Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Knappe Ressourcen und zuviel Öl

Gestern wurde Öl teurer, weil es zuvor so billig wurde. Tendenziell traut man den Preisen eher Nachlass als Zuschlag zu. Oder anders formuliert: Der Markt zeigt eine charttechnische Gegenreaktion auf den Preisverfall der letzten Woche. Die bärische Grundstimmung besteht aber fort. Der Dollar richtet sich in der Nähe der unteren Unterstützung eines längerfristigen Seitwärtstrends ein. Hier schwingt er im Tagestakt. Impulse, um sich aus der Situation zu lösen, fehlen.

Die Energie-Ressourcen sind endlich. Öl soll den Prognosen zufolge als erstes erschöpft sein. Kurz darauf gehen Gas, Uran und mit etwas Verzögerung schließlich Kohle zu Ende. Weil das so ist, steigen die Preise. Genauer gesagt, sie steigen, weil wir die Endlichkeit unserer Ressourcen realisieren. Im Umkehrschluss heißt das, wenn wir nicht daran denken, steigen die Preise nicht. Wenn es genug Öl im Angebot gibt, haben wir keinen Grund an die Endlichkeit zu denken. Dann können die Preise sogar fallen. Der Fall einer akuten Versorgungslücke ist üblicherweise eine kurzfristige Extramsituation mit eigener Gesetzmäßigkeit.

Derzeit gibt es mehr als genug Öl im Angebot. Daher stehen die Preise unter Druck. Wenn die Lage so bleibt, vergessen wir bald die Endlichkeit der Ressourcen. Aber China, Indien und andere wirtschaftlich aufstrebende Regionen sollten mit ihrem wachsenden Bedarf unser Vergessen verhindern. Andererseits wachsen die verfügbaren Reserven trotz steigender Nachfrage. Es drängt sich der Eindruck auf, dass langfristig nicht die Versorgung das Problem des modernen Menschen sein wird, sondern die Folgen der Verbrennung der Ressourcen, die sich u.a. im Klimawandel zeigen.

Heute ist das Ölangebot höher als die Nachfrage weil die Förderung steigt und der Mehrbedarf geringer ausfällt als erwartet. Zur moderaten Entwicklung der Nachfrage tragen eine abkühlende US-Konjunktur und milde Klimabedingungen in den wichtigen Heizölregionen der Erde bei. Damit die Preisentwicklung nicht abrutscht, bemüht sich die OPEC durch Lieferkürzungen um Ausgleich auf der Angebotsseite. Das klappt aber noch nicht. Jedes OPEC-Mitglied möchte möglichst viel Öl verkaufen.

Ganz fatal würde die Situation für die Lieferstaaten, wenn die wirtschaftliche Entwicklung in den Boomregionen einbräche. So etwas geschah beispielsweise in den 1990er Jahren in dem damaligen Boomland Südkorea. Die Folge war ein Einbruch der Ölnachfrage mit der Konsequenz eines Preisverfalls, der inflationsbereinigt zum tiefsten Ölpreis der Nachweltkriegszeit führte. Fast zwei Jahrzehnte zuvor erlebte die Welt die höchsten Preise der Geschichte. Sie wurden durch politisch ausgelöste Lieferengpässe in der Nahostregion provoziert. Eine wirkliche Knappheit gab es nie. Aber die Menschen dachten an die Endlichkeit der Ressourcen und katapultierten die Preise in atemberaubende Höhen. Sie waren inflationsbereinigt noch höher als die Preisspitzen während des aktuellen Endlichkeitsszenarios.

Der zeitliche Ablauf des 1970er Ölpreisschocks und der anschließende Preisverfall fanden im Rhythmus sechs Jahre rauf, sechs Jahre runter, zwölf Jahre seitwärts statt. Der letzte Ölpreisschock begann vor acht Jahren. Wenn Geschichte wiederholbar sein sollte, könnten wir heute bereits über den Berg sein.

Heute Morgen wird die gestern begonnene Gegenreaktion der Preise bestätigt. Gasöl ist teurer als an den Vortagen. Die Tonne kostet 527,50 $.

Unsere Heizölpreise ziehen etwas an. Insgesamt bleiben sie aber in einem sich abschwächenden bärischen Trend. Nach unserer Einschätzung sollte das Preisniveau in naher Zukunft erhalten bleiben. Wir schätzen die bärischen Tendenzen des Marktes als nicht übermäßig stark ein. Die Nachfrage im Inland ist für die Jahreszeit normal. Die Lieferzeiten sind etwas verlängert. Wir weisen erneut darauf hin, dass die MwSt.-Erhöhung zum Zeitpunkt der Lieferung und nicht zum Zeitpunkt der Bestellung greift. Daher wird sie bereits im Dezember in die Heizölpreise eingehen. Denn Lieferungen dauern momentan zwei bis drei Wochen.

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