. 0,2 Mio. Barrel sind beileibe Peanuts. Sie werden die Preise nicht über den Tag hinaus bewegen. Der Rest der Bestandsdaten lautet wie folgt:

Rohöl: -0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,1 (DOE) bzw. 2,3 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit steht weiterhin bei lausigen 82 Prozent. Mehr wollen die Raffineure nicht herausholen, weil es dem Vernehmen nach nicht wirtschaftlich ist. Mit der schwachen Produktion versucht man die nachgebenden Produktenpreise einigermaßen im Zaum zu halten.

Heute Morgen kommen die Preise von ihren gestern erreichten Höhen langsam zurück. Die Tonne Gasöl kostet 366,50. Das Barrel WTI-Rohöl kostet in New York 38,53 Dollar. Die Sorte Brent kostet 41,43 Dollar. Der gestrige Preissprung hat die verdrehten Verhältnisse zwischen WTI und Brent ein wenig in Richtung Normal verändert. Normalereise ist WTI teurer als Brent. Der Dollar verlor an Wert, weil Öl und Aktien zumindest zeitweise an Wert gewannen. Momentan steigt der Dollar wieder. Er kostet 79,40 Eurocent.

Unsere Heizölpreise sinken. Gestern war das allerdings nicht der Fall. So sehr wir Verbrauchern niedrigere Preise wünschen, so irritierend ist für uns die drastische Preisentwicklung der letzten Tage. Es ging gemäß unserer Einschätzung des Marktes zu steil abwärts. Insofern stellt die gestrige Preisbewegung eine Korrektur dar. Weil die Preise niedrig sind, ist die Nachfrage wieder hoch. Dieser Umstand und die teilweise schwierigen Wetter- und Fahrverhältnisse verursachen eine erneute Verlängerung der Lieferzeiten. Das trifft vor allen Dingen für die südlichen Bundesländer zu. Trotz der attraktiven Preise sollte man nicht vergessen, sich um eine weniger energieintensive Zukunft zu kümmern. Verbrauchssenkung ist angesagt. Schauen Sie hierzu mal auf www.esytrol.com.

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