Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Kleine Weihnachtsrallye

Nun ziehen die Ölnotierungen tatsächlich an. Die erwartete Weihnachtsrallye nimmt ihren Lauf oder besser gesagt ihren Gang, denn ein wenig blockiert wirkt sie schon. Das liegt in erster Linie am Theater um die US-Fiskalklippe. Regierung und Opposition üben weiterhin Fundamentalismus. Sie schaffen es nicht, einen Kompromiss zu erarbeiten. Langsam wird die Zeit knapp. Bis zum Jahresende muss eine Einigung her.

Nicht auszudenken, wie die Rallye wüten würde, wenn sich die Politik einig wäre. Denn gestern gab es bullische Impulse vom physischen Markt. Die könnten der Booster für ein beherztes spekulatives Treiben sein. Sind sie gottlob nicht. Sie sind nur ein ganz normaler bullischer Sachverhalt, von dem keine besondere Preisgefahr ausgehen sollte. Die Nachfrage nach Heizöl ist im Nordosten der USA gestiegen. Das belastet die knappen Vorräte stärker als erwartet. Die jüngste Entspannungsmeldung, sie ist auf die relativ warmen Temperaturen zurückzuführen, muss mit den aktuellen US-Bestandsdaten widerrufen werden. Zudem soll es nun kalt werden.

Die Zahlen, die DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) zur wöchentlichen Veränderung in den Lagern vorlegen, lauten wie folgt:

Rohöl: -1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,0 (DOE) bzw. 1,8 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 92 Prozent. Das ist ein guter Wert, um das Problem der schwachen Heizölbevorratung anzugehen.

Der Kern des bullischen Impulses ist in den Zahlen gar nicht zu erkennen. Er liegt in den Heizöllagern im Nordosten der USA, dort wo dreiviertel der Ölheizer wohnen. In dieser Region sind die Heizöl- und Benzinvorräte auf ein jahreszeitliches Tief seit Beginn der Statistik gefallen. Damit gibt es einen sehr rationalen Grund, über Knappheit zu schwadronieren.

Erfreulicherweise sinkt die Heizölnachfrage in den USA noch stärker als hierzulande, weil Ölheizer auch dort zu den energiesensibelsten Bürgern gehören. Sie arbeiten ständig an der energetischen Aufwertung ihrer Häuser. Deshalb ist die Tatsache des Minimalbestands nicht zwangsläufig dramatisch. Das werden Spekulanten möglicherweise in Kürze erkennen.

Sie werden zudem Gegenwind durch das Vorhaben einer kanadischen Pipelinegesellschaft bekommen, die eine Gasleitung in eine Ölleitung zu wandeln gedenkt. Diese soll Rohöl zu den Raffinerien im Nordosten der USA schaffen. Bisher wird fehlendes Rohöl dort unter anderem durch europäisches Rohöl (Brent) substituiert. Vor dem Hintergrund der Überversorgung der USA mit Rohöl ist das für Europa und die USA ein besonders ärgerlicher Umstand, weil er die Preise unnötig auftreibt. Hätten die USA eine ausgewogenere Infrastruktur, stünden die Preise für Brent (Nordseeöl) und WTI (Texasöl) näher beieinander. Brent wäre billiger. Bis zur Realisierung des Vorhabens werden noch einige Monate vergehen.

Heute Morgen ist von der Fortsetzung der bullischen Vorgänge an den Börsen noch nichts erkennen. Da die Preisbewegungen bei dem schwachvolumigen Vorweihnachtshandel erratisch sind, lässt sich daraus keine Tagestendenz ablesen. Es kann x-beliebig weitergehen. Finanzjongleure haben eine Disposition zur bullischen Malaise. Die Tonne Gasöl kostet 936,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 89,54 Dollar und in London zu 109,83 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,69 Eurocent.

Unsere Heizölpreise legen zu. Dem bullischen Drang der Börsen können sie sich nicht widersetzen, zumal der Euro ihnen gestern auch nicht gewogen war. In den kommenden Tagen bleibt die Gefahr hoch, dass es weiter aufwärts gehen wird. Die Bewegung spielt sich in einem kurzfristigen Abwärtstrend ab, der momentan in keiner Weise gefährdet ist. Daraus und aus der übergeordneten Lage am physischen Markt leite ich die Prognose ab, dass Heizöl im Verlauf des Winters wieder billiger werden wird. Diese wird allerdings durch die ständige Gefahr politisch missbilliger Eingriffe unterminiert. Wer einen einigermaßen günstigen Heizölpreis sicher einfahren möchte, sollte jetzt ordern. Weil der Tankvorrat im Winter schnell sinkt, eröffnet sich schon bald die Möglichkeit, erneut zu einem guten Preis zu ordern, wenn meine Prognose durchhalten sollte. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das kann zum Beispiel die Installation einer neuen Öl-Brennwertheizung sein. Bis zum Jahresende können Sie dafür noch eine Prämie von 500 Liter Heizöl kassieren.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen