Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Konzerne sehen noch viel Öl

Über mangelnde Einflussfaktoren kann sich die Börse in diesen Tagen nicht beklagen. Zu einer klaren Preisrichtung führen die Impulse aber nicht. Aktuell signalisieren die Preischarts einen seitwärts gerichteten Trend. Das Hauptpotenzial für rückläufige Preise bietet die angeschlagene US-Konjunktur. Die überwältigenden Bemühungen, diese zu retten, hält die Marktteilnehmer immerhin soweit bei Laune, dass sie Öl und andere handelbare Güter nicht aufgeben. Und sie finden eine Reihe bullischer Faktoren, die in anderen Zeiten längst wieder eine Rallye ausgelöst hätten. Letzte Notiz in dieser Reihe ist eine drohende Lieferunfähigkeit im Nordirak. Die Pipelineversorgung in den türkischen Hafen Ceyhan ist wegen eines Stromausfalls unterbrochen. Mehrere Tanker können nicht beladen werden. Ähnlich wie beim Ölpreis sieht die Lage beim Dollar aus. Die Währung hält sich trotz des negativen Umfelds bemerkenswert stabil.

Dass der Ölpreis in einem Umfeld teilweise grauenhafter Wirtschaftsdaten aus den USA nicht abschmiert, hat auch einen langfristig angelegten Grund. Es ist der Zweifel an der ausreichenden Ergiebigkeit existierender Ölquellen. Offizielle Vertreter der Ölindustrie sind bemüht, diese Zweifel zu zerstreuen. In der letzten Woche tat der Chefökonom aus dem Hause BP kund, dass Sorgen über ein baldiges Ende der Ölförderung jedweder Realität entbehrten. Die Vergangenheit hätte gezeigt, dass ständig neue Felder gefunden werden. Außerdem würden bestehende Felder auf Grund technischer Fortschritte besser ausgebeutet als früher. Ähnliche Äußerungen bezüglich der globalen Ölwirtschaft kommen von Shell. Die Bilanz spricht allerdings eine andere Sprache. Sie zeigt, dass die Geschwindigkeit bei der Erschließung neuer Ölquellen sinkt. Genau das wird seit Jahren von unabhängigen Geologen als Indiz für ein Überschreiten der maximal möglichen Förderung angesehen.

Wer der Wahrheit näher kommt, wird die Zukunft zeigen. Die Frage, ob das Fördermaximum bereits erreicht ist oder nicht, sollte die bekannten Ölkonzerne weit weniger beschäftigen als die Tatsache, dass sie aus ganz anderen Gründen vom Ölstrom abgeschnitten werden. BP, Shell, ExxonMobil, Total und andere private Ölgesellschaften haben kaum noch Zugang zu den weltweiten Ölvorkommen. Die befinden sich mittlerweile zu über 90 Prozent in der Hand staatlicher Firmen wie Saudi Aramco, Gazprom und andere. Und diese Firmen legen wenig Wert auf Kooperationen mit den alten Spielern des Geschäfts. Damit wird den Privaten nach und nach die Geschäftsgrundlage entzogen. Allein aus diesem Grund werden sie sich immer stärker in Energiealternativen und für eine Steigerung von Effizienz engagieren. In diesen Feldern können sie ein nachhaltiges Know How entwickeln, das ihre Kundschaft in Zukunft brauchen und nachfragen wird. Dabei handelt es sich um global vermarktbare Fähigkeiten. Die heutige Not der Privaten könnte ihre zukünftige Stärke werden. Zu wissen wie man mit Energie effizient umgeht, wird langfristig erfolgreicher sein, als auf Ölreserven zu sitzen.

Bevor dieses Wissen wirtschaftlichen Erfolg bringt, werden die Ölgesellschaften sich an den bestehenden Möglichkeiten der Ölförderung abmühen. Die Mühe wird ständig größer. Die Kosten für die Erschließung neuer Quellen steigen immens. Aber selbst erschlossene Quellen werden immer teurer. Bei Shell ist die Produktion im vergangenen Jahr um sechs Prozent zurück gegangen. Die Kosten hierfür sind um zehn Prozent gestiegen. Auch dieser Umstand wird im Ölpreisanstieg verarbeitet.

Heute Morgen gibt es keinen Ölpreisanstieg. Nachdem der Preis gestern deutlich zulegte, herrscht abwartende Ruhe am Markt. Das ist ein passender Auftakt für die nahe liegende Seitwärtsbewegung der Preise. Gasöl kostet zur Stunde 798,25 $.

Unsere Heizölpreise halten seitwärts. Das deckt sich mit den Erwartungen, nicht mit den Hoffnungen. Letztere stützen sich auf die schlechten Konjunkturaussichten in den USA und ihren kurzfristigen Einfluss auf die Ölwelt. Wir verabschieden uns keineswegs von diesen Hoffnungen, so wie sich Investoren nicht von den Hoffnungen auf Rettung vor einer Rezession verabschieden. Damit herrscht ein Patt. Und das wird durch die Realität seitwärts ziehender Preise gut abgebildet.

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